Sport in Weißwasser
: Sportabzeichen wird zur Show – Sportstars motivieren und geben Tipps

Das Deutsche Sportabzeichen ablegen - das klingt so verstaubt, dass viele eher verwundert fragen, ob es das tatsächlich noch gibt. Aber wenn man eine große Show draus macht, wie in Weißwasser - lockt es dann auch noch Jüngere an?
Von
Jürgen Scholz
Weißwasser
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Autogrammstunde: Die Autogramme von Mathias Mester waren besonders begehrt - möglicherweise auch, weil viele der Jugendlichen ihn eher aus der Fernseh-Sendung Let's Dance kennen. Dabei gehörte er zu den bekanntesten Para-Sportlern. Und er ist in den sozialen Medien sehr präsent. Da blieb der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann im sprichwörtlichen Sinn manchmal hinter ihm.

Jürgen Scholz

Am Vormittag tummelten sich rund 1000 Schüler aus Weißwasser und Umgebung auf dem Sportplatz am Freizeitpark. Sportabzeichen machen - das gehörte schon früher zum Pflichtprogramm. Aber es ist für viele Schüler auch noch einmal ein zusätzlicher Motivationsschub. Doch wie steht es um die Erwachsenen, die nicht per Schulorder zum Sportplatz gebracht werden?

Eins vorweg: Dieser Sportabzeichentag in Weißwasser war kein normaler. So eine Show wie bei der Sportabzeichen-Tour wird in diesem Jahr nur in sieben anderen Städten in Deutschland abgezogen. Wer den Tour-Stopp in Weißwasser verpasst hat - der Abschluss findet übrigens am 18. und 19. Oktober in Cottbus statt. Und zu der Show gehören neben mehreren Moderatoren auch unterhaltsame Angebote am Rande und Promis, die Tipps geben und motivieren.

Ehemalige Profis sind nun Botschafter des Sports

In Weißwasser waren beispielsweise der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann, der ehemalige Ski-Rennfahrer Gerd Schönfelder und der Leichtathlet Mathias Mester dabei. Wobei der knapp über 1,42 Meter große Mester den beiden anderen schon ein wenig die Show stahl - viele erkannten in ihm den Tänzer aus Let’s Dance 2022. Dabei wurde er 2021 Sieger bei der Para-EM, verbuchte in den Wurfdisziplinen der Leichtathletik sieben Weltmeister- und vier Europameistertitel, hat 22 Deutsche-Meister-Titel und die Paralympics-Silbermedaille im Kugelstoßen.

Gerd Schönfelder ist 16-facher Paralympics-Sieger - und ein Spitzen-Motivator, der den Sportabzeichen-Teilnehmern Tipps gab und sie dann mit viel Elan anfeuerte.

Jürgen Scholz

Dass alle drei nicht nur zum Autogramme-Schreiben als Botschafter des Sports gekommen waren, zeigten sie am Rand der Wettkämpfe. Schönfelder beispielsweise, der mit 19 seinen rechten Arm verlor und danach 16 Paralympics-Siege schaffte, gab beim Weitsprung Tipps und feuerte die Springer dann mit vollem Körpereinsatz an. Und die Tipps von Zehnkämpfer Busemann (Silber bei Olympia in Atlanta 1996) waren genauso gefragt.

Die Motive der Teilnehmer sind unterschiedlich

Die Teilnehmer am Nachmittag waren aber vor allem aus anderen Gründen gekommen. Sie wollten einfach mal ein Gradmesser für ihre Fitness haben - und dabei Spaß haben. Beispielsweise wie Torsten Rennhak, der in der Stadtverwaltung arbeitet und sich normalerweise mit Eishockey und im Studio fit hält - die Disziplinen der Sportabzeichen spielen dabei weniger eine Rolle. Und so brauchte es ein paar Versuche, bis es beispielsweise mit dem Schleuderball funktionierte.

