Von Gabi Nitsche

Wenn sie in ihre Trickkiste greifen, spitzen die Nachwuchs-Wakeboarder zu einhundert Prozent die Ohren und schauen genau hin, was sie sich von den Trainern des Pro-Camps bei Wake & Beach am Halbendorfer See abgucken können. Tina Frömling, Marie Grüneberg, Matteo Rüger und Tom Heine haben einen guten Namen in der Szene, sind erfolgreich und erfahren in dieser Trendsportart und warten mit Rat und Tat auf. Anlagenbetreiber André Böhme hat sie genau deshalb angeheuert und damit bei den Kids absolut ins Schwarze getroffen. Mit Marie (17) coacht die aktuelle Vize-Weltmeisterin ihrer Altersklasse und Deutsche Meisterin bei den Junior-Ladies (2018) die Kinder, „und das macht mir riesigen Spaߓ, so die Berlinerin. Tina ist amtierende Deutsche Meisterin in der Kategorie Master Ladies, organisiert Camps beruflich, ist lizensierte Trainerin des Wakeboard-Verbandes und hat einen besonderen Blick auf Talente. „Und da sind einige dabei, alle Achtung“, schätzt sie ein. Zum Beispiel die elfjährige Alissa Klingenbrunn aus Lohr/Bayern, die 2018 den Meistertitel in ihrer Klasse holte, und der neunjährige Jan-Luca Schulz aus Dankern in Nordrhein-Westfalen. „Sie sind beide auf hohem Niveau unterwegs. Aber der Beste in der Jan. Der fährt ganz weit oben auf Contest-Niveau und räumt schon viel ab“, so Coach Tina. Sie ist überzeugt, wenn sich die beiden weiter so gut entwickeln, „dann ist das Kaderfutter für die Zukunft“. Wer den Neunjährigen auf der Anlage erlebt, bekommt tatsächlich große Augen.

Der Knirps jagt über jedes Hindernis – Kicker, Pipe, Rail, Fun-Box, Slider, Bus und vieles mehr – dreht sich in der Luft und landet sicher auf dem Wasser. Kein Wunder: „Seit zweieinhalb Jahren fahre ich eigentlich jeden Tag Wakeboard.“ Die Familie wohnt in Dankern, einem Ferienort mit einer ähnlichen Anlage. Warum dann hunderte Kilometer entfernt der Kurs in Halbendorf? „Ich liebe es hier, die Anlage ist linksherum.“ Linksherum? Marie bestätigt das. „Auf den meisten Anlagen weltweit startet man nach rechts und dreht seine Runde. Hier geht’s nach links.“ Das sei auch für sie der Grund, warum sie gern in Halbendorf ist, und der Bus im Wasser sei natürlich auch ein besonderes Highlight. „Das Camp betreue ich schon das vierte Jahr.“ Ansonsten trainiert sie in Berlin. Der 17-jährige Tom Heine, der im Nachwuchsbereich erfolgreich unterwegs war, ist auch in der Bundeshauptstadt zuhause.

Würde es nach den acht Kindern im Camp gehen, würden die von früh bis spät nur auf dem Wasser sein. Aber da haben die Trainer ein achtsames Auge drauf. „Zwei Stunden am Morgen haben wir die Anlage nur für den Kurs, und das ist perfekt.“ Wobei Theorie und Praxis ineinandergreifen, erklärt Tina und zeigt auf eine Tafel, auf der viele Wakeboard-Tricks erklärt sind. Jeder Teilnehmer ist einem Trainer zugeteilt, damit das Coaching intensiver ist. Die vier Trainer beobachten ihre Schützlinge genau, und wenn diese aus dem Wasser kommen, wird ausgewertet, was wie besser oder auch leichter funktioniert. Kopf-, Fuß-, Körperhaltung, Bewegungsabläufe. Zwischendurch schnappt sich Matteo zwei Schützlinge und übt mit ihnen Sprünge, Drehungen auf dem Trampolin. „Das gibt den Jungs mehr Sicherheit“, so Tina. Am Ende der Camp-Woche müssen sie bei einem Contest das Gelernte abrufen. So ein Pro-Camp wie dieses hat Wake & Beach zum vierten Mal angeboten. Anfangs waren viele Kinder aus der unmittelbaren Umgebung dabei. „Inzwischen kommen die Kids aus ganz Deutschland. Denn es gibt zwar viele Anlagen, aber die meisten eben ohne Übernachtung. Hier zelten die Teilnehmer, werden versorgt, haben auch außerhalb des Wassers ihren Ferienspaß. Ob am Lagerfeuer, beim Wissenstest rund ums Thema Wakeboarden zum Beispiel“, berichtet Tina. Am Dienstagnachmittag wollten sie Feature bauen und diese am Mittwoch ausprobieren. „Dann gehen wir in die Natur zu einem Gewässer, wo die Kids an einer Seilwinde das ausprobieren können. Ein bisschen Feeling wie bei den Profis“, meint Matteo. Er kennt sich da bestens aus. Es gibt unzählige Videoclips, wie er auf seinem Brett durch die Landschaft saust. Filme produzieren – das ist mittlerweile der Berufsalltag des 22-Jährigen aus Dresden. „Ich arbeite viel mit Red Bull an Projekten.“ Immer dreht es sich um Sport, um Geschwindig- und Geschicklichkeit auf Brettern, Rädern und so weiter. Wer nach Matteo Rüger googelt findet viele Beispiele. Vor zwei Jahren riss beim Wakeboarden Kreuzband und Meniskus. „Deswegen gehe ich da kein Risiko mehr ein, will keine Verletzung riskieren und fahre nur noch aus Spaß. Und das Pro-Camp ist genau das Richtige.“ Eigentlich hat er es in Dresden nur zehn Minuten bis zur dortigen Anlage. „Aber ich bin immer wieder gern hier, es ist extrem familiär. Ich fühle mich hier bedeutend wohler, es ist ein reiner Erholungsort“, schwärmt der Sachse.

Der absolute Höhepunkt für einige der Kids und Trainer ist der offene Team-Contest Lolek & Bolek am Samstag. „Wir rechnen mit bis zu 30 Teilnehmern zwischen neun und 99“, so Matteo Rüger. Freitag ab 16 Uhr erfolgt die Anmeldung. Vor dem Contest steht Samstag von 8 bis 10 Uhr ein Training auf dem Plan, dann geht’s um 10.30 Uhr los. „Das immer in Zweiter-Teams – ein Fortgeschrittener, ein Anfänger wegen der Fairness.“ Zusatzpunkte kann sich jeder noch mit einem Sprung von der Wasserrutsche verdienen. „Die wird eigens von der Dachterrasse bis runter gebaut samt Sprungschanze“, so Matteo Rüger.