Schon etwas mit Wehmut denkt Tierparkchef Gert Emmrich an die Zeit nach dem ersten Lockdown im Jahr 2020. „Sie haben uns die Bude eingerannt.“
Davon kann derzeit in den Tierparks Weißwasser und Görlitz sowie im Zoo Hoyerswerda keine Rede sein, auch wenn das Wetter durchaus für Spaziergänge taugt. Gerade mal drei Anmeldungen liegen für Pfingstsamstag vor, für Sonntag gar keine.

Tierparks und Zoos schreiben an die sächsische Staatsregierung

Gert Emmrich und Kollegen haben dafür einen Umstand ausgemacht. Es ist die Testpflicht, die auch vor einem Besuch bei Erdmännchen und Alpakas verpflichtend ist. In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und Sozialministerin Petra Köpping (SPD) haben die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG) sowie der Zoo Hoyerswerda auf die Lage der meisten Zoos und Tierparks hinsichtlich der Folgen der Testpflicht aufmerksam gemacht. Das ist verbunden mit der dringlichen Bitte, in der kommenden sächsischen Corona-Schutzverordnung die Testpflich für Zoos und Tierparks bei Inzidenzen unter 100 zu streichen.

Weißwasser

Die Einrichtungen können das konkret festmachen. Beim Zoo Hoyerswerda werden nur noch 57 Prozent der Besucherzahlen erreicht. In anderen Einrichtungen sieht es noch schlimmer aus. Um etwa 70 bis 80 Prozent niedriger sind die Zahlen im Vergleich zur Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im Mai 2020.
Mit der Einführung der bundesweiten „Notbremse“ gingen die Zahlen nochmals erheblich zurück, die Untersagung der Eigendokumentation eines Selbsttests hat die Lage erneut verschärft, heißt es.

Tierparks und Zoos beklagen Mehrkosten bei weniger Einnahmen

„Zoos und Tierparks haben jetzt natürlich mehr Einnahmen als während einer Schließung“, meint Sven Hammer, Direktor des Naturschutz-Tierparks in Görlitz, „jedoch sind die Mehrkosten für einen geöffneten Zoo oder Tierpark vom ersten Besucher an deutlich höher und können unter den genannten Bedingungen meist kaum oder gar nicht gedeckt werden.“ Zoologische Einrichtungen als Saisonbetriebe stehen mitten in der Hauptsaison, in der eigentlich das Geld für den Großteil des gesamten Jahres erwirtschaftet werden muss.
„Wir haben aber aktuell kaum eine Chance, unsere Kosten wenigstens zu decken, da schlicht und ergreifend nicht ausreichend Besucher kommen, sagt Gert Emmrich. „Mit jedem Tag der Öffnung steigt der Verlust. So kommen Donnerstag und Mittwoch nicht mal 20 Euro in die Kasse, wo es sonst über 100 bis 200 Euro sind.“ Diese Situation komme einem Zoosterben auf Raten gleich, findet die Tierparkgesellschaft.
Deshalb geht per offenem Brief nun die eindringliche Bitte nach Dresden, in der neuen sächsischen Corona-Verordnung ab Juni die Testpflicht für Zoos und Tierparks bei Inzidenzen unter 100 zu streichen. „Damit soll einerseits den Bürgern ein leichterer Zugang zu zoologischen Einrichtungen ermöglicht werden, andererseits können die Zoos und Tierparks damit besser ihrer sozialen Ausgleichs- und Erholungsfunktion nachkommen sowie nicht zuletzt einen wirtschaftlicheren Betrieb der Einrichtung sichern“, findet Gert Emmrich.