Der Suchdienst vom Deutschen Roten Kreuz, der auch eine Ansprechpartnerin im DRK-Zentrum an der Berliner Straße in Weißwasser hat, wird nach wie vor gebraucht. „Die Anfragen haben weiterhin ein hohes Niveau“, weiß Sebastian Goll, Leiter des Suchdienstes in Sachsen. Wobei das DRK eins klarstellen muss, für Ehemänner oder -frauen, die sich verflüchtigt haben, seien sie nicht zuständig, auch wenn das mancher denkt – so die Erfahrung aus dem Alltag.
Auch wenn der Zweite Weltkrieg 77 Jahr her ist, leidet so manche Familie unter den Folgen noch immer. „Mittlerweile sucht die Enkelgeneration“, so Sebastian Goll, weil vermisste Personen auch nach Jahrzehnten eine Lücke hinterlassen, etwas mit der Familie machen.

Vermisste Kinder – Schicksale in Sachsen noch immer offen

Ein Beispiel sind vermisste Kinder. Knapp 300.000 waren es 1945. „Noch immer sind 5000 Schicksale offen.“ Eine besondere Geschichte haben die Wolfskinder. Diese werden nun in einer Ausstellung des DRK in den Fokus gestellt, wobei Aufklärung Not tut. „Es gab Nachfragen, warum wir uns mit Wolfswelpen beschäftigen würden“, so Vorstandsvorsitzende Barbara Koschkar.
Doch die Wolfskinder haben nichts mit Isegrim zu tun. Vielmehr nennt man so Kinder, die in jungen Jahren eine Zeit lang isoliert von anderen Menschen aufwuchsen und sich deshalb in ihrem erlernten Verhalten von normal sozialisierten Kindern unterscheiden. In der Ausstellung, die das DRK zeigt, geht es um Kinder aus dem nördlichen Ostpreußen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Litauen flüchteten und ihre deutsche Herkunft zumindest zeitweise verschleiern mussten. Eine größere Gruppe von ihnen kam später nach Sachsen, vor allem zuerst in die Kinderlager nach Bischofswerda und Kleinwelka.

Weißwasser

Schulklassen sind in Weißwasser zum DRK eingeladen

Jens Baumann, Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler im Innenministerium, hofft, dass die persönlichen Schicksale Schulkinder ansprechen. Das Thema passe in den Geschichtsunterricht der 9. und 11. Klassen. Aber auch für alle anderen steht die Ausstellung offen.
Denn die Geschichte wiederhole sich leider, heute sind es unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die unter den Auswirkungen der Kriege zu leiden haben.
Apropos Krieg. Der Ukraine-Krieg habe zur Folge, dass sich Schicksale gesuchter deutscher Soldaten nun aufklären lassen. „Beim Ausgraben von Schützengräben hat man Skelette gefunden“, weiß Jens Baumann zu berichten. Anhand der Erkennungsmarken könne man die Personen nach 77 Jahren identifizieren.
Die Ausstellung ist bis zum 4. November im DRK-Zentrum für Eltern- und Familienbildung, Berliner Straße 2, zu sehen.