Vier Bereiche mit unterschiedlichen Disziplinen zur Auswahl

In vier Bereichen müssen sich die Teilnehmer Disziplinen aussuchen, um die Mindestanforderungen an Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination unter Beweis zu stellen - je nach Geschlecht und Alter. Daran knüpfen sich Mindestanforderung für Bronze, Silber oder Gold an. Und es muss der Nachweis der Schwimmfähigkeit gebracht werden. Ausdauer kann beispielsweise bei erwachsenen Frauen bis 49 Jahre durch einen 3000-Meter-Lauf, einen 10-Kilometer-Lauf, 800 Meter Schwimmen oder 20 Kilometer Radfahren erbracht werden - und mindestens die zeitlichen Bronze-Anforderungen erfüllt werden. Kein Wunder, dass für die Veranstaltung mehr als 80 Helfer benötigt wurden.

Für die TSG-Gruppe ist Gold schon fast die Pflicht

Die Ziele, mit denen die Teilnehmer trotz des Regens am Freitagnachmittag kamen, waren jedoch sehr unterschiedlich. Für Mitglieder der TSV-Leichtathletik-Gruppe, die sich einmal wöchentlich trifft, ist Gold fast selbstredend ein Pflichtziel, erklärt die ehemalige Eisschnellläuferin Anke Beer. Einmal pro Woche treffen sich die 20 Mitglieder zwischen etwa 30 und 85 Jahren zum gemeinsamen Training, daneben machen viele auch noch individuell Sport. Einige sind reine Hobbysportler, die meisten waren aber langjährig im Leistungssport aktiv. Und viele schaffen auch jetzt noch Ergebnisse, die weit über den Anforderungen an Gold liegen.

Andere wiederum kamen ganz anders vorbereitet. Wie beispielsweise Wilhelm Hentschel aus Sohland, der auf dem Weg nach Weißwasser sich schnell noch Sportschuhe in Bautzen kaufte, um sein Sportabzeichen zu machen. Der 20-Jährige studiert Forstwirtschaft und kam von der Waldarbeit direkt auf den Sportplatz - das Abzeichen braucht er, um sich bei der Berufsfeuerwehr bewerben zu können.

Warum die Zweite doch besser als der Erste abschneidet

Sebastian Wolf und Nicole Schöbel aus Boxberg waren mit ihrer siebenjährigen Tochter eher aus Spaß gekommen - und um einfach mal zu sehen, wie sie abschneiden würden. Der 33-Jährige spielt Fußball, seine 36-jährige Frau treibt privat Sport. Und obwohl sie beim Sprint hinter ihm ins Ziel kam, hat sie die Anforderungen für Gold erfüllt, er verpasste die Norm dafür um 0,3 Sekunden. Das Prinzip berücksichtigt Alter und Geschlecht - und sorgt so für manch überraschendes Ergebnis, das in der Regel aber niemand bierernst nimmt.

Auch ein Team der Bafa ging an den Start.

Jürgen Scholz

Auch nicht die Gruppe von Bafa-Mitarbeitern aus Weißwasser, die sich vor dem Start zum Foto postiert. Seit einem Jahr spielen sie zusammen Volleyball, erklärt Kathrin Dutschke, wollen es jetzt einfach mal auf dem Leichtathletik-Platz probieren. „Es hat sich eine wunderbare Dynamik entwickelt“, sagt Kathrin Dutschke. Und dann geht es los.

Weißwasser bekommt eine Verleih-Box für Sportgeräte

Im Rahmen des ReStart-Programms des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erhält Weißwasser eine App-gesteuerte Sport-Box, an der man sich Sportgeräte ausleihen kann. Darauf weist die Stadt Weißwasser hin, die sich zusammen mit dem ESW beworben hatte und den Zuschlag erhielt. Am 6. Oktober wird die Sport-Box auf dem Gelände des Oberlausitzer Sport Parks (OSP) aufgestellt. Sie beinhaltet verschiedenste Sportgeräte wie Kettlebells, Superbands, Medizinbälle, Speedladder und andere Sportgeräte. Diese können ab dem 24. Oktober kostenlos über eine App aus der Box entliehen werden.

Die Einweihung der Sport-Box findet am 24. Oktober um 16 Uhr im OSP statt. Die Eishockey-Spieler der U17 werden dort für Foto- und Filmaufnahmen auch einige Übungen an den Sportgeräten vorführen.