Vermisst in Sachsen und Brandenburg
: Sechs Menschen verschwinden innerhalb einer Woche spurlos

Derzeit sucht die Polizei in der Lausitz nach mehreren vermissten Menschen. Gleich sechs Fälle beschäftigen die Ermittler aktuell in Ostsachsen und Südbrandenburg. Das wirkt auffällig.
Von
Thomas Seifert
Görlitz
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Vermisst in Niedersachsen: ARCHIV - 19.11.2018, Niedersachsen, Bergen an der Dumme: Ein Kameramann filmt ein Plakat zum Fall der vermissten Katrin Konert. (zu dpa: «Vermisste Menschen – Welche Hilfe gibt es für Angehörige?») Foto: Philipp Schulze/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vermisste Menschen in Sachsen und Brandenburg: Die Polizei ist bei Vermisstenfällen regelmäßig auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. (Symbolfoto)

Philipp Schulze/dpa
  • Polizei sucht in der Lausitz nach sechs Vermissten aus Ostsachsen und Südbrandenburg.
  • Fünf Fälle aus Sachsen und einer aus Brandenburg sind binnen weniger Tage bekannt geworden.
  • Öffentlichkeitsfahndungen: Hinweise erbeten, Fotos und Beschreibungen sollen helfen.
  • Laut Polizei sind die Fälle unabhängig, eine Häufung wirkt dennoch auffällig – Vergleich fehlt.
  • Meist werden Vermisste wiedergefunden, schnelle Meldung und Suche erhöhen die Chancen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mehrere aktuelle Vermisstenfälle in der Lausitz innerhalb weniger Tage sorgen derzeit für Aufmerksamkeit. Fünf Öffentlichkeitsfahndungen hat die Polizeidirektion Görlitz in Sachsen in dieser Woche herausgegeben. Darin bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach den vermissten Menschen.

Die aktuellste Öffentlichkeitsfahndung ging am Freitagabend, 26. Juni 2026, an die Medien mit der Information hinaus, dass der 45-jährige Thomas S. aus Großschweidnitz (Landkreis Görlitz) seit Donnerstag, 25. Juni 2026, 20 Uhr, gesucht wird.

Der Vermisste war nach einem genehmigten Freigang nicht mehr in die dortige Unterkunft im Dr.-Max-Krell-Park zurückgekehrt. Laut Polizei gehe keine Gefährdung von dem Mann aus.

Seit Donnerstag wird auch der 14-jährige Alwin V. vermisst. Auch er kommt aus Großschweidnitz (Landkreis Görlitz). Der Jugendliche hat seine dortige Unterkunft im Dr.-Max-Krell-Park in den späten Nachmittagsstunden - gegen 17 Uhr - in unbekannte Richtung verlassen.

Zu Fällen aus Sachsen kommt noch ein Fall aus Brandenburg

Ebenfalls seit Donnerstag sucht die Polizei die zwölfjährige Doro J. aus Kumschütz in der Gemeinde Kubschütz (Landkreis Bautzen) in Sachsen. Das Mädchen verließ die Wohnung in Kumschütz in den Nachmittagsstunden in unbekannte Richtung.

Seit Mittwochmittag, 24. Juni 2026, fehlt von Maik S. aus Bluno in der Gemeinde Elsterheide (Landkreis Bautzen) jede Spur. Der 38-Jährige habe laut Polizei seine Wohnung verlassen, ohne jegliche Nachricht, wohin.

Und seit Montag, 22. Juni 2026, wird nach der 58-jährigen Silke W. aus Weißwasser gefahndet. Sie verließ ihre Wohnung bereits am Mittwoch, 17. Juni 2026, in den Abendstunden in unbekannte Richtung. Ein paar Informationen hatte die Polizei noch zu Silke W.: Die Vermisste halte sich gern im Umland von Meißen auf. Im Laufe der Woche gab es noch einen weiteren Anhaltspunkt: Silke W. könnte sich seit ihrem Verschwinden auch im Raum Spremberg aufgehalten haben.

Zu diesen fünf Vermisstenfällen aus Sachsen kommt noch ein sechster aus Brandenburg hinzu. Am Mittwoch geht die Polizei mit der Fahndung nach einer 60-jährigen Frau aus Guteborn im Amt Ruhland (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) an die Öffentlichkeit. Die Vermisste wurde zuletzt am Dienstag, 23. Juni 2026, um 8.30 Uhr in Guteborn gesehen. Sie ist an Demenz erkrankt und vermutlich orientierungslos.

