Von Regina Weiß

Planer Thomas Bauer hat seinen Arbeitstag mit einer ungeplanten Sprinteinlage begonnen. Als er kurz nach 8 Uhr auf der Baustelle Rakotzensemble im Kromlauer Park eingetroffen ist, traut er seinen Augen kaum. Das Traggerüst für die Rakotzbrücke, das den Bogen fast gänzlich ausfüllen wird, steht schon fast an seinem Platz. Wenig später ist alles im Kasten, besser gesagt im Bogen. Gerade noch rechtzeitig für ein paar Bilder für die Ewigkeit.

Eine Sache von wenigen Zentimetern

„Dabei haben wir gedacht, es ist eine Sache von Stunden“, so Thomas Bauer von der Bauer Lauterbach GmbH aus Dresden. Doch mit Hilfe eines Baggers war es genau eine Sache von elf Minuten. Nun hat die weltberühmte Rakotzbrücke einen Unterbau, ein Traggerüst, damit die Sanierung am Bauwerk selbst beginnen kann. Dafür wird das Gerüst justiert, sodass am Ende zum Steinbogen nur noch fünf Zentimeter Platz bleiben.

Für die Enkelkinder

Die Fachleute von Hentschke Bau aus Bautzen und die Gerüstbauer wissen, dass es sich in Kromlau um eine Baustelle handelt, von denen man durchaus den Enkelkindern noch berichten kann. Eben etwas ganz Besonderes und Einmaliges. „Bei dem wir uns manches Mal im Grenzbereich bewegen“, schätzt Fachmann Bauer aber auch ein. Das Rakotzensemble im Kromlauer Park ist einzigartig.

Warten auf Stellungnahme

Nicht von ungefähr ist die Sanierung nicht einfach mal so zu machen. Sie bedarf vieler Untersuchungen, Berechnungen, Fachrunden, Tests und Absprachen. Derzeit wartet Thomas Bauer auf die Stellungnahme des Denkmalschutzes, um die Ausschreibung für die eigentlichen Sanierungsarbeiten an der Rakotzbrücke beginnen zu können. Die Ausschreibung wird insgesamt in vier Losen erfolgen. Bei zwei davon, so ist die Hoffnung aller Beteiligten, sollen noch in diesem Jahr die Arbeiten starten. Vorausgesetzt, Petrus spielt mit.

Zahn der Zeit

Dabei geht es unter anderem um die Sanierung der Brückenkammern. Vier Stück gibt es insgesamt. Ihnen haben Zeit und Witterung in Form von Rissen mitgespielt. Die Kammern sind aber besonders wichtig, weil sie die Widerlagen halten. Ebenfalls für 2019 steht die Basaltverkleidung im Plan. Der Bogen selbst soll dann im nächsten Jahr folgen. Hierfür werde man sich noch mit einer Geologieexpertin ins Benehmen setzen. Bereits vorher sind vier verschiedene Sanierungsvarianten an „Probebrücken“ getestet worden.

Fachleute gefragt

Großes Ziel für Thomas Bauer und den Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) ist das Jahresende 2020. „Heute ist aber schon mal ein sehr guter Tag. Schließlich hat alles geklappt“, lobt Thomas Bauer das Zwischenergebnis. Lange Zeit zum Innehalten bleibt nicht. Bereits am Freitag steht ein Fachgespräch an, was die Stelengruppe – die Orgel im Rakotzsee – betrifft. Dort ist nicht nur das Fundament gesichert und sind die einzelnen Säulen mit Wasserdruck gereinigt worden, sondern werden auch weitere Anker gesetzt, um dem Bauwerk für die Zukunft Halt zu geben.

Ein Fingerzeig aus Stein

Diskutiert werden soll nun, ob die Nadel eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um eine rund sechs Meter lange Basaltstele, ähnlich eines Fingerzeigs, an der Spitze der Gruppe. Voraussichtlich nach dem Ersten Weltkrieg gab es den „Zeigefinger“ noch. Auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1926 war die Nadel weg. „Wir wollen das historische Ensemble wieder entstehen lassen“, nennt Dietmar Noack seine Intention und die des Gemeinderates. Für ihn gehört die Nadel eindeutig mit dazu. Nun müssen die Fachleute ran.

Wie beim Zahnarzt

Der Wiederaufbau der Grotte wird ab November starten, kündigt Thomas Bauer an. In den zurückliegenden Wochen wurde sozusagen am Unterbau gearbeitet. Der Planer vergleicht das mit dem Besuch beim Zahnarzt und dem Einbringen eines Stiftzahns. Die schmucke Krone nutzt nichts, wenn das Ganze im Kiefer nicht hält. Dafür sind für die Grotte 30 Pfähle metertief eingebohrt worden. Sie sollen die Kraft aus dem Gewicht der Steine verteilen. „Sie tragen das“, ist sich Thomas Bauer sicher.

Die kalkulierten Gesamtkosten liegen nach Angabe der Gemeinde bei rund 3,8 Millionen Euro. Sie werden vom Land und Bund gefördert.

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