Der Auflauf war groß, als in der vergangenen Woche ein Zug voller Schützenpanzer in Senftenberg entladen wurde. Eine Panzergrenadierbrigade aus Norddeutschland war angerückt, um möglichst realitätsnah zu üben. Bevor es dazu auf den Truppenübungsplatz (TÜP) Oberlausitz bei Weißwasser ging, wurde deshalb auch das Verlegen der Truppe von der Schiene über die Straße trainiert.

Ein beeindruckendes Bild, das sich da den zahlreichen Schaulustigen bot. Für manche auch ein befremdliches und gefährliches. Auf jeden Fall ein Bild, das es in der Lausitz in Zukunft öfter geben wird. Denn die 1. Panzerdivision, zu der die derzeit noch auf dem TÜP bei Weißkeißel übende Brigade gehört, ist von den Möglichkeiten in der Lausitz begeistert.

Lob der Bundeswehr für die Lausitz

„Die Übungsmöglichkeiten hier in der Oberlausitz sind herausragend“, sagt Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrat am Mittwochabend beim Pressegespräch auf dem Truppenübungsplatz. Sandrat ist Kommandeur der 1. Panzerdivision, deren 22 000 Soldaten über den gesamten Norden Deutschlands stationiert sind. In Zukunft soll Ostdeutschland und vor allem die Lausitz zu einem Übungsschwerpunkt für die 1. Panzerdivision werden. Der TÜP Oberlausitz steht dabei im Zentrum eines Netzwerks von Übungsplätzen bis ins polnische Zagan.

Bundeswehr setzt auf Landesverteidigung

Was das bedeutet, erläutert Brigadegeneral Andreas Durst, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41: „Was wir zunehmend üben müssen, ist der Fall der Landes- und Bündnisverteidigung. Ein ganz wesentlicher Teil ist dabei die Verlegung der Kräfte.“ Es reiche nicht nur, auf Übungsplätzen der Bundeswehr das Schießen zu üben, auch das Zusammenspiel größerer Einheiten und die Bewegung großer Mengen an Fahrzeugen und Soldaten müsse trainiert werden.

In den vergangenen Jahren habe der Fokus angesichts von Auslandseinsätzen wie in Afghanistan eher auf anderen Bereichen gelegen. Dafür waren Manöver im kleinen Maßstab – und damit auf für die norddeutschen Truppen naheliegenderen Übungsplätzen – völlig ausreichend.

Nun ist wieder der größere Maßstab gefragt – und den bietet die Lausitz. Zumal der politische Wille vorhanden ist, den Truppenübungsplatz weiter auszubauen. „Die Übungsmöglichkeiten sind bereits jetzt herausragend“, sagt Generalmajor von Sandrat.

Nachtschießen auf dem Truppenübungsplatz

Was das bedeutet, zeigen Panzergrenadiere bei einem Nachtschießen auf der Anlage. Zwei Schützenpanzer stehen bereit, werden instruiert und sollen ein Dorf aufklären. Vor einem Graben sitzen sie ab, treffen auf Gegner und eine Panzersperre, weichen aus, umgehen das Dorf, geraten in ein Gefecht, um schließlich den Zielpunkt zu erreichen. „Dieses Zusammenspiel der Kräfte lässt sich hier ideal üben“, erläutert Brigadegeneral Durst, während im Hintergrund mit Leuchtspurmunition geschossen wird. Für die Einsatzbereitschaft der Soldaten seien solche Szenarien wichtig.

Auch beim Nato-Manöver Noble Jump hatte sich die Lausitz Anfang Juni als Aufmarschgebiet für die Speerspitze der Nato bewährt.

Bundeswehr fühlt sich wohl in der Lausitz

Neben den modernen Schießanlagen und der Möglichkeit der Drohnenaufklärung spricht aus Sicht der Bundeswehr auch das Drumherum des Truppenübungsplatzes für die Lausitz. „Ein Faktor ist natürlich auch, wie gern wir gesehen werden als übende Truppe“, sagt Generalmajor von Sandrat. Das hat auch Brigadegeneral Durst beim jüngsten Marsch von Senftenberg nach Weißwasser gemerkt. „Wir sind überall offen empfangen worden.“

Noch ist unklar, ob es mehr Manöver geben wird

Ob und wann es zu zusätzlichen Manövern in der Lausitz – und damit möglicherweise auch vermehrt zu Panzertransporten und Militärkonvois in der Region – kommen wird, ist allerdings noch völlig offen. Die Kapazitäten der Truppenübungsplätze sind in Deutschland auf zwei Jahre im voraus vergeben. Welche Einheiten wann auf welche Plätzen trainieren, wird auf Konferenzen aller beteiligten Einheiten beraten. Ob die 1. Panzerdivision dann tatsächlich wie gewünscht die Oberlausitz zum Schwerpunkt machen kann, bleibt abzuwarten.

Der Wille allerdings ist vorhanden. „Für uns ist das auch räumlich reizvoll“, sagt Brigadegeneral Durst. Eine polnische Partnereinheit seiner Panzergrenadiere ist im nahen Zagan stationiert. „Bündnisverteidigung bedeutet auch, dass wir mit unseren Partnern aus Holland, Großbritannien oder den USA trainieren werden“, fügt Generalmajor von Sandrat hinzu. Auch weitere Transporte von US-Panzern durch die Lausitz wären damit möglich.

Zunächst aber kommen deutsche Panzer. Sie sollen in der kommenden Woche das laufende Manöver bei Weißkeißel ergänzen. Sehen werden die Lausitzer davon aber nichts. „Die Panzer werden direkt per Schiene auf den Truppenübungsplatz verlegt“, erklärt Brigadegeneral Durst.

Truppenverlegung nach Weißkeißel Bundeswehrpanzer üben im Großräschener Wald

Senftenberg