Bei der Frage, ob das Jahnbad in Weißwasser als Freibad weiterbetrieben oder zu einer freien Badestelle entwickelt werden soll, zeichnet sich eine Lösung ab. Noch in der vergangenen Woche hat es ein Treffen zwischen Stadtverwaltung und dem ehemaligen Betreiberverein mobile Jugendarbeit und Soziokultur gegeben. Das bestätigen Bauamtsleiter Thomas Böse und Timo Schutza (Klartext) vom Verein. Hintergrund war, dass der Verein den Pachtvertrag zur Badbetreibung nicht mehr verlängert hat und die Stadt die Kosten für eine weitere Betreibung des Bades nicht tragen kann. Deshalb, so hatte es Thomas Böse vorgeschlagen, sollte das Bad zu einer freien Badestelle zurückgebaut werden.

„Wir würden die Stadt unterstützen, allerdings müsste diese den Bademeister beziehungsweise  Rettungsschwimmer stellen“, erklärt Timo Schutza der RUNDSCHAU. Die Wählervereinigung Klartext hatte noch 2018 eine Einwohnerversammlung zum Jahnbad gemacht, bei der sich herauskristallisierte, dass die Mehrheit der Einwohner lieber das Freibad erhalten  will statt es zurückzubauen. Thomas Böse erklärt dies auch den Mitgliedern des Bauausschusses, hält aber fest: „Für uns würde das eine Steigerung der Personalkosten bedeuten.“ Ob der Stadtrat, der noch im Frühjahr ein Sparkonzept vor dem eigentlichen Haushaltsbeschluss der Rechtsaufssicht des Landkreises vorlegen muss, die Idee mitträgt, ist ungewiss.

Unterdessen haben die Architekten den Ausschussmitgliedern die bisherigen Ideen vorgestellt, die einerseits die Umgestaltung des Grünzuges vom Parkplatz am Turnerheim an der B 156 über den Bahnhof Waldeisenbahn, Jahnpark bis zur Pestalozzi-Straße als auch die Neugestaltung des Freibades vorsehen. Dazu hatte die Stadt Fördermittel aus dem EU-Topf regionale Entwicklung (Efre) erhalten. 2018 wurden die Ausgaben durch den Stadrat für alle Efre-Maßnahmen auf drei Millionen Euro begrenzt. 600 000 Euro soll dabei maximal die Stadt tragen.

„Wir haben versucht, mehrere Orte um den Jahnteich ausfindig zu machen, auf die wir uns konzentrieren wollen“, erklärt die verantwortliche Berliner Landschaftsarchitektin Elisabeth Lesche. Rings um den Jahnteich (siehe Grafik) ist vorgesehen, etwa Aussichtspunkte mit Verweilmöglichkeiten zu schaffen. Hinter der Volkshochschule zum Beispiel will die Architektin einen schwimmenden Steg errichten, am Jahndamm eine Sitzmöglichkeit schaffen oder einen Hundestrand am Jahnpark einrichten. Kernstück allerdings wird der neue Radweg „Badeseen-Tour“ sein, der vom Turnerheim über den Bahnhof an der Waldeisenbahn am Tierpark vorbei geführt werden soll. Dieser soll – wie im Kromlauer und Muskauer Park – mit gelber Schlesischen Decke und Klinkern angelegt werden. „Dazu wird die Allee, wo die Jahnbüste steht, bis zum Eingang des Tierparks verlängert“, erklärt die Planerin. Auch der Eingang des Tierparks werde in diesem Zuge umgestaltet, bestätigt Tierpark-Leiter Gert Emmrich auf Nachfrage. „Die Planungen dazu sind aber noch nicht abgeschlossen“, sagt er. Vor dem Jahnbad selber soll es mehrere Fahrradabstellmöglichkeiten geben und der Parkplatz umgestaltet werden. Den Radweg gibt es schon heute, allerdings führt er über die Teichstraße, den Jahndamm und die Jahnstraße.

Carsten Schützel, Planer der GMB GmbH, wiederum erklärt, welche Gebäude am Jahnbad zurückgebaut oder saniert werden sollen. So sollen das WC-Gebäude, der Kiosk, der Turm für die Beachvolleyball-Plätze und das Empfangsgebäude sowie alle Spielgeräte im Bad abgerissen werden. „Sie sind nicht sanierungsfähig“, begründet er. Saniert werden dagegen das Rundgebäude mit Umkleidekabinen – es soll multifuktional nutzbar sein – sowie das Gebäude des Tauchsports. Entstehen soll darüber hinaus ein Mehrgenerationsspielplatz. „Ich denke, für die Volleyballer sollte auch etwas errichtet werden, wo sie ihre Sachen reinmachen können“, wirft Detlef Wolsch (Klartext) in die Diskussion. Er schlägt vor, einmal bei der Baubegehung mit dabei zu sein. Timo Schutza sagt, man müsse auf die Vereine zugehen „und sie nicht vor vollendete Tatsachen stellen“. Detlef Wolsch ärgert sich zudem, dass durch die vielen Rückbauten auch der Charakter des Bades verloren gehen könnte. „Eine Erhaltung des Bademeisterhauses wäre vorstellbar“, entgegnet Thomas Böse.

Unterdessen soll der Teichboden im Badbereich ausgtauscht werden, um der weiteren Verkrautung entgegenzuwirken. Dazu müssten noch Anfang des Jahres weitere Bodenproben genommen werden. In diesem Zuge wird auch der Steg abgerissen: „Es wird keine Bauten im Wasserbereich mehr geben“, erklärt der Planer. Dabei ist schon jetzt klar, dass die Pfähle wohl nicht mehr komplett rauszubekommen sind. „Mit schwerer Technik und unter Wasser werden diese dann abgetragen“, erklärt Carsten Schützel.

Insgesamt schätzt der Planer das Kostenvolumen für den Umbau des Bades auf 360 000 Euro. „Ich nehme mit, dass wir die Planung für die Umgestaltung des Bades weiterführen, aber die Variante, es als Freibad zu belassen, nicht ausschließen“, fasst Thomas Böse die Debatte zusammen. Dem stimmt der Ausschuss zu.

Weitere Fotos von dem Areal um den Jahnteich sind zu finden im Internet unter www.lr-online.de/bilder.