Evangelische Kirche Weißwasser: Taufe 2023 – Open-Air-Gottesdienst und Tauf-Party im Jahnbad

Erstmals feiern die evangelischen Kirchengemeinden aus der Region Weißwasser am Strand des Jahnteiches ein Tauffest. Z Zu dem Open-Air-Gottesdienst und dem großen Fest, sind alle herzlich eingeladen.
Jürgen ScholzAm kommenden Sonntag ist es etwas anders im Jahnbad Weißwasser. Jubel, Trubel, Heiterkeit am Strand, im Wasser und auf der Wiese; in einem Bereich wird es aber auch einen kurzen Gottesdienst geben. Erstmals laden die evangelischen Kirchengemeinden Weißwasser, Schleife, Bad Muskau, Gablenz und Krauschwitz zu einem Tauffest ein. Am Sonntag, 25. Juni, soll es ab 10.30 Uhr losgehen - erst mit einem Segensgottesdienst mit Taufe und Tauferinnerung am Wasser, danach mit einem bunten Programm.
Die Gemeinden sind damit einer Anregung der Evangelischen Kirche in Deutschland gefolgt, rund um den Johannistag in die Öffentlichkeit zu gehen. Mit einem Tauffest an einem Gewässer oder einem Fluss soll auf die Taufe hingewiesen werden. Traditionell taufen beispielsweise landeskirchliche Gemeinden aus Spremberg und Umgebung durchaus auch in der Talsperre Spremberg, „für uns ist es etwas Neues, dass wir so damit rausgehen“, sagt der Weißwasseraner Pfarrer Lars Städter.
Zwei Erwachsene wollen sich im Jahnbad taufen lassen
Die Kirchengemeinden im ehemaligen Kirchenkreis Weißwasser verbinden mit dem Tauffest aber auch weitere Ziele. Sie wollen ihre schon bestehende enge Zusammenarbeit weiter festigen.
Für die rund 1200 Mitglieder zählende evangelische Kirchengemeinde in Weißwasser ist es auch gleichzeitig das Gemeindefest. Nur, dass in diesem Jahr auch die Aufmerksamkeit auf das Thema Taufe gelenkt wurde, in dem man beispielsweise Lebens- und Taufkurs angeboten habe, erläutert Städter. Sechs Erwachsene haben an sieben Terminen zwischen Ostern und Pfingsten teilgenommen. Zwei Erwachsene wollen sich auch bei dem Fest im Jahnbad taufen lassen. Auch aus Bad Muskau wird eine Erwachsene als Täufling erwartet.

Lars Städter ist Pfarrer in Weißwasser.
Matthias StephanAußerdem wurden laut Städter „in Weißwasser auch Familien angeschrieben, von denen wir wissen, dass sie nicht getauft sind“. Beispielsweise hätten während der Corona-Zeit viele Eltern gezögert, ihre Kinder taufen zu lassen. Eine Art Nachholeffekt hat der Pfarrer in Weißwasser beobachtet. Ein Gemeindebrief zum Thema habe schon dazu geführt, „dass wir dieses Jahr überdurchschnittlich Taufanmeldungen haben“, so Städter. Das Tauffest als „Event“ habe dies noch bestärkt.
Es gibt Nachholbedarf bei kleinen Kindern in Weißwasser
Überdurchschnittlich, das heißt, dass es in Weißwasser in der ersten Jahreshälfte bereits vier Taufen gab, für die zweite Jahreshälfte gibt es laut Städter bereits sechs Interessenten.
Dabei handelt es sich aber eher um Familien, die ihre Kinder taufen lassen wollen. Wegen Corona habe es seit 2020 nahezu einen Stillstand bei Kinder- und Familienangeboten in vielen Gemeinden gegeben. Erst seit 2022 ist auch das Gemeindeleben in den Kirchen wieder etwas intensiver geworden. Aber in Zahlen ausgedrückt heißt das: 2022 gab es eine Taufe bei 1200 Gemeindemitgliedern in Weißwasser.
Noch ein Angebot bei diesem Open Air-Gottesdienst
Aber es soll am Sonntag nicht ausschließlich ums Taufen gehen, sondern auch um das Angebot des Taufgedächtnisses. Das sei eine Möglichkeit für alle, sich am Ufer segnen zu lassen als Erinnerung an die eigene Taufe, erläutert Städter. „Ein Taufgedächtnis kann unheimlich stärkend sein“, findet der Pfarrer, dazu verbunden mit einer Segnung, „weil man sich einmal daran erinnert, welches Versprechen für das Leben mitgegeben wurde“.
