Wer am Mittwoch, 11. August, wegen Duschbad und Toilettenpapier zu Rossmann fährt oder Tomaten und Bier im diska holt, der staunt vielleicht nicht schlecht: Mitten auf der Saschowawiese in Weißwasser steht ein roter Impfbus. Der Landesverband Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes hat drei solcher Busse im Einsatz. Schon vor Monaten sind die Fahrzeuge angeschafft und umgebaut worden. Jetzt fahren sie vom Vogtland bis in die Oberlausitz übers Land, um die Menschen fast vor der Haustür abzuholen. Denn jede Impfung zählt, sind sich die Verantwortlichen vor Ort sicher.

Impfbus steht mitten in Weißwasser

Von 10 bis 16 Uhr steht am Mittwoch der Impfbus auf der Saschowawiese, um den Menschen ohne Anmeldung eine Impfung anzubieten. Schon vor der „Eröffnung“ ist Antje Scherr mit ihrer Tochter vor Ort. Sie hat beim DRK angerufen und so von dem Termin erfahren. Sie erzählt der Rundschau, dass sie schon eine Weile mit sich gerungen hat, ob sie sich impfen lässt oder nicht. Doch die Schwester samt Familie haben es ihr vorgemacht. „Klar habe ich ein bisschen Angst, doch die Gesundheit geht vor“, unterstreicht die Weißwasseranerin.
Den Piks wird ihr Medizinerin Dr. Monika Höfs verabreichen. Sie ist einem Aufruf der Kassenärztlichen Vereinigung gefolgt, die Ärzte für die Impfaktion gesucht hat. „Renter haben ja schließlich Zeit“, lacht sie. Ein- bis zweimal in der Woche ist sie nun seitdem im Einsatz, unter anderem im Impfzentrum in Löbau. „Anfangs war es ja schwierig, dort einen Termin zu bekommen und die Menschen waren sehr froh, wenn es endlich geklappt hat. Sie wollen schließlich weiterhin am Leben teilhaben.“ Dass nun der Bus vorfährt, findet die Ärztin gut. „Die Menschen sind ein bisschen bequem.“

Diese Corona-Impfstoffe sind in Weißwassers Impfbus im Angebot

Jede Impfung zählt, findet auch Steffen Herrmann vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) Görlitz. Das mobile Impfteam des ASB ist seit Monaten gefordert. Nach Weißwasser kommen sie besonders gern. „Die Organisation hier ist einmalig für den Landkreis Görlitz“, lobt er die lokalen Impfzentren im Vereinspavillon am Sorauer Platz. Man sei so gut eingespielt, dass dort im Minutentakt geimpft werden könne. Am 27. August wird es noch einmal soweit sein, wenn dort die Zweitimpfungen verabreicht werden können.
Doch nun geht es um die Erstimpfungen: Der ASB hat für den 11. August 300 Biontec- und 50 Johnson-Dosen im Gepäck. Auch die Zweitimpfung (nur bei Biontec) wird es im Bus geben. Der ist am 1. September wieder von 10 bis 16 Uhr auf der Saschowawiese vor Ort. „Ich hoffe, es kommen viele, denn derzeit ist es beim Impfen viel zu ruhig“, so Herrmann.

Zufrieden mit dem Ergebnis in Weißwasser

Und wie nehmen die Menschen aus Weißwasser und der Region den Imfbus an? Gegen 15.30 Uhr kann der ASB über 80 Patienten zählen. Damit ist Steffen Herrmann durchaus zufrieden. „In Görlitz hatten wir jüngst trotz Vorankündigung an einem Tag gerade mal 30 Impfungen.“
Auch Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) schätzt solche Angebote wie folgt ein: „Wir haben als Kommune selbst ein temporäres Impfzentrum mit vielen Partnern aufgebaut. Dabei haben wir zwölf Erst- und Zweitimpftermine mit jeweils bis zu 300 Nutzern gestemmt. Die Dankbarkeit der Menschen in und um Weißwasser für dieses Angebot war groß. Das zeigt, der Bedarf ist insbesondere im ländlichen Raum vorhanden. Deshalb begrüße ich als Oberbürgermeister alle Initiativen, wie den DRK-Impfbus,Testzentren und Beratungsangebote, die zu den Menschen kommen, denn diese Herausforderung kann nur gemeinsam bewältigt werden.“
Und wer sich nach dem Piks traut, auch zu sagen, warum er sich impfen lässt, der wird Teil der Kampagne „Ich hab’s getan“. Seit drei Wochen läuft die Aktion des Sozialministeriums bei der frisch Geimpfte in einem persönlichen Video-Statement ihren Mitmenschen erklären, warum sie sich haben impfen lassen. Alle Videos werden vom Sozialministerium gesammelt, veröffentlicht und in den sozialen Medien verbreitet.

Wie ist die Corona-Lage im Kreis Görlitz?

Am Mittwoch meldet die Kreisverwaltung Görlitz fünf neue Infektionen mit dem Coronavirus. Die durch den Landkreis ermittelte 7-Tage-Inzidenz beträgt 5,9 je 100.000 Einwohner, der Wert des Robert-Koch-Institus liegt bei vier.
Derzeit befinden sich drei Personen in medizinischer Behandlung in einer Klinik des Landkreises Görlitz. Keine benötigt eine intensivmedizinische Betreuung.
Im Landkreis Görlitz sind bislang 1.241 Fälle von SARS-CoV-2-Mutationen nachgewiesen worden. 14 betroffene Personen sind aktuell noch aktiv von Quarantäne betroffen.