Unesco Welterbe
: Herrnhut erringt begehrten Titel

Die Sterne aus Herrnhut kennt fast jeder. Nun hat der Gründungsort der Brüdergemeinde in Sachsen auch den Unesco-Welterbe-Status.
Von
Christina Tilmann
Neu-Delhi
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Brüdergemeine Herrnhut: ARCHIV - 09.07.2024, Sachsen, Herrnhut: Die Kirche der Brüdergemeine Herrnhut (Luftaufnahme mit einer Drohne). (zu dpa: «Entscheidung zu Herrnhut bei Welterbetagung erwartet») Foto: Sebastian Kahnert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach geometrischem Plan: Die Kirche der Brüdergemeine Herrnhut (Luftaufnahme mit einer Drohne).

Sebastian Kahnert/dpa

Die Unesco hat die sächsische Kleinstadt Herrnhut als Teil der Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine als neues Welterbe ausgezeichnet. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) gab die Entscheidung am Freitag (26. Juli) auf seiner 46. Sitzung im indischen Neu-Delhi bekannt.

Herrnhut ist der Ursprung für die Evangelische Brüdergemeine. Glaubensflüchtlinge aus Mähren hatten den Ort 1722 gegründet. Das fehlende „d“ im Namen der Gemeinde „Brüdergemeine“ ist der Sprache dieser Zeit geschuldet, als man noch von Gemeine sprach.

Auch Siedlung in Dänemark ist Welterbe

Als sich die Brüder-Unität später weltweit ausbreitete, trugen Missionare aus der Oberlausitz auch den Bauplan für neue Siedlungen in andere Länder. Mit Christiansfeld in Dänemark wurde eine davon bereits 2015 als Welterbe der Unesco anerkannt.

Herrnhut kam nun über einen transnationalen Erweiterungsantrag selbst auf die Liste. Die Stadt in Ostsachsen strebte die Anerkennung zusammen mit Bethlehem in Pennsylvania in den USA und Gracehill in Nordirland an.

Ein Denkmal für Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der protestantischen Glaubensflüchtlingen Asyl in der Lausitz bot, vor der Kirche der Herrnhuter Brüdergemeinde.

Ein Denkmal für Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der protestantischen Glaubensflüchtlingen Asyl in der Lausitz bot, vor der Kirche der Herrnhuter Brüdergemeine.

Sebastian Kahnert/dpa

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700–1760) hatte den protestantischen Glaubensflüchtlingen aus Mähren einst Land für die Ansiedlung in der Oberlausitz zur Verfügung gestellt. Exakt am 17. Juni 1722 fällte der Zimmermann Christian David den ersten Baum, um den neuen Ort unter des „Herrn Hut“ zu bauen.

Vor dem Tod sind alle gleich

Die Siedlung ist auf geometrischem Grundriss angelegt und besteht aus barocken Bürgerhäusern. Im Zentrum steht der Kirchensaal von 1756/57. Auch der Friedhof der Brüdergemeine folgt einem Programm: Ihm liegt der Gedanke von der Gleichheit im Tod zugrunde. Inzwischen zählt das symmetrisch angelegte Kulturdenkmal 6.000 genormte schlichte Gräber mit liegenden Steinen

Weltweit gibt es mehr als 30 ähnliche quadratisch angelegte Siedlungen, die nach dem Prototyp in der Oberlausitz durch Missionare der Evangelischen Brüdergemeine errichtet wurden. Die auch als Brüder-Unität bekannte evangelische Freikirche ist heute in mehr als 40 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten. Deutschland ist nur eine von weltweit 29 Provinzen.

Zeichen der Hoffnung in Corona-Zeiten: Weihnachtsstern im Gewölbe der Angermünder Marienkirche.

Weihnachtsstern im Gewölbe der Angermünder Marienkirche

Zeichen der Hoffnung: Weihnachtsstern im Gewölbe der Angermünder Marienkirche. Die Herrnhuter Sterne sind ein Exportschlager weltweit.

Oliver Schwers

Bekannt ist die Herrnhuter Gemeine vor allem auch für die Weihnachtssterne, die Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, um Schülerinnen und Schülern Geometrie beizubringen und inzwischen in der ganzen Welt Verbreitung fanden - und für die Herrnhuter Losungen, ein jährlich neu zusammengestelltes Andachtsbuch mit Bibelversen für jeden Tag, inzwischen in mehr als 60 Sprachen verlegt.

In der Bundesrepublik gibt es mehr als 50 Welterbe-Stätten. Und voraussichtlich am Samstag wird noch eine Entscheidung über einen rein deutschen Antrag erwartet: Schwerin und sein Schloss auf einer Insel im See sowie weitere Teile der Innenstadt könnten dann ebenfalls auf der Liste des Weltkulturerbes landen. Seit zehn Jahren steht die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns auf der Vorschlagsliste Deutschlands.