Ein Ehepaar an der Ortsstraße in Friedersdorf (Landkreis Görlitz) ist am Donnerstagnachmittag einer Betrugsmasche zum Opfer gefallen. Kriminelle gaben sich am Telefon als Polizisten aus Görlitz aus. Die falschen Beamten schilderten einen schweren Verkehrsunfall des vermeintlichen Sohnes der beiden Senioren. Damit dieser wieder freigelassen werden könne, müsse das Paar eine Kaution zahlen. Das Telefonat dauerte über vier Stunden. Die Frau übergab an ihrer Wohnanschrift schließlich 18.500 Euro an einen Kurier.
Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Betruges und sucht nach Zeugen. Wer hat am Donnerstagnachmittag bzw. am -abend verdächtige Personen- oder Fahrzeugbewegungen wahrgenommen? Bitte melden Sie sich bei der Kriminalpolizeiinspektion in Görlitz unter der Rufnummer 03581 468 - 0 oder jeder anderen Polizeidienststelle.
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Cottbus

Weitere Betrugsversuche in Sachsen

In mindestens fünf weiteren Fällen riefen Betrüger bei Personen vorwiegend im Revierbereich Görlitz an. In einem Fall versprachen sie einer 81-Jährigen in Niesky nach einer Rentenverlosung einen Gewinn von 39.000 Euro. Als Transportgebühr müsse sie jedoch 900 Euro an einen Boten entrichten. In weiteren Fällen meldeten sich die Betrüger wieder als falsche Polizeibeamte oder Angestellte eines Rechtsanwaltsbüros. Der Sohn der Angerufenen habe einen schweren Unfall verursacht. Für die Freilassung forderten die Kriminellen Beträge bis zu 21.000 Euro. Zu einem finanziellen Schaden kam es in diesen Fällen nicht.
Auch in diesen Fällen übernahm die Kriminalpolizei die Ermittlungen und rät zu höchster Wachsamkeit.

Pilotprojekt zum Kampf gegen Trickbetrüger

In diesem Zusammenhang vermeldet die Polizei den Start eines sächsisch-polnischen Pilotprojektes gegen Trickbetrug. Es trägt den Titel: Sicherer Grenzraum für Senioren. In den vergangenen drei Jahren sind die Fälle von Trickbetrügen in Sachsen stark angestiegen. Allein in der Polizeidirektion Görlitz gab es in diesem Zeitraum mehr als 500 Vorfälle. Der finanzielle Schaden für die Betrugsopfer belief sich auf insgesamt über 300.000 Euro. Nicht zuletzt schwächen Anrufe „falscher Polizeibeamter“ das Vertrauen in die Polizei. Mit dem EU-Projekt „Sicherer Grenzraum für Senioren“ will die Polizeidirektion Görlitz in Kooperation mit der KWP Wroclaw nun verstärkt dagegen vorgehen. Was kann das Projekt leisten?
In den kommenden zwei Jahren stehen laut Polizei drei Ziele im Vordergrund:
1. Austausch stärken - Erarbeitung eines Systems zum Austausch von Erkenntnissen sowie von Erfahrungswerten bei der Bekämpfung von Trickbetrügen in der Grenzregion.
2. Bewusstsein schaffen durch Aufklärung - Eine Aufklärungskampagne in den Grenzgebieten schafft Bewusstsein bei Senioren, deren Angehörigen sowie bei Angestellten verschiedener Institutionen wie Banken und Gemeinden beim Thema Telefonbetrug. Eine Plakat-Aktion in der Öffentlichkeit ist Teil der Kampagne.
3. Polizeibeamte schulen - Zahlreiche Fortbildungen steigern das Fachwissen der Kriminalisten deutscher und polnischer Polizeistandorte. Eine Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur soll die polizeiliche Ermittlungsarbeit erleichtern.
Für die Vorhaben der kommenden zwei Jahre stehen insgesamt mehr als 400.000 Euro zur Verfügung. Davon stammen rund 355.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).