Noch ist sein Büro etwas steril. Kein Wunder, hat Nasreddin El-Jaam doch erst Anfang März im Kreiskrankenhaus Weißwasser seinen neuen Dienst angefangen. Das Einrichten bleibt schon mal auf der Strecke, wenn der Operationssaal ruft. Doch eines fällt sofort auf, die Zuckertüte, die auf seinem Schreibtisch liegt. „Dass ist wirklich nett, dass ich diese hier zum Start bekommen habe“, sagt der Arzt und muss lächeln.

Erfahrener Mediziner arbeitet jetzt in Weißwasser

Es ist ein mit Süßigkeiten gefüllter Willkommensgruß und kein Status für einen Abc-Schützen, denn der Mediziner ist ein erfahrenen Chirurg. Geboren wurde er in Tripoli. Das befindet sich im Libanon. Schon von klein auf, war dem heute 56-Jährigen klar, dass er Arzt, Chirurg werden wollte. Vielleicht habe der Weg, den sein älterer Bruder eingeschlagen habe, auf ihn abgefärbt.

Nasreddin El-Jaam ging zur Studienvorbereitung in die DDR, konkret an die Bergakademie Freiberg. Er fühlte sich damals zwischen zwei Welten, aber nicht eingesperrt. „Wir konnten auch reisen“, erzählt er. Sein Plan war damals auch, nach der Ausbildung wieder nach Hause zu gehen. Doch manchmal werden Pläne über den Haufen geworfen.

Nach dem Studium der Humanmedizin an der Martin-Luther-Universität Halle (1985-1991) absolvierte er die noch klassische Facharztausbildung in Wernigerode in der Chirurgie (Facharztanerkennung 1997) sowie in der Fachweiterbildung Unfallchirurgie in Quedlinburg (Schwerpunktanerkennung 2001). Die vielen Jahre in Deutschland führten dazu, dass sich Nasreddin El-Jaam „ganz gut aufgehoben fand“. Er wurde in Wernigerode Oberarzt, leitender Oberarzt, dann ab 2017 Chef der Unfallchirurgie und war dann im Anschluss Chef der Unfallchirurgie/Orthopädie in Northeim (Niedersachsen).

Der Chefarzt schätzt die familiäre Atmosphäre in Weißwasser

Dann folgte eine geplante Auszeit, die gerade der Familie zugute kommen konnte. „Doch ich habe gemerkt, dass meine Finger steif wurden“, erklärt Nasreddin El-Jaam, warum er dann nach fünf Monaten doch wieder zurück an den OP-Tisch kam. Seit Oktober 2019 war er als selbstständiger Honorararzt tätig. In dieser Funktion lernte er das Kreiskrankenhaus Weißwasser kennen und schätzen. „Die familiäre Atmosphäre hat mich sehr an früher in Wernigerode erinnert“, so der neue Chefarzt. Dass habe durchaus etwas mit Ost-Mentalität zu tun, findet er. Es habe gepasst, deshalb habe er zugesagt.

Aus dem Krankenhaus Weißwasser Die Chirurgie ist ein Aushängeschild

Weißwasser

Für Nasreddin El-Jaam stand nicht nur frühzeitig fest, dass er Arzt werden will, sondern eben auch Chirurg. „Es ist ein Handwerk, aber eins mit Gefühl.“ So müsse er sicher mit dem Hammer hantieren, doch wie er ihn einsetzt, habe etwas mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung zu tun. Denn werde der Hammer falsch eingesetzt, kann das viel kaputtmachen.

Neue Operationstechniken am Krankenhaus Weißwasser

Der Chefarzt der Unfallchirurgie findet, dass er den besten Beruf ausübt. „Wenn eine ältere Frau mit Schmerzen kommt und sie kann nach wenigen Tagen das Krankenhaus fast gesund und mit einem Lächeln verlassen, dann ist das doch schön.“

Deshalb will er die Abteilung auch weiter entwickeln helfen. „Mein Ziel ist es, die Endoprothetik auf- und die Trauma- und Wirbelsäulenchirurgie auszubauen.“ Schließlich liegen seine fachlichen Schwerpunkte auf der gesamten Traumatologie, der Arthroskopie, der Wirbelsäulenchirurgie und der Endoprothetik mit Wechseloperationen. So hat er wenige Tage nach seinem Neustart die Kyphoplastie in Weißwasser bei der OP einer Dame eingeführt. Das ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Wirbelbrüchen. Dabei hat Nasreddin El-Jaam die Altersstruktur der Region im Blick.

An dieser fasziniert ihn übrigens die vielen Möglichkeiten zum Spazierengehen und die Seen, wo man im Sommer schwimmen kann.

Geschäftsführung froh über Arzt


Die Geschäftsführung des Kreiskrankenhauses Weißwasser freut sich, die offene Position adäquat besetzen zu können. Geschäftsführer Steffen Thiele dazu: „Das Team in der Unfallchirurgie ist hoch motiviert und wird unter Leitung von Chefarzt El-Jaam das Leistungsspektrum erweitern können. Seine Kompetenz in fachlicher, personeller und sozialer Sicht ist für den ausgezeichneten Service am Patienten essentiell.“

Der Chefarztposten am der Unfallchirurgie war seit Sommer 2019 nicht besetzt gewesen.