Lebensretter in Görlitz und Bautzen: Schnelle Helfer per App werden jetzt sichtbarer

Neue Taschen: Jens Schiffner (rechts) ist Leiter Ärztlicher Rettungsdienst im Landkreis Görlitz und selbst ehrenamtlicher Lebensretter. Er präsentiert eine der 210 Taschen, die nun an einige der Helfer ausgegeben werden. Darin sind auch Westen mit der Aufschrift „Lebensretter“. Doch gibt es genug ehrenamtliche Lebensretter?
Jürgen Scholz- Über 1000 ehrenamtliche Notfall-Retter in Görlitz und Bautzen sind jetzt sichtbarer.
- Neue Taschen mit „Lebensretter“-Westen verteilt; 210 Taschen angeschafft.
- Eine App alarmiert Helfer bei Notfällen, oft sind sie vor dem Rettungsdienst da.
- Projekt seit Dezember 2022 in Ostsachsen, auch in Dresden möglich.
- Bislang 1152 ehrenamtliche Lebensretter in Ostsachsen, weitere Taschen nötig.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Einsatz war gleich in der Nähe der Rettungswache – und trotzdem wurden ehrenamtliche Rettungshelfer hinzugerufen, erzählt Jens Schiffner. Was auf den ersten Blick unsinnig scheint, macht durchaus Sinn, betont de Ärztliche Leiter Rettungsdienst im Landkreis Görlitz.
„Bei einem Herzkreislaufstillstand zählt jede Sekunde und jede Minute.“ Da könnte die zwölfminütige Hilfsfrist, in der die Profis vor Ort sein müssen, schon zu viel sein. In zwei Drittel der Fälle seien die ehrenamtlichen Helfer vor dem Rettungsdienst da. Wie das?
Eine App findet Helfer in der Nähe eines Notfalls und alarmiert sie
Alarmiert werden die registrierten ehrenamtlichen Helfer von der Leitstelle über eine App, die der Leitstelle anzeigt, wer in der Nähe eines Notfalls ist. Meist sind es Fachkräfte, Krankenschwestern oder zusätzlich geschulte Feuerwehrleute, erklärt Schiffner. Und in 80 Prozent der Notfälle sei jemand von ihnen in der Nähe.
Bis zu vier Helfer, die schnell am Einsatzort sein können, werden dann über die App alarmiert. Der vierte Helfer bringt dann beispielsweise einen der 55 Defibrillatoren mit, die es mittlerweile im Landkreis Görlitz gibt. Wenn es zum Herzstillstand kommt, werden viele Hände gebraucht. Allein bei der Herzdruckmassage müssen sich die Ersthelfer alle zwei Minuten abwechseln. „Die Straße wird dann zur Intensivstation. Da ist jede helfende Hand notwendig“, erklärt Schiffner.
Seit Dezember 2022 gibt es das Projekt in Ostsachsen. Die Landkreise Bautzen und Görlitz waren damals Vorreiter. Jetzt kann es durchaus sein, dass er auch in Dresden alarmiert wird, sagt Schiffner. Die App, die auch der Leitstelle dort anzeigt, wo ehrenamtliche Ersthelfer unterwegs sind, macht es möglich. Und bis jemand vor Ort ist, geben die Mitarbeitenden der Leitstelle den Angehörigen oder Anrufern vor Ort Hinweise, was sie machen können.
Bislang gibt es 152 ehrenamtliche Lebensretter in Ostsachsen
In Ostsachsen sind es bislang 1152 ehrenamtliche Ersthelfer. Es könnten aber auch noch mehr sein. Bei den Feuerwehren werden Konzepte erarbeitet, wie die Einsatzkräfte über Hilfsorganisationen angepasst ausbilden kann.
Über den Kreisfeuerwehrverband und die Sparkasse als Sponsor wurden jetzt 210 Taschen für Ersthelfer angeschafft. Sie sollen die Helfer auch mit „Lebensretter“-Westen als solche erkennbar machen, ihnen aber auch mit Knieunterlage, Beatmungsmaske, Schere zum Aufschneiden der Kleidung, Schutzhandschuhen und Masken das Wichtigste zur Hand geben. Der Stückpreis beträgt 75 Euro. Weitere Spender für weitere Taschen sind willkommen, so Landrat Stephan Meyer (CDU). Diese Aktion ist allerdings auf den Landkreis Görlitz beschränkt.
Ein ähnliches Lebensretter-Projekt startete bereits 2020 an der Leitstelle in Cottbus für Südbrandenburg.


