Für Gewerkschaftssekretär Hannes Kühn von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Industrie (IG BCE) ist es ein „Warnschuss vor den Bug der Leag-Spitze“. Gemeinsam mit den Beschäftigten des Leag-Kraftwerks Boxberg sowie vor den Tagesanlagen vom Tagebau Nochten/Reichwalde ist am Dienstag (3. Mai) zwischen 13 und 15 Uhr gestreikt worden.
Die IG BCE fordert sieben Prozent mehr Lohn und zwei Freistellungstage für Gewerkschaftsmitglieder. Der Energiekonzern Leag hat auf der Arbeitgeberseite eine Einmalzahlung von 600 und 200 Euro geboten sowie eine mögliche Gewinnbeteiligung. Das hatte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft abgelehnt.
„Offenbar ist Arroganz die neue Linie der Leag-Führung“, ruft Hannes Kühn den Kraftwerkern zu, „dabei schießt der Strompreis durch die Decke, liegt die Inflation bei über sieben Prozent. Sieben Prozent mehr Lohn ist also das Mindeste, was der Arbeitgeber bieten sollte.“ Der Applaus der Beschäftigten ist dem Gewerkschaftssekretär sicher.

Leag hält Tarifforderungen für zu hoch

  Die Leag selbst verweist auf die derzeitige Rahmenbedingungen auf dem Energiemarkt. Man sehe sich nicht in der Lage, „die immens hohen Forderungen nach Lohnsteigerungen zu erfüllen“.
Brisanz erhält der Tarifstreit vor allem wegen des Ukraine-Krieges und der Abhängigkeit Deutschlands von russischen Rohstoffen. Schon bei 1. Mai-Kundgebungen warnten Arbeitnehmer-Vertretungen vor, den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen zu vernachlässigen.
„Wer jetzt zögert und taktiert und zu guter Letzt auch noch wegen des dogmatischen Festhaltens an der schwarzen Null und der unflexiblen Schuldenbremse den Rotstift ansetzt, verspielt die Zukunft Sachsens“, sagt der sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach.