Von Jan Siegel

Am Montag gerät die Oberlausitz erneut in den Fokus der Öffentlichkeit, wenn es um den Strukturwandel geht. Der Technologiekonzern Siemens will in Görlitz gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der Fraunhofer-Gesellschaft einen Innovations-Campus rund um die Wasserstoff-Technologie entwickeln. Siemens-Chef Joe Kaeser kommt in die Grenzstadt und löst damit ein Versprechen ein, dass er den Mitarbeitern im Görlitzer Turbinenwerk im vergangenen Jahr gegeben hatte.

Damals hatte der Konzern die Schließung seiner Kraftwerkssparte und damit auch des Turbinenwerkes in Görlitz mit rund 700 Beschäftigten angekündigt. Nach massiven Protesten der Belegschaft und harschen Reaktionen auch aus der Politik, war Kaeser zurück gerudert. Der Konzern nahm die Werksschließung von der Tagesordnung und stellte Görlitz einen „Zukunftspakt“ in Aussicht. Mit ihm sollten der Oberlausitz neue technologische Perspektiven eröffnet werden.

Kraftwerkssparte mit Görlitzer Werk soll 2020 an die Börse

Für die Siemens-Mitarbeiter bleibt trotzdem nicht alles beim Alten. Inzwischen hat sich der Konzern nämlich entschieden, die Kraftwerkssparte mit dem Görlitzer Werk im kommenden Jahr an die Börse zu bringen. Siemens will dann nur noch eine Aktienminderheit an der Ausgründung halten.

Unterschreiben werden den „Zukunftspakt Siemens Görlitz“ am Montagnachmittag neben Joe Kaeser auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und ein Vertreter der Fraunhofer-Gesellschaft. Im Zentrum des geplanten Innovations-Campus steht die Wasserstoff-Forschung. Zu inhaltlichen Details der Absichtserklärung wollte sich Siemens im Vorfeld nicht äußern.

Dem Wasserstoff werden gerade mit Blick auf die Energiewende enorme Perspektiven eingeräumt. Aus regenerativen Energiequellen erzeugter Wasserstoff könnte konventionelle fossile Energieträger zunehmend ersetzen, um das Ziel einer CO₂-Reduktion zu erreichen. Der Lausitzer Energiekonzern Leag beschäftigt sich daher derzeit beispielsweise mit Plänen für den Bau eines Wasserstoff-Speicherkraftwerks in Schwarze Pumpe an der brandenburgisch-sächsischen Landesgrenze.

Wasserstoff ist sehr reaktionsfreudig und leicht flüchtig

Noch gibt es bei der großtechnischen Anwendung von Wasserstoffe aber einige Probleme. Für die Speicherung molekularen Wasserstoffs sind spezielle Materialien notwendig, weil das Element sehr reaktionsfreudig und außerdem leicht flüchtig ist. Hinzu kommt die Explosionsgefahr bei unsachgemäßer Anwendung.

In Sachsen gibt es schon jetzt wissenschaftliche Kompetenz in Bezug auf Wasserstoff beispielsweise im Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (Ifam) in Dresden.

Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Zukunftspakts will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag das Görlitzer Turbinenwerk besuchen.

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