Der gute Vorsatz fällt in die Pfütze und wird nass. Regen ist zwar schön und gut, doch muss das unbedingt Pfingstsamstag sein. Als bekennender Schönwetter-Radler wird das so nichts mit der eigenen Teilnahme bei der 20. Sternradfahrt.
Andere sind hingegen nicht solche Weicheier. Sie strampeln aus allen Himmelsrichtungen dem Ziel der Sternradfahrt entgegen. Dieses liegt dort, wo 2002 alles angefangen hat: in Rietschen. Bis 2009 wurde der Erlichthof angesteuert. Zwischenzeitlich war der Landkreis gewachsen.

Eine Sternradfahrt verbindet den Landkreis Görlitz

Aus dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis war der Landkreis Görlitz geworden. Das Motto hatte auch danach weiterhin Bestand: Ein Landkreis in Bewegung. Aber Landrat Bernd Lange (CDU) wollte noch eins draufsetzen: Die Menschen im Kreis sollten sich besser kennenlernen. Also rauf aufs Radel und vom Norden nach Reichenbach oder an die Landskron-Brauerei nach Görlitz geradelt. Oder vom Süden in den Muskauer Park oder an die Waldeisenbahn nach Weißwasser gestrampelt.
„Das klappt doch auch diesmal wieder. Das ist doch genau das, was wir wollten“, freut sich Landrat Bernd Lange am Pfingstsamstag auf dem Erlichthof. Da hat er die 40 Kilometer, die er ab Zentendorf in den Beinen hat, schon fast vergessen.
Er war nicht allein auf Tour. Zum Tross gehörten der Hauptmann der Region Liberec Martin Puta; Artur Bielinski, Landrat von Zgorzelec, und Harald Altekrüger (CDU), Landrat von Spree-Neiße. „Wir haben einen Zwischenstopp auf der Forest Village Ranch gemacht“, erzählt Lange. Die Zeit reichte genau für ein Bier und einen Whiskey. Ein bisschen Doping darf schon sein.
Für andere ist es eher der Honigkuchen, den es am Erlichthof in Rietschen gibt. Dass er überhaupt eine Chance hat, sich auf den Hüften festzusetzen, da besteht keine Gefahr. Denn die Radlergruppe vom Radsportverein Löbau hat rund 50 Kilometer in den Beinen und nun auf der Heimtour noch einmal so viele vor sich. Einer der Radler, Achim Mosig, hat es sogar ins Jubiläumsheft der Sternradfahrt geschafft. 14 Touren hat er absolviert. Und auch so viele Aufkleber gesammelt. „Einer klebt am Po“, muss er selbst lachen. Die längste Tour erlebten die Löbauer 2021, als sie nach Weißwasser radelten. 140 Kilometer absolvierten sie an einem Tag auf dem Fahrrad.
In diesem Jahr war die längste Strecke mit 97 Kilometern in Seifhennersdorf gestartet. Gegen 14.30 Uhr wurden die Teilnehmer von dieser Tour in Rietschen erwartet. Da haben Marion und Harald Nagorka, Silvia Eckert und Petra Küttner sich bereits Bratwurst und Eis schmecken lassen, und das nach 51,7 Kilometern von Weißwasser am Bärwalder See vorbei nach Rietschen. Eine Husche hat sie zwischendurch schon erwischt. Über die lange Linie entlang der B115 geht es dann zurück nach Weißwasser. Glücklicherweise, so finden die Frauen, gibt es ja dort auch einen Radweg. Denn als Radfahrer auf der Bundesstraße, das sei ein gefährliches Unterfangen. Übrigens wird der 2017 eingeweihte Weg am Samstag schon stärker genutzt als an „normalen“ Tagen.

Rietschen

3000 Radler nehmen zu besten Zeiten an der Sternradfahrt teil

Am zeitigen Nachmittag kann Projektleiterin Maja Daniel-Rublack vom Organisationsteam der Kreislichen Entwicklungsgesellschaft noch nicht sagen, wie viele Radler tatsächlich die 20. Sternradfahrt ansteuern werden. Rund 3000 wie zu den besten Zeiten werden es wohl angesichts von Wetter und Termin nicht sein.
An die 30 Helfer plus Unterstützer sind Samstag im Einsatz. Und waren es schon den Tagen davor. So war die ADFC-Ortsgruppe Görlitz dabei, die Touren abzufahren und zu prüfen. Noch vor Himmelfahrt hatten die ArTour Rietschen GmbH und das Naturschutzzentrum Zittauer Gebirge gGmbH begonnen, die zwölf Touren auszuschildern.

Rietschen

Diese Hilfen werden auch 2023 wieder gebraucht. Denn dann geht es an den Olbersdorfer See, vor die Tore von Zittau. Am 3. Juni 2023 wird es soweit sein. Wer aus dem Norden mit dem Rad dorthin will, sollte schon mal anfangen zu trainieren. Von Weißwasser bis in den Süden sind es nämlich schon rund 92 Kilometer. Da braucht es mindestens zwei Stücken Honigkuchen als Motivationsnahrung.
Und wird Bernd Lange dann auch wieder dabei sein? Als Landrat hat er 19 von 20 Touren selbst mitgeradelt. Im nächsten Jahr ist dann im Ruhestand und bekanntlich haben ja Rentner niemals Zeit.