Bei durchaus warmen Temperaturen kommen nach und nach Wähler in ein Wahllokal nach Weißwasser. „So eine richtige Auswahl hat man ja nicht“, sagt ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will, „aber ich will mich dann hinterher auch nicht beschweren, obwohl ich dabei gar nicht wählen gewesen bin.“ Auf übermäßiges Interesse stößt die Landratswahl im Kreis Görlitz tatsächlich nicht. Schon 2015 lag die Wahlbeteiligung hierzulande bei 36,6 Prozent. Bernd Lange (CDU) erhielt damals 73 Prozent. Nun tritt er nicht mehr an.
Stephan Meyer (CDU) kommt auf 46,3 Prozent im ersten Wahlgang. Sebastian Wippel (AfD) will es ihm gleich tun. Im ersten Wahlgang landet er bei 35,5 Prozent. „Jetzt gilt's“, hatte er seine Anhänger aufgerufen, am 3. Juli abermals zur Wahl zu gehen, um damit „für die dringend notwendige Veränderung in unserem Landkreis“ zu sorgen.
Sylvio Arndt tritt als Einzelbewerber an – und versucht im zweiten Anlauf seine beiden Mitbewerber zu überholen. Allerdings räumen Beobachter ihm wenig Chancen ein. Und tatsächlich kommt Arndt nur auf 7,8 Prozent – im zweiten Wahlgang.

Tendenz schon nach 19 Uhr im Kreis Görlitz

Kurz nach 19 Uhr sind die ersten Wahllokale ausgezählt: Stephan Meyer liegt weit vor Sebastian Wippel – auch in Weißwasser. Hier gehen zwar nur 26,1 Prozent der Wahlberechtigten tatsächlich wählen, jedoch erhält Meyer 1770 Stimmen, Wippel 1194. Einzelbewerber Sylvio Arndt magere 454. Überhaupt kann sich der Parteilose nirgends durchsetzen, auch nicht in seiner Heimat Quitzdorf, die am Ende an Sebastian Wippel geht.
Neben Quitzdorf ist Trebendorf die einzige Gemeinde im Nordkreis, in der Sebastian Wippel – hier mit drei Stimmen – vor Meyer liegt. Das gelingt dem AfD-Kandidaten nur noch in der Gemeinde Neißeaue. Wippel erhält in Gänze 35,8 Prozent der Stimmen, das sind 29.470.
„Die Bürger haben für ein ‚Weiter so‘ gestimmt“, sagt Wippel am Wahlabend und zeigt sich enttäuscht, dass so wenig überhaupt ihre Stimme abgegeben haben. In Richtung von Stephan Meyer sagt er: „Ein Drittel hat für mich gestimmt und damit sollte Herr Meyer mit allen im Kreis zusammenarbeiten.“
Stephan Meyer kann 50 von 53 Gemeinden für sich gewinnen, kommt auf 56,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Das sind 46.492 Wähler. „Ich bin erleichtert und freue mich über das sehr deutliche Ergebnis“, sagt er der Rundschau am Wahlabend. Er habe jedoch auch die „starken Stimmenanteile für die AfD“ gesehen und ist sich sicher: „Daran müssen wir arbeiten“, sagt er.