Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Weißkeißel-Haide werden die Jahre länger. Zumindest ist das der Eindruck, der sich für Platzkommandant Oberstleutnant René Pierschel auftut. Er ist gemeinsam mit Forstdirektor Franz Graf von Plettenberg am Donnerstag Gastgeber des traditionellen Neujahrsempfangs. Dabei zieht Pierschel Bilanz und gibt einen Ausblick auf kommende Herausforderungen.

Panzer und Hubschrauber

Wobei es 2019 schon in sich hatte. „Wir hatten ganz viele Panzer- und Hubschrauberschießen hier“, weiß der Oberstleutnant. Nach dem Soldaten für Auslandseinsätze vor allem im Infanteriebereich trainiert haben, habe man die Großgeräte bei der Bundeswehr zurück. Und die müssen üben. Allerdings unterstreicht er eins noch mal dick: „Wir nehmen es nicht hin, wenn für ein besseres Ergebnis gegen Vorschriften verstoßen wird. Dann gibt es Sanktionen.“

Steigende Zahlen

Waren 2018 10 836 Soldaten auf dem Platz, waren es im vergangenen Jahr 15 322. Das ist ein Plus von 50 Prozent. Was dass heißt, zeigt ein Bild vom Nato-Manöver „Noble Jump“. Freie Betten gab es nicht mehr. Wo es ging, wurden Zelte aufgebaut. Da könne man schon mal den Eindruck haben, das Jahr ist länger geworden, findet Pierschel. Von 190 geplanten Schießtagen sind 178 genutzt worden. Das bedeutet 2047 Schießen. 2017 stand da die Zahl 1580 zu Buche

Soldaten aus Singapur

2020 sind sogar 203 Schießtage avisiert und eine Auslastung von 100 Prozent. Jeden Monat sind zwei Bataillone vor Ort. Hubschrauber, Panzer, Infanterie und seit Längerem wieder mal die Gebirgsjäger. Zweimal werden wieder die Singapuris erwartet. Und dann gibt es auch das Großmanöver „Defender 2020“. Bei Oberstleutnant Pierschel ist es eine Herausforderung von vielen. Bereits am Donnerstag schauten sich deshalb Vertreter eines Logistikbataillons auf dem Platz um, um die Gegebenheiten auf dem Areal in der Oberlausitz kennenzulernen. Sie wurden von Major Sven Rahn begleitet. Er ist seit Oktober der neue Stellvertreter vom Platzchef.

„Defender 2020“ steuert TÜP an

„Defender 2020“ ist für Pierschel eine gesamtstaatliche Angelegenheit. Man habe Bündnisverpflichtungen als Transitnation. Die Oberlausitz sei in dem Fall nur ein kleiner Teil, der betroffen ist. „Und ich finde es gut, dass der Truppenübungsplatz genutzt wird. Die Soldaten sind Menschen, die müssen essen, die müssen schlafen. Die Technik muss betankt werden“, so René Pierschel. Wenn nicht auf dem TÜP müsste das im öffentlichen Raum passieren. Das könne wohl auch keiner wollen. Ab März werden die Konvois der Amerikaner auf dem TÜP erwartet.

Tag der offenen Tür

Eine weitere Herausforderung steht dann am 12. September an. Dann bitte der Übungsplatz wieder zum Tag der offenen Tür. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. Eine Maßgabe, die dabei unbedingt erfüllt werden muss: Es braucht mehr Parkplätze.

Natürlich wird auch 2020 wieder auf dem TÜP gebaut. Das Trainingsdorf werde erweitert. Außerdem soll bis zum Jahresende das neue Munitionslager fertig sein. Der Vorgänger stammt noch aus NVA-Zeiten.

Ein Film, der begeistert


Tierfilmer Axel Gebauer aus dem Boxberger Ortsteil Dürrbach hat in einer knappen Viertelstunde den Gästen des Neujahrsempfangs mit einem Film einen eindrucksvollen Überblick verschafft, welche Tiere sich auf dem Truppenübungsplatz besonders wohlfühlen. Wobei Leopard und Puma eindeutig in die militärische Kategorie fallen.

Allein der Seeadler ist mit sechs Brutpaaren eindrucksvoll vertreten. Gute Nahrung findet der Vogel im Niederspreer Teichgebiet, wo der Hecht gut steht. Das ist die Lieblingsnahrung der jungen Adler.

Die Rothirsche fühlen sich in der Offenlandschaft auf dem TÜP wohl, sind aber durch den Wolf dezimiert worden. Anders als die Wildschweine.

Gottesanbeterin, Glattnatter, Stierkäfer, Ziegenmelker und Wiedehopf gehören ebenfalls zu den Tieren, die ihr Zuhause auf dem 175 Quadratkilometer großen Areal haben. Beim Wiedehopf gibt es 20 Paare, in ganz Sachsen sind es 100.

Ilka Reinhardt vom Büro Lupus hat daran erinnert, dass es 2020 20 Jahre her ist, dass der erste Wolf auf dem Truppenübungsplatz aufgetaucht ist.