Das Stärkende und das Positive werde noch einmal hervorgehoben. Normalerweise finde das in der Osternacht statt - „und alle, die da sind und getauft sind, machen dann mit“. Es sei aber keine Pflicht, so Städter. „Es ist mir wichtig, dass solche Angebote niederschwellig sind, dass man es behutsam macht.“ Die Freiwilligkeit sei eine Voraussetzung. Und einen Segen könne auch am Sonntag jeder erhalten – „ich weiß ja nicht von jedem, ob er getauft ist oder nicht„.
Das Taufwasser kommt aus dem Jahnteich
Als Taufwasser genommen wird übrigens Wasser aus dem Jahnteich. „Wir wissen aber noch nicht, ob wir am Ufer oder im Teich taufen“, so Städter auf Nachfrage. Eine Ganzkörpertaufe werde es aber voraussichtlich nicht. „In unserer kirchlichen Tradition ist es wichtig, dass es fließendes Wasser ist, das dreimal über den Kopf fließt, als Erinnerung an den Fluss Jordan. Ich glaube nicht, dass die Taufe wirksamer ist, wenn man sich mit dem ganzen Körper taufen lässt“, meint Städter. „Es ist ein Symbol – mit der Taufe beginnt ein neues Leben. Sie soll das Lebendige und das Neue symbolisieren; das Alte und Schlechte wird symbolisch abgewaschen.“
Nach „knackig-knappem“ Gottesdienst folgt ein kleines Fest
Er rechnet „mit ungefähr 150 Besucherinnen und Besuchern, abhängig vom Wetter“. Der Gottesdienst selbst werde „knackig-knapp, circa eine dreiviertel Stunde“, schätzt er. Danach gibt es um 11.30 Uhr ein Singspiel, das Carolin Jakob mit mehreren Kindern einstudiert hat, um 12.15 Uhr Mittagessen auch aus der Gulaschkanone, aber auch vegetarischen Gerichten und dem Angebot der Freibad-Betreiberin, einem Konzert mit der Band Krawitschko und anschließend einer Zaubershow. Natürlich wird auch gebadet.
Taufe 2023: Zuschauen ist erwünscht – Fragen stellen auch
Das Freibad ist regulär geöffnet, so Städter, der mit Pfarrerin Jadwika Mahling aus Schleife den Gottesdienst leiten wird, und darin überhaupt kein Problem sieht. Im Gegenteil, „Wir sind zu Himmelfahrt oder bei Dorffesten regelmäßig draußen. Es ist ja das schöne, dass es lebendiger zugeht. Das Trubelige.“ Der Gottesdienst sei schließlich eine öffentliche Veranstaltung. „Ich finde es schön, wenn wir nach draußen gehen, dass Posaunen spielen.“ Es seien alle eingeladen - auch, wenn sie einfach nur zuschauen wollen. Und wenn es Fragen gibt, werde die man gerne beantworten, so Städter.
Warum findet das Tauffest ausgerechnet am kommenden Sonntag statt?
● Das Datum des Tauffestes am 25. Juni hat durchaus einen tieferen Sinn.
● Bei dem 24. Juni handelt es sich um den (kirchlich festgelegten) Geburtstag von Johannes dem Täufer, der Jesus nach biblischer Darstellung im Jordan taufte.
● Damit wurde aber die Sommersonnenwende zwischen dem 22. und 24. Juni kirchlich geprägt und das Johannisfest quasi zum Gegenstück zum Weihnachtsfest (Geburt Jesu).
● Für die Landwirtschaft war die Sommersonnenwende von jeher ein wichtiger Tag, weil er Aufschluss und Orientierung gab über die anstehenden Erntearbeiten.
● Die Tage werden wieder kürzer, viele Pflanzen, stellen sich darauf ein, beispielsweise verlangsamt sich bei Bäumen das Wachstum und beginnt die Verholzung der jungen Triebe, damit sie den Winter besser überstehen.
● Zum traditionellen Brauchtum rund um Johanni gehören regional auch Johannisfeuer.
● Vielerorts werden inzwischen eher Feuer bei Sommersonnenwende- oder Mittsommerfesten gezündet, die sich teilweise auf skandinavische Traditionen berufen.
● In Casel bei Drebkau (Spree-Neiße) wird noch der Brauch des Johannisreitens gepflegt. In diesem Jahr fand das Johannisreiten bereits am 18. Juni statt.

