Seit Jahren schon wird die kommunale Arbeits- und Tourismusförderungsgesellschaft (Artour) in Rietschen vom Gemeinderat durchaus kritisch begleitet. In jüngster Zeit hatte es gleich mehrere Sitzungen des neugebildeten Aufsichtsrates – auf dessen Bildung hatte der Gemeinderat gedrängt – gegeben. Nunmehr hat der Rat den Geschäftsabschluss für das vergangene Jahre einstimmig bestätigt.

Minus im Geschäftsjahr 2018

Unter dem Strich steht für 2018 jedoch ein Minus. „Das hat zwei Ursachen“, erklärt Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos), der gleichzeitig Geschäftsführer der Gesellschaft ist. Einerseits nämlich hat die Artour in diesem Jahr die Tourismusinfo auf dem Erlichthof übernommen. Durch den Kauf des Inventars und des Anlagevermögens sind Kosten von rund 15 000 Euro angefallen.

Auf der anderen Seite wird bei den Reinigungsleistungen, die die Artour im Auftrag der Gemeinde durchführt, aus Sicht des Geschäftsführers zu wenig eingenommen. Eine Preiserhöhung hatte der Rat bereits abgelehnt. „Außerdem sind die Löhne in diesem Bereich gestiegen, und wir haben keine Reserven für Krankheitsfälle eingeplant“, argumentiert Ralf Brehmer. Folglich ist hier ein Minus von rund 20 000 Euro aufgelaufen.

Preise für Reinigungsleistung sollen steigen

„Aus meiner Sicht ist eine Preisanpassung notwendig“, sagt Brehmer während der jüngsten Ratssitzung. Für Torsten Lorenscheit (WiR), der auch im Aufsichtsrat sitzt, sind die Personalkosten „nicht ganz nachzuvollziehen“. Vielmehr habe das Aufsichtsgremium darauf gedrängt, dass der Jahresabschluss für 2018 noch in diesem Jahr beschlossen wird. „Denn wir sollten schon noch in diesem Jahr den Wirtschaftsplan für 2019 beschließen“, sagt Lorenscheit mit Blick auf den Kalender.

Leader-Antrag abgelehnt Kein EU-Geld für den Erlichthof

Rietschen

Brehmer wiederum argumentiert, dass es einen Kanzleiwechsel bei der Prüfung des Wirtschaftsplanes gegeben habe. Ferner sei der Wirtschaftsplan für das laufende Jahr im März 2019 dem Rat zur Kenntnis gegeben worden. „Da ist er aber nicht angenommen worden“, sagt der Bürgermeister. Aufgrund der Kommunalwahl und der Aussicht darauf, „dass er wohl keine Zustimmung erhalten hätte, haben wir keinen Sinn darin gesehen, diesen noch zeitiger zur Beschlussfassung vorzulegen“.

Mit einer Bilanzsumme von 213 000 Euro und einem Minus von rund 35 000 Euro ist der Jahresabschluss angenommen worden. Die Entlastung der Geschäftsführung allerdings quittierten insgesamt vier Räte mit Enthaltungen, während der Rest die Entlastung vornahm. „Es gibt einen Fehlbetrag in 2018, und der Rat bekommt das erst ein Jahr später gesagt“, begründet Torsten Lorenscheit seine Enthaltung. Für 2019 könne man keinesfalls so agieren, sagt er.

Schwierige Aufstellung des Wirtschaftsplans

Tatsächlich ist die Aufstellung des Wirtschaftsplanes für 2019 und 2020 nicht ganz so einfach gewesen. „Wir fahren nach jetzigem Stand ein Minus von rund 2700 Euro ein“, erklärt Ralf Brehmer. Das Problem sei, dass man die Abschreibungen aus dem Erlichthof (noch) nicht erwirtschaften könne. Maßgeblich, so Brehmer, werde das Geschäftsergebnis durch die Reinigungskosten beeinflusst. Allerdings sei die Aufrechterhaltung der Artour, vor allem für die Integration von Langzeitarbeitslosen wichtig, so Brehmer weiter.

2020 feiert der Erlichthof Geburtstag „Es sind alle Stübchen vermietet“

Rietschen

Für 2020 habe die Gesellschaft so kalkuliert, „dass die Preise angezogen werden“, sagt der Bürgermeister. Daraus resultiere ein Plus von rund 5600 Euro – die Abschreibungen erwirtschafte man damit jedoch immer noch nicht. „Wir werden ein Kontrollsystem einführen und bei negativen Entwicklungen sofort den Aufsichtsrat informieren“, verspricht Brehmer.

Darf die Artour Vereine unterstützen?

Tilmann Havenstein (CDU) erfragt, ob denn die Mitarbeiter der Artour auch Vereine in Rietschen unterstützen könnten, Arbeitskräfte etwa „vermietet“ werden könnten. „Das hängt von der Beschäftigungsart ab“, antwortet Brehmer. Denn Mitarbeiter mit einer Mehraufwandsentschädigung (MAE), die das Jobcenter und die Gemeinde finanziert, könnten nicht ausgeliehen werden.

Anschließend hat der Rat einen größeren Redebedarf, weshalb die Öffentlichkeit von der Entscheidungsfindung des Wirtschaftsplanes ausgeschlossen worden ist. Hintergrund, so stellte sich im Nachhinein heraus, sind Personalfragen und damit verbundene Kosten. Die sind bei geförderten Stellen während des Beschlusses angehoben worden. Im Kern soll damit die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft erhöht und die Unterstützung von Einrichtungen wie etwa dem Erlichthof erreicht werden. Welche Auswirkung dies auf das erwartete Endergebnis für 2020 hat, ist noch nicht klar.

ArTour Rietschen


Die ArTour ist 2012 aus der Wesda hervorgegangen, die Rietschen und Weißwasser gemeinsam betrieben. Während Weißwasser die Wesda abgewickelt hat, hat Rietschen die Artour gegründet. Im Jahr 2018 gab die ArTour 288 000 Euro aus und nahm 253 000 Euro ein. 2015 waren es Ausgaben von 380 000 Euro und Einnahmen 325 000 Euro.