Fleisch und Wurst aus Rietschen
: Warum den Produzenten aus Viereichen das Hoffest wichtig ist

Die Viereichener Fleisch- und Wurstwaren GmbH setzt auf regionale Kreisläufe. Das wollen sie beim Hoffest zeigen. Was dort geplant ist.
Von
Regina Weiß
Rietschen
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  • Henrik Brunsch im Stall der Viereichener Rindfleisch e.G. in Rietschen-Neuliebel. Beim Hoffest sind auch Rundgänge durch den Stall und die Fleischerei möglich.

    Henrik Brunsch im Stall der Viereichener Rindfleisch e.G. in Rietschen-Neuliebel. Beim Hoffest sind auch Rundgänge durch den Stall und die Fleischerei möglich.

    Regina Weiß
  • Roy Jochmann ist Fleischermeister und seit 2017 in der Viereichener Produktionsstätte beschäftigt. Er überprüft die Rinderkeulen in der Kühlkammer, die beim Hoffest in Neuliebel gegrillt werden.

    Roy Jochmann ist Fleischermeister und seit 2017 in der Viereichener Produktionsstätte beschäftigt. Er überprüft die Rinderkeulen in der Kühlkammer, die beim Hoffest in Neuliebel gegrillt werden.

    Regina Weiß
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Die Charolais-Bullen sind neugierig. Kein Wunder, die Stimme kennen sie nicht, die gerade durch den Stall klingt. Da kann man Silage ruhig mal Silage sein lassen und schaut, wer da kommt.

Geht es nach Henrik Brunsch, Geschäftsführer der Viereichener Fleisch- und Wurstwaren GmbH, sowie seinen Kollegen aus der Fleischproduktion und der Landwirtschaft, dann kann am Samstag, 30. September, ruhig viel Begängnis im Stall und auf dem Gelände des Betriebes in Neuliebel stattfinden. Die Rietschener Lebensmittelproduzenten laden seit langer Zeit wieder zu einem Hoffest ein. „Vor drei Jahren war unser letztes“, erinnert sich der Chef.

Viereichener wollen ihre handgemachten Produkte zeigen

Auch wenn der Handwerksbetrieb derzeit keine einfachen Zeiten erlebt, stemmt er den Aufwand für diesen Tag der offenen Tür ganz bewusst oder gerade jetzt, könnte man auch sagen. Denn die Viereichener sind stolz auf ihre Produkte und wollen das auch zeigen. Ihr Label „Qualität, die man schmeckt“ soll den Besuchern offensiv präsentiert werden.

Das geht auf zweierlei Wegen am besten. Geschmack geht durch den Magen. Deswegen sind die Rindfleischkeulen schon vorbereitet, damit sie am Samstag auf den Spieß wandern können. Und in der Woche vor dem Fest läuft die Bratwurstproduktion auf vollen Touren. Denn der Platz auf dem Grill darf schließlich nicht leer bleiben. Außerdem soll den Besuchern gezeigt werden, wie am Standort in Neuliebel produziert wird. Was man mit eigenen Augen sieht oder bei fachkundigen Führungen erfragen kann, das kann am besten überzeugen.

Die Neulandzertifizierung, die der Betrieb innehat, komme nicht von ungefähr. Das ist ein Tierwohllabel. Was dahinter steckt, das wollen die Landwirte und die Fleischer den Besuchern aus nah und fern gern zeigen.

Wobei man in Neuliebel nicht alles sehen wird. Aber das liegt nur daran, dass die Mutterkuhhaltung nach wie vor in Weißkeißel stattfindet. „Und dort stehen die Tiere ganzjährig auf der Weide“, weiß Henrik Brunsch. Seit 18 Jahren ist er im Unternehmen und über zehn Jahre schon Geschäftsführer.

Fleischerhandwerk kämpft mit mehreren Problemen

„Es geht darum, das Handwerk aufrechtzuerhalten.“ So wie Henrik Brunsch das sagt, klingt durch, wie schwer das gerade ist. Inflation und steigende Kosten – von den Gläsern bis zu Därmen – schlagen auf beiden Seiten zu. Die Kunden werden zum einen zurückhaltender beim Einkauf. „Wer früher zehn Würste mitgenommen hat, der nimmt heute vielleicht nur noch acht Würste mit“, nennt der Chef ein Beispiel. Auf der anderen Seite gibt es 100-prozentige Steigerungen in einzelnen Bereichen. Ganz zu schweigen von der Personalsituation und den Löhnen, die man zahlen müsste und zahlen kann. Da freuen sich die Viereichener, dass sie in diesem Jahr wieder einen Lehrling haben. „Einen aus der Region“, so Henrik Brunsch. Gerade ist er in der Berufsschule, um dort sein theoretisches Rüstzeug zu erlernen.

Acht bis zehn Personen sorgen am Standort der Fleischerei, dass die Produktion rund läuft. Das bedeutet, dass im Monat an die 20 Rinder geschlachtet und das Fleisch von 100 Schweinen verarbeitet wird. Die Rinder kommen aus der eigenen Haltung. Sie sind mindestens 20 Monate alt und bringen dann 450 Kilogramm auf die Waage. Ihr Fleisch sorgt nicht nur in Krauschwitz, Weißwasser und Boxberg für schmackhafte Rouladen oder einen leckeren Sauerbraten, sondern wird unter anderem auch in der Bundeshauptstadt vermarktet.

Auch für kleinere Tierhalter aus der Umgebung sind die Viereichener eine gute Anlaufstelle, was die Lohnschlachtung betrifft. Und wenn dann Jäger mal das Glück haben, dass ihnen ein Rot- und/oder Rehwild vor die Flinte läuft, dann sind die Viereichener auch dankbare Abnehmer. „Allerdings wird das deutlich weniger. Schwarzwild gibt es gar nicht mehr“, so Henrik Brunsch.

Wild, was jetzt hereinkomme, werde gebraucht, um die Wildsalami herzustellen, die gerade in der Weihnachtszeit gut gefragt ist. Die Lavendel-Salami, bei der man Teile der Ernte der Agrargenossenschaft See eG verarbeitet, ist mittlerweile ganzjährig im Angebot. Mit anderen Worten, sie hat auch im Kreis Görlitz ihre Fans gefunden.

Rund ums Hoffest

Das Hoffest der Viereichener findet am Samstag, 30. September, von 10 bis 16 Uhr auf dem Gelände an der Hammerstädter Allee 3 in Rietschen-Neuliebel statt.

Der Eintritt ist frei.

Parkplätze befinden sich gegenüber des Hofes auf dem Feld.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Auch an eine musikalische Unterhaltung ist gedacht.

Zudem werden Fleisch- und Wurstwaren aus der eigenen Produktion verkauft.

Kremser- und Traktorfahrten sind möglich.

Die Jüngsten werden ihr Gefallen beim Kinderschminken und der Strohhüpfburg finden.

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