Dem aufmerksamen Weißwasseraner sind sicher die umfangreichen Baumaßnahmen im südlichen Bereich des Kohlenstaubplatzes in der Nähe der Jahnstraße nicht entgangen. Angrenzend an das Areal der Firma Reifen-Tripke baut der Waldeisenbahn-Verein Muskau seit etwas mehr als einem Jahr eine neue Instandhaltungswerkstatt. Diese soll es möglich machen, die Dampflokomotiven des Vereins nicht nur unterzustellen, sondern auch betriebsbereit zu halten und entsprechende Reparaturen auszuführen.

Fördermittel machen es möglich

Die nun bereits gut sichtbare Leichtbauhalle wurde nur durch die Möglichkeit des Bezuges von Fördermitteln finanzierbar. Besonders schwierig und aufwändig gestalteten sich die Gründungsarbeiten. Jetzt stehen die Arbeiten glücklicherweise und auch dank des engagierten Zutuns der Vereinsmitglieder und der beteiligten Firmen kurz vor dem Abschluss und die Waldeisenbahner freuen sich auf den bevorstehenden Einzug.

Weißwasser

Platz für vier Loks

Im Inneren des Gebäudes findet man die Abstellmöglichkeiten für vier Dampflokomotiven auf zwei Gleisen, sowie die entsprechenden Maschinen und Geräte, die derzeit noch komplettiert werden. Vorhanden sind die notwendigen Rauchabzüge, eine großzügige Untersuchungsgrube sowie Metallbearbeitungsmaschinen und auch ein Archivraum.

Besonders wichtig ist auch die installierte Heizung, die nicht nur das ganzjährige Arbeiten, sondern auch das frostgeschützte Abstellen der Dampflokomotiven ermöglicht.

So erhielt das geschichtsträchtige Areal durch die Waldeisenbahn Muskau ein zukunftsweisendes Bauwerk, welches jetzt seiner Inbetriebnahme entgegenstrebt.

Ausgangspunkt für Industrialisierung

Der Kohlenstaubplatz selbst ist ein Ort, an dem die Industrialisierung von Weißwasser einen seiner Ausgangspunkte hat. Hier begannen die Arbeiten der Kohlewerke Weißwasser bereits ab 1861, was in deren ersten Betriebsplan verbrieft ist. Die Förderung der Braunkohle im Tage- und auch Tiefbau war einer der wichtigsten Aspekte für das Entstehen der hiesigen Glasindustrie ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

Bergbau begann 1869

Auf dem heute als Kohlenstaubplatz bezeichneten Gelände zwischen der Teichstraße, der Muskauer Straße, der Jahnstraße und dem Verlauf der 1869 errichteten Kohlebahn begann die bergbauliche Tätigkeit dann 1868 am ehemaligen Zollhaus gegenüber der heutigen Habermanns Imbiss-Gaststätte. Anfangs erfolgte der Abbau im Tagebau in der sogenannten Glimmisch- Mulde, deren Restlöcher weiter nach Westen heute als Kleiner und Großer Jahnteich bekannt sind. Nördlich davon befand sich die Qualisch-Mulde, die parallel zur Teichstraße verläuft.

Die neue Lokwerkstat samt Gleisen am Kohlenstaubplatz.
Die neue Lokwerkstat samt Gleisen am Kohlenstaubplatz.
© Foto: Friedemann Tischer

Als die erreichbaren Braunkohlenvorräte erschöpft waren, ging man ab 1873 dann zum Tiefbau über. So waren auch einige Schächte, wie der 25 Meter tiefe Richardschacht und zwei Luftschächte an der Westgrenze des Kohlenstaubplatzes im Betrieb. Über die oben genannte Kohlebahn erfolgte der Abtransport der Braunkohle zu den Weißwasseraner Glaswerken und anderen Abnehmern. Im Laufe der Zeit errichteten die Kohlewerke Weißwasser hier zwei Verladeanlagen für die Kohle aus den genannten Mulden. Für den Abtransport der Kohle aus den östlichen Teilen der Qualisch-Mulde soll sogar bis 1911 eine Seilbahn vorhanden gewesen sein, die auch die Muskauer Straße nördlich von Habermanns Gaststätte kreuzte.

Staubkohle ist angefallen

Bei der Verladung fiel auch die nicht verkaufbare Staubkohle an, die beginnend im östlichen Teil des heutigen Kohlenstaubplatzes im ehemaligen Tagebaubereich aufgehaldet wurde. Wissend um die Gefahr der Selbstentzündung dieses Staubes wurde hier mit Erde und Gras abgedeckt. Die Selbstentzündung der Braunkohle nach deren Entwässerung wurde einer Vielzahl von Braunkohlengruben im Bereich des Muskauer Faltenbogens zum Verhängnis und führte auch in einigen Fällen zur Einstellung des Gesamtbetriebes.

