Kraftwerk Boxberg
: So verlief die Sprengung der drei alten Kühltürme

Die Sprengung der letzten drei Kühltürme vom alten Kraftwerk in Boxberg war ein Ereignis. Etwa 100 geladene Gäste waren vor Ort.
Von
Jürgen Scholz
Boxberg
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Hintereinander sind die letzten drei Kühltürme des alten Kraftwerk in Boxberg in sich zusammengefallen.

Hintereinander sind die letzten drei Kühltürme des alten Kraftwerks in Boxberg in sich zusammengefallen.

Jürgen Scholz
  • Drei alte Kühltürme des Kraftwerks Boxberg wurden gesprengt; 100 Gäste waren vor Ort.
  • 12.000 Tonnen Beton wurden mit 66 kg Sprengstoff pro Turm zerstört, um Platz für das H2HUB-Projekt zu schaffen.
  • Im Frühjahr 2025 startet der Bau der 380-kV-Schaltanlage zur Verbindung mit der neuen Giga-Battery.
  • Investitionen von 30 Mio. Euro fließen in das Projekt; Produktionskapazität von 2100 kg Wasserstoff pro Stunde geplant.
  • Der Abriss eines vierten Turms erfolgte schrittweise, um Schäden zu vermeiden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Joachim Schädlich hatte sein Handy ganz vorne an der Absperrung für Video-Aufnahmen aufgebaut, die Kamera für Fotos bereit für den Augenblick, in dem die ersten von mehr als 1000 Sprengladungen gezündet werden. Mit jeweils 66 Kilogramm Sprengstoff wurde jeder einzelne der fast 12.000 Tonnen wiegenden Kolosse am Freitagvormittag (6. Dezember) in die Knie gezwungen,

Schädlich gehörte zu den etwa 100 geladenen Gästen, die aus einigen hundert Metern Entfernung die Sprengung verfolgen konnten. Mitarbeiter und Vorstand der Leag, aber auch viele Vertreter von Politik und Wirtschaft aus der Region waren im Zelt mit Blick auf die drei 113 Meter großen Türme. Zerstörung als gesellschaftliches Ereignis?

Es ist der Startschuss für eine neue, die zukünftige Lausitz, so die Barbara Meyer, Staatssekretärin im sächsischen Infrastrukturministerium. Die Sprengung der alten Türme schaffe Platz für Neues; Platz dafür, neue Energie zu produzieren, verwies sie auf den eigentlichen Grund für die Sprengung. Denn die Türme stehen der H2HUB-Anlage im Weg, die Energieproduktion aus grünem Wasserstoff mit Speicherkapazitäten verbinden soll. Sie waren aber auch marode, gut 30 Jahre nach ihrem Bau.

Rund 100 geladene Gäste waren zur Sprengung der letzten drei Kühltürme des Werks 1 auf das Leag-Kraftwerksgelände anch Boxberg gekommen.

Rund 100 geladene Gäste waren zur Sprengung der letzten drei Kühltürme des Werks 1 auf das Leag-Kraftwerksgelände anch Boxberg gekommen.

Jürgen Scholz

Also wurde ein sichtbares und hörbares Zeichen gesetzt, wie es Leag-Vorstandschef Adi Roesch formulierte. Vor allem ein hörbares Zeichen. Es war vor allem die Zündung der Vergrämungsladungen in den Kühltürmen, die in der Umgebung mehr als deutlich zu hören war. Damit sollten auch die letzten Tiere aus dem Gefahrenbereich vertreiben werden. Kurz darauf zündete das Team der Arbeitsgemeinschaft um Eduard Reisch, Jens Rapp und Stefan Greßle die eigentlichen Sprengladungen, die mit zweieinhalb Sekunden Verzögerung die Türme erst leicht ankippen und dann vertikal zu Boden gehen lassen. Die Reste können dann problemlos von einem Bagger beseitigt werden.

Aufräum-Arbeiten laufen noch bis ins Frühjahr hinein

Bis ins Frühjahr hinein werden dann die Aufräumungsarbeiten zum Abtransport der rund 35.000 Tonnen Stahlbeton dauern, bis das Baufeld für das neue Kraftwerk vorbereitet werden kann. Bereits im kommenden Jahr 2025 soll der Bau der neuen 380-kV-Schaltanlage beginnen, die den Anschluss zwischen dem Hochspannungsnetz und der neuen Giga-Battery herstellt, die aus den Solaranlagen der Umgebung gespeist wird.

Joachim Schädlich sieht den Ansatz noch skeptisch, gehört zu der Generation der alten Kraftwerker, von denen viele den Kohleausstieg ohne passenden Ersatz als riskant ansehen. Als der Block Q fertiggestellt war, hat er den Rückbau der Kühltürme von Werk 1 betreut, dann ging es in den Neubau von Block R.

Inzwischen ist der Cottbuser Rentner, aber seine Erfahrungen beim Rückbau waren jetzt wieder gefragt, weil noch alte Systeme im Boden liegen und teilweise verlegt werden mussten. Deshalb wurde beispielsweise der vierte der Kühltürme nicht gesprengt, sondern in den vergangenen Monaten Stück für Stück abgetragen. Allein die Erschütterungen durch den zusammenstürzenden Turm hätten Schäden verursachen können.

Eduard Reisch, Jens Rapp und Stefan Grüße bildeten in einer Arbeitsgemeinschaft das Kernteam bei der Sprengung der Kühltürme, die hier noch im Hintergrund zu sehen sind.

Eduard Reisch, Jens Rapp und Stefan Gräßle (von links) bildeten in einer Arbeitsgemeinschaft das Kernteam bei der Sprengung der Kühltürme in Boxberg, die hier noch im Hintergrund zu sehen sind.

Jürgen Scholz

Bei der Sprengung war Schädlich aus Interesse dabei. Sind Emotionen damit verbunden? Nein, sagt der Techniker. Beim Bau der Kühltürme war er nicht dabei - und wenn sie kein Zweck mehr erfüllen und beschädigt sind, ist ihre Zeit eben vorbei. Ob der Ansatz mit Wasserstoff am Ende so funktioniert? Er hat seine Zweifel.

Der Freistaat Sachsen hat die erste Stufe der Investitionen mit 30 Millionen Euro aus dem Transformations-Budget der EU gefördert. Parallel entsteht in Boxberg gerade die zweite große Batterie-Anlage der Leag. Auf dem jetzt freigemachten Gelände sollen weitere Speicheranlagen folgen, die zum über verschiedene Zeiträume mehr oder weniger schnell Energie speichern und wieder abgeben können - je nachdem, wie sie benötigt wird.

Das aktuelle Konzept sieht vor, dass zunächst 2100 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produziert werden, was einer thermischen Energie von 70 Megawattstunden (MWh) entspricht. Auf lange Frist gesehen, sollen dann mehrere Wasserstoff-Generatoren die Leistung weiter erhöhen - dafür bräuchte es aber eine Wasserstoffzuleitung, die noch nicht in Aussicht ist.