Erlichthof Rietschen
: Neue Wolfs-Ausstellung zeigt Streit um Lausitzer Raubtier

Die Rückkehr der Wölfe spaltet die Lausitz. Eine neue Ausstellung in Rietschen (Kreis Görlitz) beleuchtet die Debatte – und überrascht mit einem unerwarteten Gefahrenvergleich.
Von
Aline Nickel
Rietschen
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Verwechslungsgefahr: Links der mitteleuropäische Grauwolf als Vorzeigeexemplar in der neuen Wolfsausstellung im Erlichthof Rietschen und rechts das „Maskottchen“ der Wolfsscheune – der tschechoslowakische Wolfshund von Umweltpädagogin Carolin Stern Namens Aron.

Verwechslungsgefahr: Links der mitteleuropäische Grauwolf als Vorzeigeexemplar in der neuen Wolfsausstellung im Erlichthof Rietschen und rechts das „Maskottchen“ der Wolfsscheune – der tschechoslowakische Wolfshund von Umweltpädagogin Carolin Stern Namens Aron, der möglicherweise auch am 17. Oktober anzutreffen sein wird.

Aline Nickel
  • Neue Wolfsausstellung in Rietschen zeigt Positionen und Fakten zum Zusammenleben mit Wölfen.
  • Eröffnung am 17. Oktober 2026 – der Eintritt ist frei, Ort: Erlichthof Rietschen.
  • Inhalte: Biologie, Rudelleben, Nachweise, Mythen, Perspektiven und interaktive Angebote.
  • Virtueller Rundgang ist geplant, zusätzliche Infos per QR-Codes im Außenbereich.
  • Rechtslage: Wolf seit dem 2. April 2026 jagdbar, bleibt geschützt; Sachsen ermöglicht Management.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Wolf sorgt in der Lausitz für kontroverse Diskussionen. Wolfsrisse gehören längst zur Realität. Während Naturschützer seine Rückkehr als Erfolg für die Artenvielfalt betrachten, sehen Weidetierhalter die wachsende Wolfspopulation und die Gefahr von Nutztierrissen mit Sorge. Auch über den richtigen Umgang mit dem Raubtier wird politisch gestritten.

Die Rechtslage hat sich zuletzt verändert: Seit dem 2. April 2026 ist der Wolf in Deutschland im Bundesjagdgesetz als jagdbare Tierart aufgeführt. Das bedeutet allerdings keine uneingeschränkte Jagdfreigabe.

Der Wolf bleibt eine geschützte Art, und mögliche Entnahmen unterliegen gesetzlichen Voraussetzungen. In Sachsen beschloss der Landtag am 16. September Änderungen des Jagd- und Naturschutzrechts, um ein aktives Wolfsmanagement zu ermöglichen.

Nagelneue Wolfs-Ausstellung auf dem Erlichthof Rietschen

Wie unterschiedlich Menschen auf den Wolf blicken, ist auch in der neugestalteten Ausstellung in der Wolfsscheune auf dem Erlichthof in Rietschen ein zentrales Thema. Die Wolfsscheune ist zugleich Sitz der Umweltbildungsstelle Wolf des Landkreises Görlitz, die als zentrale Einrichtung für die Umweltbildung zum Thema Wolf in Sachsen unter anderem Veranstaltungen, Exkursionen und Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene organisiert.

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Mit der vollständig überarbeiteten Ausstellung soll dieser Bildungsauftrag nun auf moderne und interaktive Weise fortgeführt werden. Statt ausschließlich Wissen über Biologie und Lebensweise des Tieres zu vermitteln, stellt die Ausstellung auch unterschiedliche Sichtweisen gegenüber und regt zum Nachdenken und Diskutieren an.

„Das oberste Gebot war, eine neutrale Position zu wahren“, erklärt Umweltpädagogin Carolin Stern, die gemeinsam mit Peter Wilde, Leiter des Kreisforstamtes, maßgeblich an der Gestaltung und Umsetzung beteiligt waren. Die Inhalte seien deshalb „durch viele Hände“ gegangen. Unterstützt wurde das Team von der Dresdner Firma Natur und Bildung.

Anfang 2026 begann die konzeptionelle Arbeit, bevor die Inhalte über ein Dreivierteljahr hinweg ausgearbeitet und abgestimmt wurden. Die Förderung durch Mittel aus der Förderrichtlinie Natürliches Erbe, ermöglichte es, den Raum neu zu strukturieren und die Ausstellung grundlegend anders aufzubauen.

Wolf-Wissen zum Anfassen in Rietschen

Besucher können sich in Eigenregie durch die Ausstellung bewegen und verschiedene Themenbereiche entdecken. Dazu gehören die Verbreitung der Wölfe, das Leben im Rudel, ihre Kommunikation und die wissenschaftliche Beobachtung der Tiere. Eine Station zeigt beispielsweise, wie sich Wölfe anhand von Spuren, Losungen, Sichtungen oder Aufnahmen von Wildkameras nachweisen lassen. Andere Ausstellungselemente greifen verbreitete Mythen und unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven auf.

