In Sachsen und insbesondere in der Oberlausitz wird schon lange vor einem Pflegenotstand gewarnt. Zuletzt hatte die Impfpflicht gegen Covid-19 insbesondere den Pflegeunternehmern Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Die Befürchtung: Mit der Impfpflicht verschärfe sich der Personalmangel noch. Es sei ohnehin schwer genug, Begeisterung für den Beruf hervorzurufen und geeignete Bewerber zu finden. In Rietschen hatte sich die Altenpflege Lausitz umd Geschäftsführerin Jeannett Spretz gegen die Impffplicht vor diesem Hintergrund ausgesprochen.
Das Problem verschärft sich auch an Kliniken. In den vergangenen Jahren während der Corona-Pandemie sind die Intensivstationen besonders belastet gewesen. Demnach blieben laut Deutscher Krankenhausgesellschaft im vergangenen Jahr allein für Intensivpfleger 8000 Stellen unbesetzt.
Durch den Mangel muss bestehendes Personal immer mehr leisten und permanent zu viele Patienten betreuen. Dadurch leiden auch diejenigen, die auf hohe Qualität bei der Pflege angewiesen sind.

Pflege-Studium in Görlitz startet im Herbst

Um gegenzusteuern, bedarf es Anstrengungen. Das St. Carolus Krankenhaus Görlitz kann sich vor diesem Hintergrund ab sofort „Akademische Lehreinrichtung für Pflege der HSZG“ nennen. Bei einer Auftaktveranstaltung auf dem Campus Görlitz der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) wurde dies vereinbart.
Das Pflege-Studium an der HSZG zeichnet sich durch einen hohen Praxisanteil aus. 30 Studenten werden pro Studienjahr wissenschaftlich und praktisch ausgebildet. Für die praktischen Studienanteile haben aktuell 69 Kooperationspartner (Kliniken, Altenheime, ambulante Dienste) im gesamten Landkreis Görlitz mit der Hochschule Kooperationsverträge abgeschlossen.
Ab September 2022 wird das St. Carolus Krankenhaus in Görlitz neben auszubildenden Pflegefachkräften die ersten Bachelor-Studenten des neuen Studiengangs während ihrer praktischen Ausbildung im Haus begrüßen können.
Pflegedirektorin Katrin Raimann sieht den zusätzlichen wissenschaftlichen Anteil der Ausbildung als großen Vorteil, um neben aktuellen Aspekten der Krankenpflege auch betriebswirtschaftliches Denken in die Arbeit im Haus einfließen zulassen. „Ich erhoffe mir, dass durch die Akademisierung der Pflegefachkräfte Veränderungsprozesse besser umgesetzt werden können und dass diese Pflegekräfte auch Mitarbeiter im Team motivieren, die dann auch die Einsetzung und Umsetzung von Pflege- und Qualitätsstandards überprüfen und durchsetzen können.“