1986 war es, als Maler den Auftrag erhalten haben, die schmutzigen weißen Stellen im Inneren der Daubitzer Kirche zu entfernen. Die Handwerker machten mehr, als eigentlich vereinbart war. Sie meinten es einfach zu gut. Und schon war das Malheur passiert. Die ursprüngliche Farbe des Chorraums, die bei der Kircheneinweihung von 1916 vorhanden war, wurde „verschönert“.

Nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen

Doch wie hatte die ursprüngliche Gestaltung denn ausgesehen? Zwar gab es alte Fotos, wie Erich Schulze vom Gemeindekirchenrat berichten konnte. Doch das waren eben nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Farbfotos waren dagegen Fehlanzeige. Kein Wunder, weiß Lothar Bienst, Vorsitzender des Fördervereins, aus eigenen Erfahrung zu berichten. Bei Hochzeiten oder Konfirmationen wurde immer in den Kirchenraum, aber nie in den Chorraum hinein fotografiert.

Was blieb, war ein Entwurf von Professor Joseph Langner, der zur Entstehungszeit des heutigen Kirchenbaus vor über 100 Jahren für die Bemalung verantwortlich war, und das fachmännischen Geschick von Maler und Restaurator Erik Hamann aus Königshain. Er hat Befunduntersuchungen durchgeführt und hat Reste alter Farben gefunden. Hinzu kam das Freilegen einer alten Heizungsnische, wo sich ebenfalls Farbreste und Muster zeigten. Darauf verweist Architekt Steffen Radisch aus Niesky.

Neue Sterne strahlen

Mittlerweile ist es so, dass die Decke mit den neuen alten Sternen wieder erstrahlt. Erich Schule, Lothar Bienst und auch Steffen Radisch zeigen sich begeistert. „Das hat auch etwas mit Herzblut zu tun“, geht ein Lob in Richtungen Erik Hamann. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter hat er seit Ende September im Chorraum gearbeitet. Dieser ist mit einer großen Folie vom restlichen Kirchenschiff geschützt. „Auch damit uns der Maler nicht erfriert“, scherzt Bienst. Die Folie soll nun am dritten Advent, 15. Dezember, gelüftet werden. Die Gäste der traditionellen Weihnachtsmusik werden dann erstmals den neue gestalteten Chorraum zu Gesicht bekommen. Wobei klar ist, dass Restarbeiten noch über das Datum hinaus Zeit brauchen.

Idee aus dem Mittelalter

Die Wände im Chorraum sind übrigens der Gestaltung von Kirchen im Mittelalter nachempfunden. Die Bemalung sollen Stoffumhänge und Paramenten symbolisieren. Alles entsteht in Handarbeit. Die Ornamentenketten werden sozusagen auf die Wand gepauscht. Man muss schon genau hinsehen, um die kleinen schwarzen Linien zu sehen. Diese zeigen an, wo der Maler seinen Pinsel führen muss.

Arbeit gibt es für Erik Hamann auch im Kirchenschiff. Denn die Restaurierung 3.1 in Daubitz geht weiter. Nach Abschluss der Arbeiten im Chorraum sind dann der Altar, die Kanzel, die Empore und das Epitaph an der Reihe. Letzteres ist ziemlich wertvoll, wurde den Daubitzern bescheinigt. Deshalb werde es künftig geschützt auf der Empore verwahrt.

Weg wird gepflastert

Gut 240 000 Euro kosten die Arbeiten im Innenbereich. Wobei auch außen noch ein kleiner, aber wichtiger Beitrag geleistet wird. Zwar war die Daubitzer Kirche 2016/2017 in ihrer äußeren Hülle umfangreich saniert worden – neues Dach, Wetterfahne, Tonne, Fassade, Fenster und Türen – doch der Weg zur Kirche ist zu sandig und uneben. Gerade älteren Kirchenbesuchern fällt dieser schwer, noch dazu mit Rollator. Eine Granitpflasterung soll Abhilfe schaffen.

Seite Dezember 2017 laufen die Gespräche für die Sanierung des dritten Abschnitts (nach Orgel und Außenhaut). Auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Gefördert wird das Vorhaben durch PMO-Mittel (Parteien und Massenorganisationen), den Kirchenkreis und Mittel, die über den Förderverein fließen.

Abwechslungsreiches Programm beim Konzert


Prof. Joseph Langer aus Breslau entwarf künstlerische Dekorationen und Kunstglasfenster, malte Fresken und restaurierte die Malereien in zahlreichen Kirchen. Westlich der Neiße sind es die von 1914 bis 1916 neugebauten evangelischen Kirchen in Daubitz und Rietschen. Auf sein Konto geht aber auch die Restaurierung der Aula Leopoldina im Breslauer Universitätsgebäude.

Unter dem Motto „Nun singet und seid froh“ lädt der Förderverein St. Georgskirche zu Daubitz am 15. Dezember um 14.30 Uhr ein. Dazu haben sich der Kirchenchor der Kirchengemeinden Daubitz und Rietschen, die Schlesischen Schwälbchenz und der Posaunenchor auf ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet.

An diesem Tag wollen die Kirchengemeinden Daubitz und Rietschen ihre neue Kantorin Julia Reinhold offiziell herzlich willkommen heißen