Auch interaktive Anwendungen machen den Rundgang spannender. Im Außenbereich der Wolfsscheune können Besucher über QR-Codes zusätzliche Inhalte auf dem Smartphone abrufen, etwa zu Beutetieren und deren Verhalten. Bei einer Vorrichtung sieht man die Welt mit den Augen eines Wolfes. Auch austauschbare Elemente gehören dazu, wie ein digitaler Bilderrahmen, der mit aktuellen Aufnahmen aus Wildkameras bespielt werden kann. Bei Fragen können sich Besucher weiterhin an das Team der Wolfsscheune wenden.

Online-Rundgang durch die Wolfsscheune für Touristen

Die Ausstellung soll künftig nicht nur vor Ort erlebbar sein. Nach der Eröffnung ist ein virtueller Rundgang geplant, der über die Internetseiten des Landkreises Görlitz und des Erlichthofs erreichbar sein soll. Interessierte können damit bereits vor einem Besuch einen Eindruck gewinnen und sich interaktiv mit ausgewählten Ausstellungsinhalten beschäftigen.

Die komplett neue Ausstellung zum Wolf in der Wolfsscheune auf dem Erlichthof Rietschen vermittelt mit interaktiven Elementen und neuen Inhalten Wissenswertes über das Wildtier und sein Leben in der Lausitz. Am 17. Oktober zum Lausitzer Wolfstag wird sie eröffnet.

Die komplett neue Ausstellung zum Wolf in der Wolfsscheune auf dem Erlichthof Rietschen vermittelt mit interaktiven Elementen und neuen Inhalten Wissenswertes über das Wildtier und sein Leben in der Lausitz. Am 17. Oktober zum Lausitzer Wolfstag wird sie eröffnet.

Aline Nickel

Dass die Debatte über den Wolf häufig von Ängsten geprägt ist, weiß auch Carolin Stern. Sie verweist darauf, dass die tatsächlichen Risiken im Alltag mitunter anders verteilt seien als subjektiv wahrgenommen. „Zecken sind wissenschaftlich betrachtet viel gefährlicher“, sagt sie.

„Zecken sind wissenschaftlich betrachtet viel gefährlicher.“
Carolin Stern
Umweltpädagogin und Mitarbeiterin der Umweltbildungsstelle Wolf

Die neue Ausstellung will weder für noch gegen den Wolf werben. Sie soll Wissen vermitteln und Zusammenhänge erklären. Die Öffnungszeiten der Ausstellung orientieren sich am Erlichthof: Regulär ist sie von Mittwoch bis Sonntag geöffnet, während der Ferien zusätzlich dienstags.

Lausitzer Wolfstag in Rietschen

Das Programm im Überblick (Voranmeldungen für Exkursionen und Vorträge sind nicht nötig):

10 Uhr: Eröffnung des Wolfstags und der Ausstellung in der Wolfsscheune
10.30 Uhr: Wissenschafts-Theater Wolf mit „Fräulein Brehms Tierleben“
11 Uhr: Familienexkursion ins Wolfsgebiet
11 Uhr: Vortrag „Making of … hinter den Filmkulissen von ‚Wölfe und Menschen – Wege zur Koexistenz‘“ mit Wildbiologe und Naturfilmer Sebastian Koerner
11.45 Uhr: Vortrag „Wissenschaftliche Begleitung der Wölfe in Sachsen und Deutschland“ mit Ilka Reinhardt vom LUPUS-Institut
13 Uhr: Podiumsdiskussion
14 Uhr: Offenes Alpakagehege
14.30 Uhr: Vortrag „Rechtliche Grundlagen zum geänderten Schutzstatus des Wolfes“ mit Patrick Irmer von der Fachstelle Wolf
15.30 Uhr: Erwachsenenexkursion ins Wolfsgebiet

Termin und Ort: Samstag, 17. Oktober 2026, von 10 bis etwa 17 Uhr, Erlichthof Rietschen, Turnerweg 6, 02956 Rietschen. Der Eintritt ist frei.

Neben dem Bühnen- und Vortragsprogramm informieren verschiedene Stände über die Biologie des Wolfes, Herdenschutz, Jagd und Bildungsangebote. Kinder können sich auf Spiel- und Bastelangebote freuen. Für das leibliche Wohl sorgen regionale Anbieter, darunter das Forsthaus- und Scheunencafé der Familie Jagiela sowie das Café Time Out Moments. Ein Höhepunkt ist die Podiumsdiskussion, bei der Vertreter aus Landwirtschaft, Artenschutz, Jagd und Tierschutz unterschiedliche Perspektiven auf das Zusammenleben von Mensch und Wolf beleuchten.