Tafel in Weißwasser: Helfer für guten Zweck gesucht - so viel Arbeit steckt dahinter

Viele fleißige Helfer sind gefragt, damit die Tafel in Weißwasser zweimal in der Woche Essen an Einwohner ausgeben kann, die darauf angewiesen sind. Der Arbeitsaufwand dafür ist aber groß.
Jürgen ScholzFrische Lebensmittel auch Menschen zur Verfügung stellen, die es sich nicht mehr leisten können – das ist das Ansinnen der Tafeln. Seit 2001 gibt es die Tafel in Weißwasser. Doch der logistische Aufwand dahinter ist enorm und nur mit ehrenamtlichen Helfern möglich.
Wenn die Helfer im Caritas-Haus mit ihrer Arbeit beginnen, dann stehen davor häufig schon die ersten Wartenden. Schon Stunden, bevor die kleine Klappe dienstags und freitags für zwei Stunden geöffnet wird. Von 10 bis etwa 16 Uhr sind die Helfer an den beiden Tafel-Tagen aktiv. Doch damit ist es nicht getan. Deshalb werden zahlreiche Helfer benötigt, um das Angebot zu ermöglichen.
Eine von ihnen ist Karin Hänel. Die 70-Jährige lebt seit anderthalb Jahren in Weißwasser, wohnte zuvor in Krauschwitz. Ein großes Grundstück gab es nicht mehr in Ordnung zu halten, aber eine Aufgabe und Kontakt zu Menschen wollte die gelernte Verkäuferin weiterhin haben. Sie entscheid sich für die ehrenamtliche Arbeit in der Tafel.

Karin Hänel ist gelernte Verkäuferin. Damit kann die 70-Jährige an vielen Stellen in der Tafel ihre Kenntnisse einbringen. Sie selbst sucht nach dem Umzug von Krauschwitz nach Weißwasser eine Aufgabe und Kontakt zu Menschen.
Jürgen ScholzUnd dort sind die Erfahrungen und Kenntnisse der gelernten Verkäuferin durchaus hilfreich. Warenannahme und Warenkontrolle, Lagerung, Präsentation und Zusammenstellung: Diese Erfahrungen helfen bei der umfangreichen Organisation. An drei Tagen ist sie hier, trägt mit 52 Stunden im Monat dazu bei, dass das Angebot im Caritas-Haus erhalten bleibt.
Denn hinter den Kulissen gibt es viel zu tun, bestätigt Ursula Gruss, die das Caritas-Haus leitet und mit Tafel-Leiterin Anschela Pimenov und Köchin Solveig Lorenz zwei hauptamtliche Kollegen hat. Dazu kommen ein junger Mann, der sich nach dem Abitur für ein Freiwilligenjahr entscheiden hat, sowie zwei Helfer, die Aufwandsentschädigung erhalten. Ansonsten sind die derzeit 18 ehrenamtlichen Helfer das Rückgrat des Angebots im Caritashaus. Aber: Sie dürfen nicht mehr als zwölf Stunden in der Woche arbeiten.
Tafel in Weißwasser: Vier bis fünf weitere Helfer sind willkommen
Auch deshalb wären vier bis fünf weitere ehrenamtliche Helfer hilfreich. Denn neben der Tafel an zwei Tagen gibt es dort auch an drei weiteren Tagen in der Woche den Tagestreff für Wohnungslose, der jeweils fünfeinhalb Stunden geöffnet hat.
Dort wird gekocht und Wäsche gewaschen, muss anschließend auch gereinigt werden. Und mit dem Tagestreff verbunden ist auch die Kleiderkammer, für die Spenden direkt am Caritas-Haus angenommen, geprüft, sortiert und schließlich auch ausgegeben werden.
Allein die Logistik für die Tafel ist schon arbeits- und zeitintensiv: Zwei Fahrzeuge mit jeweils zwei Helfern sind von Montag bis Freitag unterwegs, um die Spenden für die Tafel abzuholen. Der großzügigste und wichtigste Spender ist der Fleischwarenproduzent Willms in Weißwasser, weitere Hauptspender sind Lidl und Netto. Läden in Weißwasser, Boxberg, Bad Muskau, Schleife, Rietschen und Rothenburg stellen Lebensmittel für die Tafel zur Verfügung.
