Carl Graeb in Bad Muskau
: Was hinter dem Märchen der Bilder steckt

Im Neuen Schloss im Muskauer Park wartet derzeit eine besondere Ausstellung auf die Besucher. Weshalb die Bilder von Carl Graeb ein Glücksfall für die Region sind.
Von
Regina Weiß
Bad Muskau
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Das Neue Schloss in Bad Muskau ist im Sommer 2026 wahrlich eine Reise wert. Aquarelle von Carl Graeb werden im Muskauer Park gezeigt. Die Zeitreise wird die Besucher nicht loslassen.

Das Neue Schloss in Bad Muskau ist im Sommer 2026 wahrlich eine Reise wert. Aquarelle von Carl Graeb werden im Muskauer Park gezeigt. Die Zeitreise wird die Besucher nicht loslassen.

Regina Weiß
  • Im Neuen Schloss im Muskauer Park läuft eine Sonderausstellung zu Carl Graebs Aquarellen.
  • Die 74 Werke zeigen Schloss, Park und Region und dienen zugleich als historische Dokumente.
  • Die Serie entstand 1855 bis 1860 nach Skizzen vor Ort und war lange unzugänglich.
  • 2021 erwarb die Stiftung die Aquarelle mit breiter Förderung – sie sind bis zum 16. August 2026 zu sehen.
  • Fachleute betonen ihren Wert für Restaurierung und Erinnerung, die Farbigkeit ist hervorragend erhalten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Flöte und Harfe – die Klänge dieser beiden Instrumente hat so etwas Leichtes, Sanftes, dass die Gedanken eins, zwei, fix auf Wanderschaft gehen. So befindet man sich plötzlich zwischen weißen Wattewolken und dichtblättrigen grünen Zitrusbäumen gleich neben den goldglänzenden Löwen auf der Schlossrampe. Aber stopp mal: Wie sieht denn das Muskauer Schloss aus? Ganz anders als heute. Es ist ja auch kein Wunder, sammeln sich die Gedanken, denn das Schloss, zu dem die Musik geführt hat, steht 1855 in Muskau.

Und schon begibt man sich auf eine Zeitreise. Dass diese möglich ist, hat die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau schon oft mit ihren Sonderausstellungen bewiesen. Doch die aktuelle Exposition ist nicht nur besonders, sie kommt nach wie vor einer Sensation gleich. Oder wie es Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung, sagt: „Die Restaurierung des Parks ist ein Wunder, die Wiederentdeckung der Aquarelle ist ein Märchen.“

Das Ganze hat für den versierten Gartenfachmann, der der Stiftung seit 1997 vorsteht, eine sehr persönliche Komponente. Und so lässt er sich bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Poesie des Lichts – Der Landschaftsmaler Carl Graeb (1816–1884) und seine Muskauer Aquarellserie“ auch ein bisschen in sein Herz gucken.

Eine Sensation: Bilder von Graeb sind wieder zurück in Bad Muskau

Denn Cord Panning wusste schon lange um diese Werke. Doch verschiedene Ansätze verliefen im Dunkeln. „Es war wie bei den Königskindern“, spielt er auf die bekannte Volksballade an. Bilder und Bad Muskau – sie fanden nicht zueinander. Wie muss man sich da fühlen, wenn man nach 20 Jahren erstmals einen Blick auf das verschollen geglaubte Konvolut werfen darf? „Ich hatte selbst schon nicht mehr daran geglaubt“, so Panning.

Aquarelle und Muskauer Park finden 2018 das erste Mal wieder zueinander. Ein wenig. Denn insgesamt gibt es 74 Bilder und nur einige ausgewählte konnten eine erste Ausstellung bereichern. Danach war der Plan geboren: Sie sollen dauerhaft zurück. Das hat mit Vertrauen der vormaligen Besitzer, aber auch mit Geld zu tun.

Dank finanzieller Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung der Länder, des Freistaates Sachsen, des Fördervereins Fürst-Pückler-Park Bad Muskau sowie einer Vielzahl an Einzelspenden konnte die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau 2021 die Serie ankaufen. „Es ist ein Zeichen für die Region, wenn sich so viele einbringen.“

Erstmals werden nun die Muskauer Werke von Carl Graeb in sein gesamtes Wirken eingeordnet. Und das kann sich sehen lassen. Der gefeierte Künstler des 19. Jahrhunderts, war Hofmaler in Preußen, ließ sich von Carl Blechen ausbilden sowie prägen, brachte Personen und Architektur versiert und gekonnt aufs Papier. Seine Lithografien dieser Werke wurden zu begehrten Sammlerobjekten.

Besucher kommen in der Ausstellung von Carl Graeb im Neuen Schloss in Bad Muskau ins Schwärmen.

Besucher kommen in der Ausstellung von Carl Graeb im Neuen Schloss in Bad Muskau ins Schwärmen. Sie ist bis zum 16. August täglich geöffnet.

Regina Weiß

Graebs Dienstherr in Preußen war Friedrich Wilhelm IV. und der war wiederum Cousin von Prinz Friedrich der Niederlande. Als Standesherr residierte dieser in Muskau. Und er ließ Carl Graeb in sein Schloss und den Park kommen. Ein Auftrag, der über 170 Jahre nachwirkt.

Denn was andere nicht mal mit dem Fotoapparat oder dem Handy hinbekommen, auch mit Photoshop nicht, schafft Graeb mit einem geübten Auge und einer ruhigen Hand. Vier Jahre (1855 bis 1860) dauerte die Arbeit im Atelier. Vorher hatte er Bleistiftskizzen im Muskauer Park angefertigt. „Es ist eine Lässigkeit, mit der er Landschaften vor unserem Auge ausrollt“, gerät Cord Panning ins Schwärmen.

Bilder von Carl Graeb in Bad Muskau sind mehr als Kunstwerke

„Es sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Dokumente“, hebt Natalia Dzieduszycka, Vizedirektorin des Nationalen Instituts für das kulturelle Erbe der Republik Polen, hervor. Klar, dass die Stiftung fachlich bei Gartenpflege oder der Sanierung von Gebäuden profitiert. Für Maria Bering, stellvertretende Amtschefin beim Beauftragten der Bundesrepublik für Kultur und Medien, sind es „lebendig gewordene Erinnerungen“. Markus Franke, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund, setzt noch eins drauf: „Es sind gemalte Liebesbriefe.“

Durch die lange Lagerung in geschlossenen Mappen ist die Farbigkeit perfekt erhalten. Das ist aber auch der Grund, warum die Ausstellung nur bis zum 16. August 2026 zu sehen ist. Bis dahin kann man sich auch an vielen Details verschwundener Geschichte erfreuen. Denn das Jagdschloss bei Weißwasser, die Muskauer Tracht im täglichen Leben, die opulente Innenausstattung des Neuen Schlosses oder Innenaufnahmen längst vergangener Wirtschaftsbetriebe der Standesherrschaft waren einmal. Doch sie werden bei dieser besonderen Zeitreise wieder lebendig. Besucher finden: Geschichte war noch nie so schön wie in diesem Sommer 2026 in Bad Muskau.