Wie viele Personen passen in einen Skoda Fabia? Wenn es sein muss, acht Leute. Ein solches Fahrzeug hat die Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf jetzt auf der Bundesautobahn 4 gestoppt.
In der Nacht zum Sonntag stellten Bundespolizisten gemeinsam mit ihren polnischen Kollegen einen mutmaßlichen Schleuser. Nach dessen Festnahme hatte die Staatsanwaltschaft Görlitz einen Antrag auf Durchführung des beschleunigten Verfahrens zum Amtsgericht Görlitz gestellt. Der Strafrichter urteilte am Montag, 11. April, gegen den 22-jährigen Beschuldigten aus der Ukraine. Demnach ist gegen den Angeklagten eine neunmonatige Freiheitsstrafe angeordnet worden. Diese wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem wurden das Schleuserfahrzeug und das während der Tat genutzte Mobiltelefon eingezogen. Die Kosten des Verfahrens trägt der Verurteilte, teil Pressesprecher Michael Engler mit.

Schleuser wollte Bundespolizei abschütteln

Der Mann war an der Autobahnanschlussstelle Görlitz gestoppt worden, nachdem er offensichtlich versucht hatte, mit seinem Pkw den Streifenwagen „abzuschütteln“.

Görlitz

In dem Skoda Fabia trafen die Beamten später auf insgesamt sieben Geschleuste aus Ägypten. Während einer der Ägypter auf dem Beifahrersitz saß, saßen vier Ägypter dicht gedrängt auf der Rücksitzbank. Die beengten Verhältnisse hatten dafür gesorgt, dass sich diese vier Passagiere nicht anschnallen konnten. Ganz zu schweigen von Rückhalteeinrichtungen reisten zwei Ägypter als blinde Passagiere im Kofferraum des kleinen Pkw unerlaubt nach Deutschland ein.
Nach der Verurteilung ist der Schleuser unmittelbar nach Polen zurückgeschoben worden. Die Geschleusten wurden an eine Erstaufnahmeeinrichtung übergeben.

Geschleuste wären im Transporter fast erstickt

Erst jüngst hatte das Landgericht Görlitz einen 23-jährigen Ukrainer zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen des Schleusens von 27 Personen verurteilt. Anfangs hatte das Gericht ihm sogar versuchten Mord vorgeworfen. Grund dafür: Mehrere Insassen beklagten bereits Atemnot, als die Polizei den Transporter in Görlitz stoppte.
Im Prozess hatte sich der Angeklagte ahnungslos gegeben. „Mich hat es nicht interessiert, was das für Menschen sind. Ich stand unter Schock, hatte Angst vor meinen Auftraggebern.“ Für den Transport der angeblichen Motorräder sollte er 400 Złoty (rund 86 Euro) bekommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung zwei Jahre zur Bewährung beantragt.