DDR-Oldtimer-Treffen in Zobersdorf
: IFA-Fahrzeuge – deshalb sind sie so anziehend

Sind es die Erinnerungen an die schwierige Anschaffung, die Erlebnisse mit den Gefährten oder ist es der gestiegene Wert, der zu DDR-Fahrzeugtreffen lockt?
Von
Frank Claus
Zobersdorf
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Mehr als 100 Zweiräder, allesamt im Osten produziert, waren in Zobersdorf zu sehen. Längst wieder Kult sind neben S51 auch Schwalbe und die TZ- und ETZ-Reihen.

Mehr als 100 Zweiräder, allesamt im Osten produziert, waren in Zobersdorf zu sehen. Längst wieder Kult sind neben S51 auch Schwalbe und die TZ- und ETZ-Reihen.

Jens Berger

Kaum einer weiß heute noch, was IFA-Fahrzeuge waren. Zu DDR-Zeiten sind unter diesem Begriff Fahrzeugbau-Unternehmen, oft in einzelnen Kombinaten organisiert, zusammengefasst worden, die im sogenannten Industrieverband Fahrzeugbau zusammengeschlossen waren.

Gefertigt wurden in diesen Betrieben Lkw, Pkw, Busse, Motor- und Fahrräder, Motoren, Traktoren, Anhänger, Zubehör und weiteres. Als Mario Vogel und Mathias Münch auf die Idee kamen, ein erstes Ostkisten-Treffen in Zobersdorf zu organisieren, war ihnen schnell klar – vermutlich kommen nicht nur IFA-Fahrzeuge. Kommen wird (fast) alles, was einst auf DDR-Straßen, in Betrieben und auf Feldern rollte.

So war es dann auch. Mehr als 100 Zweirad-Lenker und gut 40 Inhaber von vierrädrigen Modellen rollten schon bei der Premiere an. Neben Mopeds und Motorrädern – unter anderem SR 2, MZ, Berliner Roller – waren Trabant, Wartburg, Lada, Lkw und sogar Muldenkipper vertreten.  Längst Kult bei der Jugend ist die Simson S51, weil sie mit ihrem 60 Kubikmeter Hubraum schneller fährt als die heute angebotenen Roller. Für Preise zwischen 3000 und 3500 Euro wird sie heute bereits gehandelt.

Der Trabant ist fast wieder eine Wertanlage

Ähnlich ist es mit dem Trabanten. Nach dem politischen Umbruch verpönt, abgemeldet und „verschrottet“, hat die „Pappe“ längst ihre Renaissance erlebt. Ein gut gehegtes Stück kostet heute schon mal um die 10.000 Euro.

Mario Vogel fährt einen mit der 1978 hergestellten Biberbraun-Lackierung. Gern wegen der Farbe auch nach dem Schokoladenaufstrich-Hersteller als Nudossi-Kiste bezeichnet. Mario Vogel schmunzelt: „Ich bin wirklich zu einer Präsentation ins Werk des Nutella-Konkurrenten nach Radebeul eingeladen.“

Nicht alles, was nach Zobersdorf rollte, ist dem IFA-Verbund zuzurechnen.

Nicht alles, was nach Zobersdorf rollte, ist dem IFA-Verbund zuzurechnen.

Jens Berger

Was macht den Reiz dieser Treffen aus? Mario Vogel glaubt, dass es das Fachsimpeln ist. Und die Ausfahrt. Gemeinsam mit diesen Baureihen und Typen auf Fahrt zu gehen, gefalle. Natürlich würden Erinnerungen hochkommen – an die Schwierigkeiten bei der Beschaffung, an Urlaubsfahrten und die oft Unverwüstlichkeit der Fahrzeuge. Und den Umstand, dass noch selbst viel geschraubt werden konnte.

Die schönsten Fahrzeuge wurden am Ende besonders vorgestellt.

Die schönsten Fahrzeuge wurden am Ende besonders vorgestellt.

Jens Berger

Dass die Besitzer heute mit ihren Altfahrzeugen aus Ost-Zeiten wieder Werte in der Garage zu stehen haben, hat das MDR-Magazin „Umschau“ ermittelt. Es kommt nach einer Analyse zu dem Schluss, dass sich der Marktwert von Ost-Oldtimern durchschnittlich verdoppelt habe.

Die größte prozentuale Wertsteigerung habe die tschechoslowakische Oberklasselimousine „Tatra T613“.  Analysiert wird dabei auch die Anzahl noch vorhandener Fahrzeuge, die zudem eine weitere Erkenntnis brachte: 19 Prozent des Bestandes aus dem Zwickauer Sachsenring-Werk (zumeist Trabant) sind in westdeutschen Bundesländern registriert. Bei den Eisenacher Pkw (zumeist Wartburg) sind es neun Prozent.