Rudolstadt Festival 2024
: Alles Wichtige zum Roots, Folk und Weltmusik Open-Air

Das traditionsreiche Rudolstadt Festival 2024  in Thüringen widmet sich der Folklore aus dem eigenen Land. Was steht auf dem Open-Air-Programm?
Von
Boris Kruse
Rudolstadt
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Erinnerungen an das Rudolstadt-Festival des Sommers 2023: Im Innenhof der Heidecksburg spielt Hamilton de Holanda aus Brasilien. Vom 4. bis 7. Juli kommen auch in diesem Jahr wieder rund 30.000 Besucher in der Saalestadt zusammen.

Erinnerungen an das Rudolstadt-Festival 2023: Im Innenhof der Heidecksburg spielt Hamilton de Holanda aus Brasilien. 2024 werden erneut rund 30.000 Besucher in der Saalestadt erwartet.

picture alliance/dpa

Es klingt ein bisschen nach einem Schelmenstück: Das beliebte Rudolstadt-Festival beschäftigt sich in seinem diesjährigen Länderschwerpunkt mit – Deutschland. Eine der größten Veranstaltungsreihen für Folk- und Weltmusik in Europa blickt in diesem Sommer ausgerechnet nach innen. Und betreibt gewissermaßen Selbstbespiegelung.

Und das geschieht nun just zu einer Zeit, in der überall der Eindruck entsteht, dass Deutschland sich gerade intensiv mit sich selbst beschäftigt. In der gesellschaftliche und politische Konfliktthemen tief in den Alltag eingedrungen sind. In der ein Land kollektiv auf der Couch des Psychotherapeuten Platz genommen hat. Da widmet sich das Festival, zu dem rund 30.000 Gäste in den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt anreisen, unter dem Motto „Bunte Republik Deutschland“ den Musikstilen zwischen Alpendörfern und plattdeutschen Landstrichen, zwischen Rheinland, Erzgebirge und Vorpommern.

Vom 4. Bis zum 7. Juli geht es auf knapp 30 Bühnen im gesamten Gebiet der thüringischen Kleinstadt um Folklore in all ihren Spielarten. Musik und Tanz, junge und alte Ensembles, hippe Bands mit elektronischer Instrumentierung und Jahrhunderte alte Volksmelodien stehen vier Tage lang nebeneinander.

Rudolstadt Festival 2024: Eine Brücke für Fußballfans

Dabei stand gar nicht so sehr im Vordergrund, Künstler einzuladen, die explizit Stellung beziehen zu Klimawandel und Migration, Waffenlieferungen und Staatsschulden, wie der künstlerische Direktor Bernhard Hanneken erklärt: „Wir haben nicht nach dem klassischen politischen Liedermacher gesucht.“ Dennoch spielen politische Themen bei vielen Gästen eine Rolle.

Das gilt zum Beispiel für Paula Carolina, deren Musik sehr deutlich in der Tradition der Neuen Deutschen Welle steht und die mit Liedern wie „Angst frisst Demokratie“ Zeichen für Vielfalt setzt. Weitere Interpreten im Rahmen des Länderschwerpunktes sind zum Beispiel das bayerische Hip-Hop-Duo Dicht & Ergreifend und die Folkband Jams aus Berlin-Friedrichshain, die im Osten schon vor der Wende aktiv war.

Mundartlich unterwegs: Das Hip-Hop-Duo Dicht & Ergreifend feiert seine bayerischen Wurzeln.

Mundartlich unterwegs: Das Hip-Hop-Duo Dicht & Ergreifend feiert seine bayerischen Wurzeln.

