Wer die Ausstellung „Abenteuer Neiße – Leben am Fluss“ noch nicht besucht hat, bekommt jetzt zwei zusätzliche Gründe, dies nachzuholen: Eine schlüpfende Eintagsfliege der bedeutendsten europäischen Tiermodell-Künstlerin Julia Stoess und ihres dänischen Kollegen Esben Horn sowie ein virtueller Flug über die Neiße durch zwei Jahrtausende machen die Ausstellung zu einem faszinierenden Erlebnis. Darauf mussten Kuratorin Helga Zumkowski-Xylander und ihr Team lange warten, denn Corona-bedingt geschlossene Grenzen und Lieferschwierigkeiten legten die Produktion lahm.

Eine besondere Animation zu sehen

Besonders spektakulär ist der virtuelle Neißeüberflug, schwärmt Christian Düker von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Er simuliert aus der Vogelperspektive und in vier Zeitschnitten, wie sich die Landschaft von Weinhübel bis zur Altstadtbrücke dem Betrachter darbot – vor 2000 Jahren, 1550 und 1910; ein Drohnenflug zeigt die Neiße und die Altstadt im Jahr 2020. Programmiert wurde die Animation von der Kölner Firma .hapto, die schon die Animation „Abenteuer Bodenleben“ für das Museum produziert hat.
Die Animation bemüht sich um größtmögliche Korrektheit und Detailtreue. Sie bezieht digitale Landschaftsdaten, historische Stadt- und Gebäudeansichten, Landkarten und Stadtpläne sowie historische und aktuelle Informationen zur Vegetation ein. Dabei arbeiteten die Senckenberger und Animationsentwickler eng mit den Kollegen der Görlitzer Sammlungen und des Ratsarchivs zusammen, nutzten deren Expertise und deren Sammlungen. So ist die Gestaltung so exakt wie möglich – bis hin zur Farbe und Konstruktion der Häuser im Jahr 1550. In mehreren kurzen Sequenzen können Museumsbesucher nun auf eine Zeitreise gehen und Görlitz und seine Umgebung in Raum und Zeit völlig neu erleben.

Metamophose im Großformat

Neben den Tierpräparaten und den Modellen eines Bachflohkrebses und eines Wasserskorpions vervollständigt das grazile Modell einer Eintagsfliege die Ausstellung im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Die weltbekannte Modellbauerin Julia Stoess aus Hamburg hat einen ganz besonderen Augenblick im Leben des Insektes eingefangen – dessen Metamorphose. Also den Moment, in dem das fast erwachsene Tier im Wasser seine Larvenhülle verlässt und für wenige Tage zu einem zarten Luftbewohner wird, dessen einziger Zweck die Fortpflanzung ist. An der Neiße können die Schwärme tanzender Männchen nachmittags und in den Abendstunden vor allem im Spätfrühling und Frühsommer beobachtet werden. Die Eintagsfliegen werben so um ein paarungsbereites Weibchen.

Ermäßigter Eintritt beim Partner


Bisher war die Lausitzer Neiße noch nie Gegenstand einer eigenen literarischen Darstellung oder Thema einer musealen Ausstellung. Das hat sich 2020 geändert.

„Abenteuer Neiße“ ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von Senckenberg und den Görlitzer Sammlungen und wird finanziert von der Europäischen Union im Rahmen des Kooperationsprogramms Interreg Polen-Sachsen 2014–2020. Beide Museen zeigen eine Ausstellung zur Neiße – einmal aus kulturgeschichtlicher Sicht im Kaisertrutz, bei Senckenberg aus naturkundlicher Perspektive.

Dabei reflektieren sie die Lebensbereiche Stadt, (Um-)Land und Fluss aus ihrer jeweils fachlichen Sicht.

Bei Vorlage einer Eintrittskarte aus dem Partnermuseum erhalten Besucher in der anderen Ausstellung einen ermäßigten Eintritt.