Wenn Weißwassers Traditionsclub zum Geburtstag lädt, lassen sich Eishockey-Fans aus nah und fern nicht lange bitten. Klar, die jüngsten sind gekommen, um Autogramme von Roope Mäkitalo, Clarke Breitkreuz und Co zu holen, die Eltern wohl auch deshalb, um von Frank Peschke, „Anna“ Gebauer oder Thomas Bresagk eine Unterschrift abzuholen. Überhaupt ist beim 90. Geburtstag vom Eishockey-Standort Weißwasser das „Who-Is-Who“ vom Eishockey am Fuchsbau.

Weißwasser

„Ich kann mich nur bei allen bedanken, die das hier auf die Beine gestellt haben“, sagt Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach, der sich im Laufe des Tages selbst noch die Schlittschuhe anzieht. Beim „Spiel der Legenden“ läuft er neben „Otto“ Hanusch, Thomas Götz oder Mirko Lüdemann auf. Mit 1197 Erstliga-Spielen hält er bis heute den deutschen Rekord. „Wenn man 23 Jahre spielt, kann da schon was zusammen kommen“, sagt er mit einem Grinsen.

Weißwasser hat bis heute Profi-Eishockey

Die Verbindung zu seiner Heimatstadt Weißwasser ist trotz seines Weggangs 1991 nach Kanada und seiner späteren Zeit bei den Kölner Haien nie abgerissen. „Ich bin mindestens zweimal im Jahr hier und habe immer verfolgt, wo sie gerade stehen“, erzählt er. Wie für alle Weißwasseraner ist schließlich die Zeit nach der Wende eine schwierige gewesen. Darüber etwa kann sowohl Roland Herzig, der in der ersten Bundesliga-Saison von Weißwasser hinter der Bande coachte, als auch Ralf Hantschke berichten.
10.09.2022, Weisswasser, Lausitzer Fuechse - Saisoneroeffnung

Reiner Tudyka, Roland Herzig und Rainer Mann (alle Weisswasser)
10.09.2022, Weisswasser, Lausitzer Fuechse - Saisoneroeffnung Reiner Tudyka, Roland Herzig und Rainer Mann (alle Weisswasser)
© Foto: Thomas Heide
„Ich denke, es war für alle Ostklubs, nicht nur im Eishockey, schwierig“, so Herzig. Einerseits habe es immer wirtschaftliche Probleme gegeben, sind Spieler aus Weißwasser in die weite Welt hinausgegangen. „Da sollte keiner böse sein, denn schließlich haben sich für uns einfach Optionen aufgemacht, die man nutzen musste“, erinnert sich Ralf Hantschke.
Andererseits „ist es mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen hoch anzurechnen, dass in Weißwasser immer noch Profi-Eishockey gespielt wird“, gibt Roland Herzig zu verstehen. Das erkennt auch Joachim Ziesche an, der mit Dynamo Berlin zum ewigen Kontrahenten von Weißwasser wurde – und übrigens in Dresden geboren ist. „Mit dem Wilhelm-Pieck-Stadion verbinde ich unvergessliche Erlebnisse“, sagt er. Da sind nicht nur die Meisterschaftsspiele in der kleinsten Liga der Welt, sondern eben auch ein 3:3 gegen die Sowjetunion mit der Nationalmannschaft 1965, „was ich nie vergessen werde“.

Eishockey-Standort soll erweitert werden

Dass in Weißwasser die Eishockey-Geschichte weitergeschrieben werden soll, daran arbeitet nicht nur Dirk Rohrbach mit seinem Team, sondern inzwischen auch die Stadtverwaltung. Auch der neue Landrat Stephan Meyer (CDU) sagt, „dass wir zusammen an dem Projekt arbeiten werden“. Die Rede ist von der internationalen Sportakademie, die Weißwasser unbedingt haben will. „Warum soll nicht auch von Weißwasser eine Strahlkraft ausgehen?“, fragt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) mit Blick auf den Strukturwandel. Bislang, so Pötzsch, werde mit Großprojekten in Görlitz, Cottbus oder Bautzen von der „großen Politik immer erklärt, dass die Vorhaben bis zu uns ausstrahlen und eine Wirkung entfalten“. Es müsse darum gehen, die Rahmenbedingungen in der Stadt für Sport und Bildung nachhaltig zu verbessern, sind sich alle einig.
„Ich weiß, dass wir die Stadt und den Verein nicht nur moralisch unterstützen müssen, sondern auch Planungs- und Verwaltungsarbeit beisteuern müssen“, bekräftigt Stephan Meyer. Er wolle als Landkreis gegenüber Dresden das vertreten, was auch die Stadt will: Eine Sportakademie als Landesprojekt. „Für uns wird es in den kommenden Monaten darum gehen, eine Betreibergesellschaft für die Neubauten zu gründen“, sagt Dirk Rohrbach. Karsten Günther, Sprecher vom Team-Sport Sachsen, der alle sächsischen Profi-Vereine vertritt, meint, „dass in Leipzig ein Stadion ohne Klub stand, und man jetzt in der Champions League spielt. Das bedeutet, wenn man will, schafft man das.“
10.09.2022, Weisswasser, Lausitzer Fuechse - Saisoneroeffnung

Ralf Hantschke (Weisswasser),  Torsten Eisebitt (Weisswasser), Ronny Reddo (Weisswasser)
10.09.2022, Weisswasser, Lausitzer Fuechse - Saisoneroeffnung Ralf Hantschke (Weisswasser), Torsten Eisebitt (Weisswasser), Ronny Reddo (Weisswasser)
© Foto: Thomas Heide
Und dass die „Legenden“ am Ende den Rivalen um André Rankel, Sven Felski oder Jens Baxmann aus Berlin mit 12:10 bezwangen, ist bei der Füchse-Fete am Wochenende fast schon zur Nebensache geworden. Und über die 0:15 Pleite der Jungfüchse gegen die Eisbären ist am Samstagabend Stillschweigen vereinbart worden.