Von Christian Köhler

Das Gesicht vom Kommandanten des Truppenübungsplatzes Oberlausitz (TÜP) strahlt, als er von einer deutschlandweit einmaligen Technologie spricht, die nun auf dem TÜP dessen Attraktivität erhöht. „Das Gerät, die Standcam, wurde von einem mittelständischen Unternehmen der Region hergestellt“, erklärt René Pierschel. Die Firma Kunststoff-Betrieb Kittner aus Kosel bei Niesky hat den von außen wie ein Panzer wirkendes Übungsfahrzeug entwickelt. Damit lassen sich, so erklärt der Kommandant weiter, Kampfsimulationen durchführen, indem das Fahrzeug etwa Panzer immitiert. „Das hat in ganz Deutschland kein Truppenübungsplatz“, sagt Pierschel mit Blick auf die unternehmerische Leistung aus Kosel, „und es wäre schön, wenn noch Potenzial aus der Lausitz gehoben werden würde.“

So ist es nicht verwunderlich, dass der TÜP auch in diesem Jahr komplett belegt ist. Allein 194 Schieß- und 76 Übungstage sind vorgesehen. „Wir haben wieder zwei Mal Soldaten aus Singapur bei uns zu Gast und mehrere Kampfübungen mit Panzern und Helikoptern“, erklärt der Kommandant. Eine erste Bewährungsprüfung für das laufende Jahr für die gesamte Kommandatur aber steht schon kommende Woche an: „Wir werden im Rahmen der Truppenverlegung der US-Streitkräfte etwa 600 Soldaten und mehr als 320 Gefechtsfahrzeuge für einen kurzen Zeitraum bei uns zu Gast haben“, berichtet René Pierschel. Bis zum 5. Februar soll der Truppenausstausch der Nato im Nachbarland Polen abgeschlossen sein. Dieser sei zwar nicht so umfangreich wie der US-Besuch im vergangenen Jahr, den der TÜP ebenfalls zu bewältigen hatte, aber dennoch bedeute dies alles viel Arbeit und Vorbereitung in der Truppe, hieß es.

Allerdings steht auch im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Bundeswehrstandortes ein Höhepunkt an: Am 10. August diesen Jahres etwa lädt die Bundeswehr zum Tränke-Fest. Der Ort Tränke ist zu DDR-Zeiten im Zuge der Erweiterung der Truppenübungsplatzes von den damaligen Bewohnern leergezogen worden und ist seitdem für Touristen und Einheimische tabu. Tabu ist fortan auch das Gebiet des TÜP. „Wir hatten erst vor Kurzem erlebt, dass ein Vater mit seinen beiden jungen Kindern zum Tagebau Nochten über den TÜP abkürzen wollte und wir ihn zufällig, fast unterkühlt, entdeckt hatten“, erzählt der Kommandant. Ohne Genehmigung darf sich niemand auf dem Militärgelände aufhalten, betont er.

2018 wiederum sind nach Angaben von René Pierschel etwa 1,6 Millionen Euro in den TÜP geflossen. „Wir hatten zwar weniger Soldaten hier, dafür sind aber mehr Schießvorhaben durchgeführt worden“, so der Kommandant. Bei 25 Prozent weniger Soldaten sind dennoch 1500 Schießvorhaben in 2018 erfolgt. Weil nämlich mehrerer Übungen mit Helikoptern durchgeführt wurden – die eine geringere Truppenstärke aufweisen – wurde trotzdem mehr geschossen als in den vergangenen Jahren. Die neue Schießbahn, die im Westen des TÜP an der Spreestraße 2018 eröffnet wurde, habe ihre Bewährungszeit erfolgreich überstanden. Sie musste in diesen Teil des TÜP verlegt werden, weil der Tagebau Reichwalde immer weiter nach Norden rückt und somit Fläche des TÜP in Anspruch nimmt, die dieser im rekultivierten Teil des Tagebau Nochtens erhält. „Der Tag der offenen Tür war ein voller Erfolg und ich hoffe, wir konnten damit den Argwohn der Bevölkerung minimieren“, erläutert der Kommandant. Insgesmt 44 Übungen seien dort durchgeführt worden. In diesem soll dort ein Lärmmessschießen erfolgen, was die Erprobungsphase der neuen Übungsbahn endgültig abschließt. Auch sozial habe sich der TÜP in die Region erneut eingebracht. Über das Adventskonzert in Rietschen – es muss in diesem Jahr ausfallen – konnte der TÜP 400 Euro an das Bundeswehrsozialwerk spenden. Über den Weihnachtsmarkt, den die Soldaten alljährlich am TÜP organisieren, gehen 700 Euro an den Verein Schlupfwinkel nach Bad Muskau.

Auf die Frage, ob eine Erweiterung der Bundeswehr im Zuge des Strukturwandels in der Lausitz am TÜP möglich sei, wollte sich Pierschel nicht äußern.