Von Christian Köhler

Erneut ist ein prominentes Mitglied des Görlitzer AfD-Kreisverbandes ausgetreten: Sylvia Littke-Hennersdorf gibt ihren Austritt via Soziales Netzwerk bekannt. Sie begründet es so: „Seit dem Frühjahr 2018 wurden unbequeme Mitglieder in die Passivität bzw. gar zum Austritt aus der Partei gedrängt. Vetternwirtschaft, betreutes Denken, Meinungsdiktatur und ein totalitärer Führungsstil prägten zunehmend das politische Alltagsgeschäft. Die Querelen um die Aufstellungsparteitage der Direktkandidaten im Kreisverband Görlitz, wie auch bei den Parteitagen zur Listenwahl in Markneukirchen, sind hinlänglich bekannt. Im Vordergrund stehen nur noch Posten, Posten und Macht. Jedwede kritische Stimmen werden mundtot gemacht. Damit sind für mich rote Linien mehrfach deutlich überschritten.“

Eintritt in die AfD 2014 - Wahlkampf mit Tino Chrupalla

Sylvia Littke-Hennersdorf ist eigenen Angaben zufolge im März 2014 in die AfD eingetreten – am Wahlabend zur Bundestagswahl 2013 sei sie aus der CDU ausgetreten, „da mir meines Erachtens nach der überfällige Reformationsprozess innerhalb der CDU mit den dazumal noch guten Wahlergebnissen ausgeschlossen erschien“. 2017 organisierte und koordinierte Sylvia Littke-Hennersdorf den Bundestagswahlkampf von Tino Chrupalla (AfD). Der Gablenzer hat bei der Bundestagswahl 2017 das Direktmandat gewonnen und den heutigen, sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auf den zweiten Platz verwiesen. „Für diese grandiose Mannschaftsleistung verantwortlich das Drehbuch schreiben zu dürfen, wird für immer auf meiner Habenseite bleiben“, schreibt Sylvia Littke-Hennersdorf auf Facebook.

„Querdenker werden es immer schwer haben“

Das alles scheint jedoch Vergangenheit: „Mantraartig wurde auf Parteidisziplin gedrängt, Inhalte gerieten zunehmend in den Hintergrund und Mut zur Wahrheit endete immer mehr vor der eigenen AfD-Haustür. Freigeister und Querdenker werden es immer schwer in einer Partei haben. Das System sieht dies schlichtweg nicht vor.“ Letztlich hält sie fest: „Für mich als konservativ-liberal verorteten Menschen bietet die Alternative für Deutschland keinen Platz mehr, ich kann hier nichts mehr bewegen.“

Gründungsmitglied des Kreisverbandes erhebt Vorwürfe

Erst Ende März dieses Jahres hatte Frank Großmann seinen Parteiaustritt bekannt gegeben. Grossmann hatte 2013 den Görlitzer AfD-Kreisverband mitbegründet und diesem als erstes vorgestanden. Das ist inzwischen Geschichte. Er bergründete den Schritt so: „Zu meinem Leidwesen musste ich mitansehen, wie demokratische Strukturen der Partei im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Spielball privater Interessen wurden. Unter Tino Chrupalla wurde aus dem Kreisverband eine privat geführte Sekte, die einen Führerkult pflegt.“

Das aber ist noch nicht alles. Auf Facebook schrieb Grossmann weiter: „Dass ein Gründungsmitglied wie Sebastian Wippel dieses noch freudig mitträgt, macht meinen Verbleib in der AfD unmöglich. Menschen, mit denen ich Wahlen gewinnen konnte, sind längst gegangen, andere verhalten sich passiv. Und wer jetzt noch jubelt, gehört zu der Sorte Menschen, die immer in Deutschland einen Führer benötigten.“

*Der Artikel wurde 23. Mai 2019 um 10.25 Uhr aktualisiert.