Außergewöhnliche Entwicklung oder eher zufällige Häufung?

In allen sechs Fällen hatten die eingeleiteten Suchmaßnahmen der Polizei bislang nicht zum Auffinden der vermissten Menschen geführt. Deshalb bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche. Mit Personenbeschreibungen und Fotos sollen neue Hinweise zu möglichen Aufenthaltsorten der Vermissten gewonnen werden.

Dass innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Menschen aus der Region vermisst gemeldet werden, fällt auf - auch wenn es sich nach derzeitigem Stand laut Polizei um voneinander unabhängige Fälle handelt. Die Häufung wirft Fragen auf: Warum verschwinden Menschen plötzlich? Wer wird besonders häufig vermisst? Und wie oft werden Vermisste wiedergefunden?

Dass derzeit gleich mehrere Vermisstenfälle in der Lausitz öffentlich bekannt sind, ist auffällig. Ob dahinter eine außergewöhnliche Entwicklung oder eher eine zufällige Häufung stecke, lasse sich ohne Vergleichszahlen nur schwer sagen, so Polizeihauptkommissar Finn Elias von der Polizeidirektion Görlitz. Klar ist aber: Solche Fälle erzeugen in der Öffentlichkeit schnell den Eindruck, es verschwänden plötzlich ungewöhnlich viele Menschen.

Hinzu kommt, dass vor allem jene Fälle sichtbar werden, bei denen die Polizei, wie hier, mit Fahndungsaufrufen an die Öffentlichkeit geht. Das erhöht die Aufmerksamkeit - sagt aber nicht automatisch, dass es insgesamt deutlich mehr Vermisste gibt als sonst.

Für Familie und Freunde ist diese statistische Einordnung allerdings nur ein schwacher Trost. Für sie bedeutet jeder Vermisstenfall Ungewissheit, Angst und Hoffen auf ein Lebenszeichen.

Die meisten vermissten Menschen werden wiedergefunden

So unterschiedlich die Einzelfälle auch sind: Die Erfahrung zeigt, so Polizeihauptkommissar Finn Elias, dass die meisten Vermissten wiedergefunden werden. Gerade deshalb sei eine schnelle Reaktion wichtig. Je früher eine Suche beginnt, desto größer sind oft die Chancen, eine Person wohlbehalten anzutreffen. In der Regel hat die Polizei schnell eine Spur und findet die aktuell vermissten Personen nach wenigen Tagen. Je nach Alter, Gesundheitszustand oder möglichen Gefahrenlagen bewertet die Beamten einen Vermisstenfall besonders dringend. Das gilt vor allem, wenn Kinder, ältere Menschen oder kranke Menschen verschwunden sind.

Damit die Suche schneller anlaufen kann, sollten Angehörige oder Freunde möglichst viele konkrete Angaben zur Polizei mitbringen. Wichtige Inhalte einer Vermisstenanzeige sind: vollständiger Name und Geburtsdatum, aktuelles Foto, Größe, Statur und besondere Merkmale, Kleidung beim Verschwinden, letzter bekannter Aufenthaltsort, Zeitpunkt und Umstände des Verschwindens, bekannte Kontakte sowie Gewohnheiten und mögliche Ziele. „Eine Vermisstenanzeige ist der erste offizielle Schritt“, sagt Polizeihauptkommissar Finn Elias. Sie kann direkt bei jeder Polizeidienststelle aufgegeben werden - auch dann, wenn noch nicht klar ist, ob eine Gefahr vorliegt.

Die Gründe für das Verschwinden von Menschen sind vielfältig. Polizeihauptkommissar Finn Elias zählt auf: familiäre Konflikte, Weglaufen, psychische Belastungen, Krankheit oder Demenz sowie Unfälle. Besonders betroffen seien Kinder und Jugendliche. Manchmal handele es sich um ausgerissene Teenager, manchmal um demenzkranke Senioren oder Menschen in psychischen Krisen. Doch auch kriminelle Hintergründe könnten eine Rolle spielen.

Wer als vermisst gilt, ist nicht immer Opfer eines Verbrechens. Die Polizei spricht von einem Vermisstenfall, wenn eine Person ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat, ihr Aufenthaltsort unbekannt ist und eine Gefahr für Leib oder Leben nicht ausgeschlossen werden kann.

Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet, zählt für Angehörige vor allem eines: schnell handeln. Polizeihauptkommissar Finn Elias betont, dass man nicht erst 24 Stunden warten muss. Wer ernsthafte Sorgen hat, kann sofort eine Vermisstenmeldung machen.