Janik Schöbel

Die Entscheidung für Deutschland als Schwerpunkt, die im Vorfeld im Organisationsteam durchaus kontrovers diskutiert worden sei, folge vor allem zwei Überlegungen. Zum einen sieht Hanneken darin eine „gründliche Abgrenzung zu diesem unsäglichen Begriff der Leitkultur“. Zum anderen versteht der erfahrene Kulturmanager diese Festivalausgabe auch als Beitrag zur Fußball-Europameisterschaft: „Nach dem Motto: Ihr kommt alle zu uns, dann zeigen wir Euch mal, was wir alles zu bieten haben.“

Ursprünge des Festivals in der DDR der 1950er-Jahre

Es werden natürlich nicht nur Fußballfans kommen. Alljährlich vereint das Festival an der Saale, dessen Tradition als „Fest des deutschen Volkstanzes“ bis ins Jahr 1955 zurückreicht, Menschen aller Altersstufen. Wie schafft man es, die unterschiedlichen Geschmäcker zu bedienen, sodass 15-Jährige vor den Bühnen einträchtig neben 75-Jährigen feiern?

„Man kann das sicher nicht am Reißbrett entwerfen“, sagt Bernhard Hanneken. Allerdings biete das Rubrum der Weltmusik hervorragende Voraussetzungen dafür, Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen zu vereinen – von der europäischen Folklore bis hin zu Reggae und Dub. Über die Jahre habe das Organisationsteam zudem ein gutes Gespür dafür entwickelt, was passt. Getreu der Devise von Hanneken: „Wir beobachten die Trends und die modernen Entwicklungen, aber wir laufen ihnen nicht hinterher.“

Lässt sich ungern fotografieren: Bernhard Hanneken kuratiert auch das Programm der "Transvocale" in Frankfurt (Oder). Hier ist er im Jahr 2016 im dortigen Kleist Forum zu sehen.

Lässt sich ungern fotografieren: Bernhard Hanneken kuratiert auch das Programm der "Transvocale" in Frankfurt (Oder). Hier ist er im Jahr 2016 im dortigen Kleist Forum zu sehen.

Privatarchiv Bernhard Hanneken

Bernhard Hanneken, der in Oberbayern lebt, ist auch als langjähriger Kurator des Festivals „Transvocale“ in Frankfurt (Oder) bekannt, bevor er 2021 an Daniel Zein übergab. Als Chefredakteur des Fachmagazines „Folker“ ist er schon vor der Wende häufig in den Osten gereist und hat sich dort als Chronist und Musikethnologe betätigt. Für seine jahrelange Arbeit in Rudolstadt wurde er kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) würdigte ihn bei der Zeremonie in Weimar mit den Worten: „Mit seinem Einsatz für die Sichtbarkeit von Folk- und Weltmusik hat Bernhard Hanneken das Festival zu einem internationalen Aushängeschild für Thüringen gemacht.“

Aus dem Festivalprogramm

Die exakten Auftrittszeiten und -orte können sich angesichts der mehr als 20 Bühnen im gesamten Stadtgebiet von Rudolstadt noch ändern. Genauere Informationen gibt es in der Festival-App, die auf der Website www.rudolstadt-festival.de sowohl für Android-Systeme als auch für iOS zum Download bereitsteht. Hier nur eine kleine Auswahl an Interpreten, die auf dem Festival auftreten werden:

  • Alicia Edelweiss (Österreich)
  • Bukahara (Deutschland)
  • Emma Langford Ensemble (Irland)
  • Eric Bibb (USA)
  • Jamila & The Other Heroes (D)
  • Julian Marley (Jamaika)
  • Momi Maiga (Senegal)
  • Sonic Interventions (D)
  • Tartumeitas (Lettland)
  • The Düsseldorf Düsterboys (D)
  • Ursonate - Kurt Schwitters (D)
  • Yagody (Ukraine)

Ein eigener Festivalbereich für Kinder

Für Familien, die zum Rudolstadt-Festival oft traditionell in mehreren Generationen anreisen, wird es wieder ein großes begleitendes Kinderfest geben. Im Heinepark direkt am Ufer der Saale stehen an vier Tagen Spiel- und Sportangebote, Straßentheater, Musik und Aktivitäten wie Flechten, Backen oder auch Tischlern bereit.

Auch in diesem Jahr wird auf dem Festival wieder der mit 5000 Euro dotierte Festivalpreis „RUTH“ verliehen“. Die Auszeichnung geht an das Projekt „Silent Tears – The Last Yiddish Tango“. Dabei werden Gedichte von Frauen aus Osteuropa vertont, die den Holocaust überlebt haben.

Infos und Programm: www.rudolstadt-festival.de