Von Christian Köhler

Während seit einigen Jahren in der Politik vom großen Strukturwandel in der Lausitz gesprochen und für die beste Lösung gestritten wird, müssen sich mittelständische Unternehmen längst auf Umbrüche einstellen. Das trifft auch auf gemeinnützige Einrichtungen zu, an denen der Strukturwandel bereits seit 1990 Spuren hinterlassen hat. Das Kindererholungszentrum am Braunsteich (Kiez) in Weißwasser ist ein Beispiel dafür, dass der Strukturwandel nicht erst einsetzt, sondern seit gut 30 Jahren besteht.

Noch kurz nach der Wende etwa erzielte die idyllisch gelegene Einrichtung um die 45 000 Übernachtungen im Jahr. Schulklassen und Ferienkinder, Vereine und Institutionen haben gern das Angebot genutzt, an Weißwassers Stadtrand eine Weile zu verbringen. Allerdings kam mit der sozialen Marktwirtschaft nicht nur Positives aus den neuen Bundesländern herüber geschwappt.

Mit der Abwanderung der Bevölkerung aus der Region sind auch die Einnahmen kleiner geworden. Um weiter attraktiv zu sein, müsste investiert werden. Dringend. „Während in anderen ehemaligen Pionierlagern bis heute Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe getätigt wurden, ist das bei uns nicht geschehen“, konstatiert Kiez-Chef Marcel Proske. Entsprechend sind bis heute die Übernachtungs- und Gästezahlen längst nicht mehr auf dem Niveau, wie sie sich noch Anfang der 90er-Jahre darstellten.

Ein riesiger Investitionsstau hat sich aufgetürmt, der nun nach und nach behoben werden soll – allein um konkurrenzfähig zu bleiben. „Konzepte und Ideen gibt es viele“, erklärt Proske, „aber allein, es fehlt mitunter das Geld.“ Zwar hat die Einrichtung 2018 etwa 21 300 Übernachtungen gezählt – das entspricht einer Gästezahl von mehr als 6500 –, aber die dabei erwirtschafteten Eigenmittel für Investitionen reichen nicht aus, um alles auf einmal umzusetzen. „Und dabei ist das schon der Übernachtungsrekord in den vergangenen Jahren.“ Und noch etwas: „Um künftig gutes Personal zu finden und zu halten, müssen die Mitarbeiter auch gut bezahlt werden“, erläutert Marcel Proske. Dafür jedoch müssten Übernachtungspreise angehoben und vielfältigere Angebote den Gästen gemacht werden. Das aber kostet – wieder einmal – Geld. Denn um höhere Preise zu machen, müssten zunächst in die Anlage weitere finanzielle Mittel fließen.

Dabei, da ist sich Marcel Proske sicher, ist das Kiez ein Schwergewicht in Sachen Tourismus. Denn die vielen Gäste bringen nicht nur Geld in die Einrichtung und in die Stadt, sie nutzen auch touristische Angebote in der Region. Von den Schulklassen, Ferienkindern und Gästen profitieren etwa die Waldeisenbahn Muskau (WEM), das Turnerheim in Weißwasser, deren Plätze von Ferienkids genutzt werden, oder auch die umliegenden Parks, die so Besucherströme verzeichnen.

Immerhin, seit 2015, als Marcel Proske auf dem Kiez-Chefsessel Platz genommen hat, sind mehr als eine halbe Million Euro in das 8,5 Hektar große Areal geflossen. So ist etwa ein neuer Spielplatz entstanden, teils marode Gebäude wurden zurückgebaut und in die Barrierefreiheit wurde investiert. Hinzu kommen jede Menge Eigenleistungen, die die Mitarbeiter erbracht haben. „Vieles davon sieht der Gast nicht, aber sie waren und sind dringend notwendig“, so der Kiez-Chef. Zu den größeren Ausgabeposten zählen erfolgte Verbesserungen am Brandschutz im Bettenhaus, eine neue Solarthermie-Anlage auf dem Dach eines Dusch- und Waschgebäudes oder der Aufbau eines festen Personalstammes. „Größter Brocken waren sicher die Investitionen am Schwimmbad, was ein Alleinstellungsmerkmal des Weißwasseraner Kiez ist“, betont der Geschäftsführer. Dort wurde nicht nur äußerlich das Becken erneuert, sondern auch die Pump- und Wasseraufbereitungsanlagen, Leitungen oder der Beckenüberlauf wurden auf Vordermann gebracht.

Um mehr Eigenmittel zu generieren, die für weitere Investitionen genutzt werden sollen, müssen auch die Betriebskosten gesenkt werden. Ein erster Schritt dazu war die eingeführte Winterpause. Damit konnten Heiz- und Stromkosten gespart werden. Ein zweiter Schritt steht 2020 an: „Wir wollen die Heizungsanlage im Bettenhaus modernisieren“, verrät Marcel Proske. Weil hier allerdings hohe Investitionskosten zu erwarten sind, will man im Kiez 2019 kleinere Brötchen backen. Insgesamt 60 000 Euro sollen trotzdem in Malerarbeiten an und in den Gebäuden, die Einrichtung einer Ferienwohnung sowie in Reparaturarbeiten des Außenareals fließen. „Zudem werden die Zimmer und die 190 Betten im Haus weiter modernisiert“, so Marcel Proske. Mit der Sanierung der Bäder in den Zimmern ist man dann im Haus fertig.

Trotzdem: Die Herausforderungen sind enorm. „Es ist ein harter Wettbewerb, dem wir uns stellen“, erklärt der Kiez-Chef, der immer wieder auf das hochmotivierte Team verweist. Denn ohne gute Küche, engagiertes Personal im Empfang und bei der Betreuung der Feriencamps – die in diesem Jahr auch wieder angeboten werden – wäre man längst nicht so weit, sich für den andauernden Strukturwandel gut aufzustellen.