Dass am 25. April an der Görlitzer Straße in Weißwasser eine Menschentraube vor dem Volkshaus gestanden hat, kommt nicht von ungefähr. Vor einem Jahr haben hier Weißwasseraner mit ansehen müssen, wie das Volkshaus in Vollbrand gestanden hat. „Es war einer der schwärzesten Tage der Stadtgeschichte“, sagt Olaf Schober von der Interessensgemeinschaft Freunde des Volkshauses (IG).
Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, dem Geopark Muskauer Faltenbogen sowie dem Verein „Denkmal mit Leben“ ist jedoch auch ein Zeichen gesetzt worden: Eine neue Tafel – inzwischen gibt es zehn in Weißwasser – fasst die Geschichte des Hauses zusammen und geht auf den Architekten Emil Lange ein, der Syndikus am Bauhaus in Weimar gewesen war.
„Ich danke dabei besonders Petra Greiner von der Interessengemeinschaft, die sich mit der Geschichte des Volkshauses beschäftigt hat“, erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) bei der Einweihung der Tafel und fügt hinzu: „Bei dem ganzen Material hätten locker auch fünf Tafeln aufgestellt werden können.“
Blütenkönigin Antonia Jahnke, die noch vor dem Brand ein Videoprojekt im Volkshaus durchgeführt hat und inzwischen Mitglied der IG ist, wünscht sich, „dass wir nicht nur von Geschichten des Volkshauses hören und diese lebendig halten, sondern heute geht es darum zu erzählen, was wir noch alles dort erleben könnten.“
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Weißwasser

Stadt Weißwasser bleibt bei Klage gegen Versicherung

Tatsächlich deutet Bauamtsleiterin Dorit Baumeister an, „dass wir den Brand, so tragisch das auch ist, als letzte Chance nutzen wollen, dem für Weißwasser so wichtigen Gebäude wieder Leben einzuhauchen“. Im September, so der Plan der Stadtverwaltung, will man einen Förderantrag für den Wiederaufbau einreichen. Dazu muss die Stadt allerdings in das Efre-Förderprogramm der EU aufgenommen werden. Aktuell wird deshalb ein Handlungskonzept erarbeitet.
Fakt ist aber auch, dass sich die Rechtsanwälte der Stadt und ihrer Versicherung keine außergerichtliche Einigung herbeiführen konnten. Insofern wird nun eine gerichtliche Auseinandersetzung geführt, an dessen Ende die Stadt Versicherungsgelder für den Brandschaden erhalten will. „Wir wollen darauf einfach nicht verzichten“, betont die Bauamtsleiterin. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass nicht sicher ist, ob die Stadt einen Schadensersatz in Höhe von 3,6 Millionen Euro tatsächlich erstreiten kann.
Vorerst gehe es der Stadt darum, das Volkshaus bekannter zu machen. Dazu „haben wir es beim Projekt Topomomo mit aufgenommen“, erklärt Dorit Baumeister. Topomomo, was für „Typografie des modernen Bauens“ steht, fasst unterschiedlichen Ausprägungen moderner Baukultur in Europa zusammen.