Von Regina Weiß

Als Eman Adel den Strohhut fürs RUNDSCHAU-Foto aufsetzt, schaut die Sonne an diesem Herbsttag im Muskauer Park kurz mal raus. Der Hut stammt aus dem Park und hat der jungen Frau aus Ägypten gleich gefallen. Dass sie die Sonne so sehr braucht, die aber nicht jeden Tag in der Parkstadt präsent ist, ist eine Erkenntnis ihres Aufenthalts in Deutschland.

Seit dem 28. August und noch bis zum 12. November ist Eman Adel als Hospitantin bei der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau zu gange. Bei dem Familiennamen konnte ja ihr Weg nur zum Fürsten führen, wird am Donnerstag bei einem Pressegespräch geunkt. Eman Adel muss lachen. Ihr arabischer Familienname habe nichts Fürstliches an sich, er beziehe sich auf den Gerechten.

Das erste Mal in Deutschland

In einem „bisschen guten Deutsch“, dass Wort bisschen kann aus Sicht der Reporterin getrost gestrichen werden, erzählt die junge Frau, wie und warum sie überhaupt in Bad Muskau gelandet ist. Da gibt es schon seit mehr als zehn Jahren einen Traum, einmal ins Ausland zu reisen. Am Gymnasium hat es Eman mit einer guten Note in einer Prüfung in Deutsch probiert. Doch die Entscheidung fiel nicht auf sie. Nach ihrem Germanstikstudium probiert sie es immer wieder, um an ein Stipendium zu kommen. Stößt schließlich auf die Anzeige vom Freiwilligendienst Kulturweit. Das Programm „Gemeinsam freiwillig engagiert“, das in Kooperation mit der deutschen Unesco-Kommission durchgeführt wird, verhilft dem Muskauer Park damit zum dritten Mal in Folge zu einer Praktikantin aus Ägypten. Und dieser ist froh darüber.

Die Bewerbung hat also Erfolg. Mehrere Einsatzorte in Deutschland sind möglich. Bad Muskau ist einer davon. Eman Adel schaut im Internet nach und stößt auf den Park. „Ich bin eine große Naturliebhaberin“, gibt sie zu. Dabei strahlt sie: Sie ist das erste Mal in Deutschand, das erste Mal überhaupt im Ausland. Der Traum geht in Erfüllung. Auch wenn er mit etwas Heimweh verbunden ist.

Ruhiger als in Kairo

In Kairo sind die Eltern und zwei jüngere Brüder zu Hause. Der Familienzusammenhalt sei sehr eng. Dank Handy weiß die Familie über Emans Aktivitäten Bescheid. Eben darüber, dass sie gut im Kollegenkreis aufgenommen wurde, dass sie sich an deutschem Essen probiert, dass es in Bad Muskau viel ruhiger ist als in der Millionenmetropole Kairo. Dass sie sich allein bis Krakau getraut oder sie Fahrradfahren gelernt hat. Das hat sie übrigens mit ihrer Vorgängerin Omnia Soliman gemein. Per Rad ließe sich der Park auch wunderbar erkunden. Dass man dabei ohne Weiteres über eine Grenze fahren kann, findet Eman Adel „großartig“. Überhaupt sei der Park fantastisch und sehr gepflegt.

Werbung für den Pückler-Park in Ägypten

Ihn will sie nun in Ägypten noch bekannter machen. Ein persönlich gehaltener Kurzfilm soll entstehen. Erste Aufnahmen sind quasi schon im Kasten. Er soll später über ihren Youtube-Kanal (eine Videoplattform im Internet) vertrieben werden. Außerdem wird der Gast aus Kairo die Grabinschrift von Machbuba auf dem alten Friedhof ins Arabische übersetzen. Das wäre nach Deutsch, Polnisch, Englisch und Amharisch die fünfte Sprache.

Kontakte gibt es auch in die Grundschule. Dort hat es bereits ein ägyptisches Frühstück mit den Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Kleine Schlossgärtner“ gegeben. In der nächsten Woche gibt es zwei Unterrichtsstunden mit den Viertklässlern. Das dürfte Eman Adel nicht schwer fallen. Sie hat in Kairo als Deutsch-Lehrerin gearbeitet.

Ihr selbst haben deutsche Lieder beim Lernen geholfen. Das sind zum einen Übersetzungen aus Disneyfilmen, zum anderen aber deutsche Schlager. Eman Adel hat bereits in Ägypten Helene Fischer oder Nicole nachgesungen.