Etwa alle zwei Wochen kommt auch eine Lkw-Lieferung vom Tafelverbund in Dresden, weil die Fahrzeuge der Tafel Weißwasser dafür nicht geeignet sind. Auch für die Entladung des Lkw müssen dann genügend Helfer bereitstehen, damit die Waren schnell abgeladen, kontrolliert und beispielsweise in die Kühlschränke und -truhen gebracht werden können.
Das kann in die Knochen gehen. Wie auch das Stemmen und Ablegen der Kisten, die an den Ausgabetagen vorbereitet werden. Mehrere Kilos wiegen sie, werden gestapelt und dann am Ausgabetürchen abgelegt.
Für zwei Stunden Tafel sind bis acht Helfer je sechs Stunden aktiv
Denn die Tafel in Weißwasser ist kein Laden, in den man einfach reingeht. Schon mehrere Stunden vor Öffnung sind vier bis acht Helferinnen damit beschäftigt, Gemüse und Obst zu sichten, abzupacken und Kisten mit unterschiedlichem Angebot zusammenzustellen.
Durch eine kleine Tür werden die Kisten nach draußen geschoben. Im Zweifelsfall können die Empfänger dann dort untereinander tauschen, wenn das Angebot nicht den Geschmack trifft.
Und das Angebot ist auch von der Saison abhängig. Anfang November gab es die letzte Lieferung aus dem Tafelgarten in Weißwasser. Vor allem in obstreichen Jahren wie diesem spenden auch Kleingärtner von ihrer Ernte. Der andere Faktor ist: Was spenden die Lebensmittelmärkte? Die Spenden der Bäckereien – Brot und Brötchen – sind rückläufig.
Auf Spenden verschiedener Art ist die Tafel aber auf jeden Fall angewiesen, so Ursula Gruss. Auch wenn es um die zwei Fahrzeuge und laufende Kosten geht. Und ohne die ehrenamtlichen Helfer, die an Tafeltagen fünf bis sechs Stunden im Einsatz sind, gehe nichts.
Von denen ist Karin Hänel derzeit die Älteste – neben einem Mann über 70, der ebenfalls dabei hilft, das Angebot am Laufen zu halten. Die meisten sind ab 40 Jahren aufwärts. Eine Gemeinschaft, wie sie sich auch Karin Hänel gewünscht hat. Man redet zusammen, trifft sich, manchmal gibt es auch gemeinsame Ausflüge. Und: Man hilft. Wie lange? „Solange es noch geht“, sagt die 70-Jährige.
Tafel, Tagestreff und Kleiderkammer Weißwasser: Diese Angebote gibt es im Caritas-Haus
Im Durchschnitt nutzen 80 bis 90 Menschen in Weißwasser das Angebot der Tafel im Caritas-Haus (Uhlandstraße 13). Rund 285 Menschen aus Weißwasser, aber auch Bad Muskau, Rietschen und Boxberg haben im Jahr 2025 dort nach der Registrierung einen Tafel-Pass erhalten. Der wird montags, mittwochs und donnerstags nach Vorlage des Personalausweises und einer Bescheinigung über Leistungsbezug ausgestellt.
Über jeden Tafelpass werden etwa vier Personen versorgt, schätzt Ursula Gruss ein. Sie ist Leiterin der Tafel in Weißwasser. Die Tafel ist dienstags und freitags von 13 bis 15 Uhr geöffnet. An Feiertagen gelten Sonderregelungen. Nutzer der Tafel müssen jeweils fünf Euro bei der Ausgabe zahlen. Dafür gibt es eine Kiste mit Obst und Gemüse sowie eine mit sonstigen Nahrungsmitteln; jeweils nach Angebot.
Zu dem Angebot im Caritas-Haus gehört aber auch der Tagestreff für Wohnungslose, der jeweils montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 14.30 Uhr geöffnet hat. Dort ist auch das Waschen von Wäsche und das Duschen möglich, vor allem aber gibt es das Angebot eines warmen Mittagsessens für drei Euro. Parallel hat auch die Kleiderkammer geöffnet.
Gesucht werden bei der Tafel Helfer zum Sortieren und Verpacken von Gemüse, zum Verpacken von Lebensmitteln, zur Vor- und Nachbereitung der Tafelausgabe sowie zur allgemeinen Unterstützung der Tafelarbeit. Außerdem werden Kraftfahrer gesucht, die Lebensmittelspenden abholen. Ansprechpartner ist Ursula Gruss, E-Mail tafel.weisswasser@caritas-goerlitz oder Telefon 03576 400920 (telefonisch am besten mittwochs 9 bis 14 Uhr). Alle müssen erst eine Woche Probezeit machen.


