Wie schafft man es 120 Päckchen in kürzester Zeit zu packen. „Im Stationsbetrieb“, muss Pfarrer Michael Noack lachen. Fünf Ministranten und zwei Erwachsene haben das dann in der Katholischen Pfarrgemeinde Weißwasser relativ schnell geschafft. Und fast noch schneller waren die Päckchen dann am Samstag im Kinder- und Erholungszentrum am Braunsteich (Kiez) vergeben. Sie waren als Ostergeschenk für die ukrainischen Flüchtlingsfamilien vorgesehen. Denn anders als in Deutschland wird in der Ukrainie das orthodoxe Osterfest später gefeiert. In diesem Jahr fällt es auf den 24. April.

Überraschung vor dem Osterfest

Einen Tag vorher haben nun mehrere Helfer für ein Fest in der Erstaufnahmeeinrichtung gesorgt. Dazu gehörten neben der Katholischen auch die Evangelische Kirchengemeinde Weißwasser um Pfarrer Lars Städter, der Verein „Wir sind Wir“ sowie die Malteser und das Kiez-Team. 22 Kuchen gingen weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Russische Teigtaschen wurden im Akkord im Fett ausgebacken. Alle ließen es sich schmecken.
Doch als Häschen, Schaf, Wolf und Bär aufliefen, gab es für die Kinder kein Halten mehr. Die Überraschung hatte sich der Verein „Wir sind Wir“ ausgedacht.
Allen Beteiligten ging es darum, etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen. „In den schrecklichen Zeiten des Krieges und der Vertreibung und des russischen Terrors ist gerade das Osterfest ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens“, formulierte es Michael Noack. Dazu gehört auch ein Grillabend und das Kinderkino, das Robert Seidel vom Stadtverein organisiert hat. Zudem sorgten die Kromlauer Blütenkönigin Antonia und die Freiwillige Feuerwehr Weißwasser für einen gelungen Stopp am Kiez.
„Gerade hat mich eine Frau angesprochen und gesagt, wie toll sie das heute hier findet und dass sie dankbar dafür ist“, so Rico Jung, Vereinschef vom Kiez. 312 Kriegsflüchtlinge sind derzeit dort untergebracht. Mittlerweile sind alle registriert. Nun warten sie auf die Zuteilung von Wohnraum. „Die Ungewissheit nagt sehr an ihnen“, weiß Jung aus dem täglichen Erleben.

Ungewissheit treibt die Flüchtlinge um

Das kann auch Diana Zeisig bestätigten. Die Ukrainerin lebt seit einigen Jahren mit Mann Sebastian und Sohn Gabriel in Weißwasser. Sie dolmetscht im Kiez und macht den Kindern Angebote. Parallel dazu bemüht sie sich, für ihre Großeltern eine Wohnung in der Region zu finden. „Es ist derzeit sehr schwer.“ Von den Familien im Kiez weiß sie, dass diese am liebsten so schnell wie möglich wieder nach Hause möchten. Ständig versuchen sie den Kontakt in die Heimat aufrecht zu erhalten, um zu erfahren, wie es um den Mann, Angehörige oder das Heim steht. Diana Zeisig weiß, dass ihr Heimatort zu 70 Prozent zerstört ist. Damit seien ganze Lebensleistungen für immer ausgelöscht.