Der geplante Stellenabbau beim Zugbauer Alstom in Deutschland soll nach Unternehmensangaben bis zum Jahresende geregelt werden. „Wir halten es für notwendig, dass wir 900 bis 1300 Arbeitsplätze anders gestalten“, sagt Deutschlandchef Müslüm Yakisan.
Darüber werde mit den Sozialpartnern verhandelt. „Wir brechen das aber nicht übers Knie, weil es immer um Menschen geht. Bis zum Ende des Jahres möchten wir eine Lösung haben, die auch sozialverträglich ist und fair.“
Alstom hatte im vergangenen Jahr die Zugsparte des Bombardier-Konzerns übernommen. Dazu etwa zählte auch das Werk in Görlitz. Zeitgleich zum damals schon angekündigten Stellenabbau sollen bis zu 700 neue Stellen in neuen Arbeitsbereichen wie Software und Digitalisierung geschaffen werden. In den vergangenen Jahren sei nicht auf Marktveränderungen reagiert worden, sagte Yakisan. „Das müssen wir jetzt machen.“

Bautzen/Görlitz

550 Arbeitsplätze stehen in Ostsachsen auf der Kippe

Nach sächsischen Regierungsangaben könnten in Görlitz bis zu 400 und in Bautzen bis zu 150 Arbeitsplätze wegfallen. In Görlitz gebe es Fertigungskapazitäten, die in den nächsten Jahren nicht gebraucht würden, sagt der Alstom-Manager. „Es gibt aber Know-how in Görlitz, das für die Gruppe wertvoll ist.“ Zur Frage nach Werksschließungen sagte Yakisan: „Wir sind keine Heuschrecke, die Sachsen oder sonst ein Bundesland überfällt, sondern wir suchen Lösungen gemeinsam mit unseren Sozialpartnern.“
Alstom in Görlitz und Bautzen Kann der Bund den Jobabbau verhindern?

Görlitz

Deutliche Kritik gibt es dazu von Landtagsabgeordneter Antonia Mertsching (Linke): „Einer strukturschwachen, durch den Energie- und Strukturwandel gebeutelten Region droht weiteres Ungemach: Rasche Eigentümerwechsel verbunden mit einem Abfluss von Know-how und der Abwanderung qualifizierten Personals bringen die einst starke traditionelle Schienenfahrzeugbranche immer wieder in Existenznöte.“ Die Linke fordert von der Landesregierung, das „Testzentrum für Eisenbahntechnik“ (Tetis) in der Oberlausitz selbst zu finanzieren, um Arbeitsplätze zu sichern.
Ende 2021 besuchte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), das Görlitzer Werk. Das hatte den Konzern vom geplanten Stellenabbau offenbar nicht abgehalten.