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Bad Muskau

Um die Staubkohle zumindest teilweise verwerten zu können, nahmen die Kohlewerke Weißwasser 1882 eine Nasspresse der Firma Leutert aus Halle in Betrieb. Diese soll zumindest bis 1890 gearbeitet haben. Bis zur Einstellung des Grubenbetriebes 1911 musste die Staubkohle somit weiter verkippt werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Förderung der Braunkohle grundsätzlich nach Bedarf erfolgte, um die übertägige Lagerung zu vermeiden und die Gefahr der Selbstentzündung auszuschließen.

Mit Ausnahme der Parzellen der Wohnhäuser auf dem Kohlenstaubplatz wird 1930 der Architekt Walter Thormann aus Weißwasser als Grundeigentümer ausgewiesen. Um der Situation der Staubaufhaldung Herr zu werden, beantragte Walter Thormann beim Weißwasseraner Bürgermeister Wenderoth den Abbau der Halde am 21.Juli 1937 und begann kurz darauf mit dem Abbau derselben. Zuvor wurde die Staubkohle in der hiesigen Ziegelei auf ihre Verwendbarkeit mit positivem Ergebnis getestet.

In einem Schreiben vom 19. Januar 1942 bemerkt der erste Bergrat des Bergamtes Görlitz, dass der weitere Abbau wegen Arbeitskräftemangel erst nach Kriegsende fortgeführt werden sollte.

Diese Angaben belegen Schriftstücke des Bergarchives in Freiberg. Nun wissen wir nicht ganz genau, wann letztendlich der vollständige Abbau erfolgte, jedoch dokumentiert eine Fotografie von 1930 das seinerzeit völlig andere Geländeprofil im Vergleich zu heute. Möglich scheint auch ein weiterführender Abbau in der Zeit nach 1945, als die Grube Frieden bei Weißwasser erneut eine Nasspresse in Betrieb nahm.

Kohlenstau gibt es nicht

Es bleibt festzustellen, dass die zwischenzeitliche und im Sprachgebrauch unübliche Bezeichnung als Kohlenstauplatz wegen der Aktenlage und den allgemeinen Richtlinien des Braunkohlenbergbaus unzutreffend ist. Einen Kohlestau gibt es einfach nicht.

Platz der Freundschaft

Ältere Weißwasseraner werden sich noch an die Zirkusvorstellungen bis Anfang der 50er-Jahre erinnern. Ab 1961 trug der Kohlenstaubplatz zumindest offiziell den Namen Platz der Freundschaft. Umfangreiche Sanierungsarbeiten des Altbergbaus bis zum Jahr 2002 schufen die Grundlage für seine weiterführend gefahrlose Nutzung.

Durch die Waldeisenbahn Muskau mit Bahnhof Teichstraße, Vereinsgebäude und der neuen Instandhaltungswerkstatt beherbergt der Kohlenstaubplatz heute wieder wichtige Anlagen, die ihn somit einzigartig machen. Wer sich weiterführend für die Geschichte des Braunkohlenbergbaus um Weißwasser und Bad Muskau interessiert, findet die Literatur auf der Homepage waldeisenbahn.de oder direkt auf Anfrage beim Autor.

Schon als Kind interessiert


Sein Onkel ist schuld, dass Friedemann Tischer schon als Schuljunge mit dem Virus der Heimatgeschichte infiziert wurde. Der Onkel schmuggelte aus Westberlin Messtischbilder aus dem Jahr 1939 nach Weißwasser. Diese klebte er sich auf Rücken, damit der Zoll den historischen Dokumenten nicht habhaft wurde.

Als Schuljunge machte er Ferienarbeit bei der Kleinbahn und hielt mit dem Fotoapparat vom Vater schon zahlreiche Begebenheiten fest.

Das Interesse und die Sammelleidenschaft haben den 60-Jährigen, der Mitglied im Waldeisenbahnverein ist, nicht mehr losgelassen. Er recherchiert in den Archiven von Potsdam bis Freiberg.

Seine heimatgeschichtlichen Beiträge für Weißwasser und Umgebung füllen mittlerweile vier Bücher. „Bilderbuch Kleinbahn“, „Der Braunkohlenbergbau“, „Chronik der Gräf. Arnischem Kleinbahn“ und „Bilderbuch Tzschelln“.