Eigentlich hätte Mitte Juli das 34. Halbendorfer Neptunfest stattgefunden. Tausende Gäste hätten vom 17. bis 19. Juli den See gerockt. Doch wegen der Corona-Pandemie ist die dreitägige Party abgesagt worden. Trotzdem dürfen sich die Halbendorfer jetzt mit einer weiteren Attraktion rühmen.
Ausgerechnet genau zum traditionellen Startpunkt des Neptunfestes ist der Wassermann von zahlreichen Einwohnern begrüßt worden. Allerdings nicht lebend, dafür aber aus echtem Halbendorfer Eichenholz geschnitzt. Unter den Linden am Abzweig der Straße nach Groß Düben befindet sich jetzt eine rund drei Meter hohe Skulptur der Lausitzer Sagengestalt. Der Wassermann präsentiert sich freundlich und ein wenig schelmisch lächelnd. Sein Blick geht natürlich zum nur wenige hundert Meter entfernten Halbendorfer See. Hinzu gesellt sich eine ebenso kunstvoll gearbeitete Holzbank. In naher Zukunft sollen noch zwei Informationstafeln hinzukommen.

Der Wassermann an der Doppelkreuzung

Der Standort ist nicht ohne Hintergedanken gewählt, sagt Mitinitiator Wolfgang Kotissek. Schließlich kreuzen sich am Westende von Halbendorf nicht nur die Straßen von Weißwasser nach Schleife und Groß Düben, sondern auch zwei ausgeschilderte Radwege.
Urheber des Wassermanns ist der Schleifer Holzbildhauer Thomas Schwarz. Eigentlich, so erinnert sich der Künstler, gab es bereits vor zwölf Jahren erste Pläne für das Halbendorfer Exemplar. Konkreter wurden diese anno 2013. Doch es wollte aus verschiedenen Gründen nicht klappen. Insbesondere die „goldenen Taler“ fehlten, wie es Mitinitiator Wolfgang Kotissek formuliert. Dass es jetzt endlich funktioniert hat, ist unter anderem dem Freistaat Sachsen zu verdanken. Aus dem Fördertopf für sorbische Belange fließen 5000 Euro in den Wassermann, sagt Kotissek. Die Gemeinde Groß Düben gibt weiteres Geld dazu. Bürgermeister Helmut Krautz hat zwar noch nicht die Abschlussrechnung in der Tasche, aber geht er von einer fünfstelligen Summe aus.
Rund vier Monate hat Thomas Schwarz am Halbendorfer Wassermann, nach Radeweise und Rohne bereits seinem dritten, gearbeitet. „Kurioserweise konnte ich mir wegen der Corona-Krise mehr Zeit dafür nehmen“, berichtet der Künstler. Das Holz wuchs übrigens nur einen Steinwurf vom neuen Wahrzeichen entfernt. „Im Zuge des Neubaus von Kita und Feuerwehr musste eine Eiche weichen. Die war laut den Einheimischen wild gewachsen. Aus deren Stamm entstand der Wassermann und aus dem Kronenholz die Sitzbank für acht Personen“, berichtet Schwarz.

Schwerstarbeit im Regen ist ein gutes Omen

Als das Gesamtkunstwerk vor wenigen Tagen per Kran in Halbendorf aufgestellt worden war, schüttete es genau in jener Stunde wie aus Eimern. Kaum befand sich der Wassermann an Ort und Stelle, hörte der Regen auf. „Wenn das mal nicht ein gutes Omen ist“, orakelt Wolfgang Kotissek.
Der Wassermann gehört zu den bekanntesten sorbischen Sagengestalten in der Lausitz. Zahlreiche Sagen ranken sich um diese Gestalt, die vor allem entlang der Spree und in der Teichlausitz aktiv sei.
In Halbendorf, so erzählt Wolfgang Kotissek, sollen ein paar Jungs vor Urzeiten nachts im Sumpf geangelt haben. Statt des heutigen Badesees, einem Überbleibsel des im Jahr 1969 ausgekohlten Tagebaus Trebendorfer Felder, prägten damals Teiche und Sümpfe das Land. Auf einmal habe der Wassermann an einer der Angeln gezappelt. Die jungen Leute erschraken so sehr, dass sie alles fallen ließen und ins Dorf zurück rannten.
Allerdings gehört zu jeder Sage auch immer ein Körnchen Wahrheit. Mittels des Wassermanns sollen Kinder von den Gefahren des Wassers abgehalten werden. Die ebenfalls fest in der sorbischen Poesie verankerte Mittagsfrau verkörpert die Möglichkeit eines Hitzschlags bei sengender Sonne. Und die Irrlichter führen so manchen Nicht-ortskundigen in den Sumpf.

Mehrere Sagenfiguren im Schleifer Kirchspiel


Im Kirchspiel Schleife hat Holzbildhauer Thomas Schwarz schon mehrere sorbische Sagenfiguren erschaffen. So wacht in Schleife die Schlangenfrau vor der Gaststätte Schlangenkrone. Die Lutkis sind in Trebendorf beheimatet. Rohne nennt einen Wassermann sein Eigen, Mulkwitz den starken Lysina. Eine Schuster-Skulptur präsentiert sich vor dem Trebendorfer Schusterhof, Hanzo Njepila auf dem Njepila-Hof in Rohne. Eine weitere Figur im Kirchspiel könnte bald hinzukommen, mehr will Thomas Schwarz noch nicht verraten. Sein Atelier am Waldrand an der Straße zwischen Schleife und Graustein kann jetzt wieder nach Voranmeldung besichtigt werden.