Von Regina Weiß

Es regnet – das ist die schlechte Nachricht. Es regnet – das ist die gute Nachricht. Eigentlich hatte die FHG Floating House GmbH aus Berlin die Eröffnung ihres Musterhauses am Bärwalder See bei strahlendem Sonnenschein feiern wollen. „Aber ohne Wasser von oben, haben wir kein Wasser von unten“, macht Eckbert Fläming von der Projektentwicklung das Beste aus der Situation. Außerdem können die neugierigen Besucher so gleich mal selbst testen, ob die Häuser ganzjahrestauglich sind.

Hausboot am Bärwalder See: Kamin und Couch mit Seeblick

Wohlig warm empfängt das Wohnzimmer die erste Besuchergruppe. Der Kamin ist an. Wer will, könnte auf der Couch Platz nehmen und den Blick nach draußen richten. „Gestern Abend war das hier Idylle pur. Ein schöner Sonnenuntergang und später das beleuchtete Kraftwerk. Wirklich ein tolles Bild“, kommt Ulf Sybel, Geschäftsführer der Berliner Firma, ins Schwärmen. Durch den Regen liegen am vergangenen Samstag Industrie und See unter einer grau-blauen Decke. Eine zum Kuscheln liegt im Korb neben dem Sofa. Der leichte Wellenschlag des Bärwalder Sees ist zu merken. Das bringt einen runter. Jetzt könnte man glatt in den Urlaubsmodus umschalten...

Hoffen auf eine Erfolgsgeschichte am Bärwalder See

Dass das möglichst viele Gäste künftig in den schwimmenden Häusern tun werden, drauf hoffen nicht nur die Berliner, sondern auch die Gemeinde Boxberg, der Landkreis Görlitz, der Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen. „Wir hoffen auf eine Erfolgsgeschichte“, sagt Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU). „Hier entsteht eine weitere Attraktion“, ist sich Heike Zettwitz, Dezernentin des Landkreises, ganz sicher. Schließlich ist das schwimmende Haus am Bärwalder See das erste im Kreis Görlitz. Mit Gemeinde- und Kreisverwaltung sei es eine gute Zusammenarbeit gewesen, findet Ulf Sybel. „Hier wird nicht nur gequatscht. Hier wird gemacht.“ Nicht mal ein Jahr habe es gebraucht, um alles vorzubereiten. Der Anstoß sei von einem Interessenten aus Weißwasser gekommen. Dieser fragt an, ob nicht auch ein schwimmendes Haus am Bärwalder See denkbar ist.

Häuser auf dem Bärwalder See als Feriendomizil gefragt

Schon am Donnerstag kommt das zweite Haus. Allerdings werde es ein paar Tage an Land liegen, bis es ins Wasser gehoben wird. Parallel dazu wird an den Vorbereitungen für die Steganlage gearbeitet, an denen die 23 schwimmenden Häuser plus zwei Hausboote einmal andocken sollen. Das Baugrundachten liegt bereits vor.

Ulf Sybel gibt zu, gelacht zu haben, als Klittens Hafenmeister Gerhard Stübner ihm erklärte, welchen Zulauf es Ostern am See geben werde. Nun ist er klüger und die Firma um 5000 Flyer „ärmer“. Die sind nicht etwa im Papierkorb gelandet, wie Mitarbeiterin Kerstin Jordan berichten kann. Damit dürfte die Rechnung fürs erste aufgegangen sein. 1000 Interessenten brauche man für ein Haus. Vier sind bereits reserviert, zwei verkauft. Aus Erfahrungen an anderen Standorten auch im Seenland weiß man, dass die Häuser als Feriendomizil gefragt sind. Übernachtungen von 160 bis 220 je Haus und pro Jahr würden eindeutig dafür sprechen. „Schließlich sitzen sie ja bei uns vor der ersten Reihe“, sagt Ulf Sybel mit einem Lachen.

Achillesferse Gastronomie am Bärwalder See

Damit das Gesamtpaket für die Urlauber stimmt, sind auch am Bärwalder See noch Anstrengungen zu unternehmen. Noch immer ist die Feststellung für die Schiffbarkeit auf dem See noch nicht abschließend geklärt. Hinzu kommt die Achillesferse Gastronomie. Die Gemeinde Boxberg will erschlossene Flächen am Klittener Ufer voraussichtlich im August zur Ausschreibung bringen. Ob sich Käufer mit dem entsprechenden Portfolio finden werden, bleibt abzuwarten. „Bis jetzt haben sie nur ganz leise an unsere Türen geklopft“, sagt Achim Junker auf RUNDSCHAU-Nachfrage.