Wer den ersten Lausitz Kirchentag in Görlitz mit all seinen Facetten und Angeboten erleben möchte, der muss so manchen Weg unter seine Füße nehmen, um die einzelnen Veranstaltungsorte in der Neißestadt anzusteuern.
Dass dieser Kirchentag überhaupt in Görlitz stattfindet, dafür schlägt die Kirche auch neue Wege ein, denn erstmals tun sich dafür folgende Kirchenkreise zusammen: Niederlausitz, Cottbus, Schlesische Oberlausitz (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) und die Kirchenbezirke Löbau-Zittau und Bautzen-Kamenz (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen).
Damit gibt es schon mal zwei Erklärungen für das Motto, das sich dieser Lausitz Kirchentag selbst gegeben hat. Auf allen Veröffentlichungen ist nämlich „von wegen“ zu sehen. Das ist natürlich mit Absicht doppeldeutig zu lesen und zu verstehen. Neben den eingangs formulierten positiven Beispielen kommt einem sofort der Gedanke. Auf keinen Fall, denkste, Fehlanzeige ...
Damit ist keinesfalls das Veranstaltungsformat – also dieser besondere Kirchentag – gemeint, sondern eher das Bild, was die Lausitz noch zu oft nach außen sendet und zu dem jeder Lausitzer seinen Teil beiträgt. Stichwort, das Glas ist halb voll oder halb leer ... Nicht umsonst heißt es in der Einladung zur Pressekonferenz vom Lausitzer Kirchentag: Die Lausitz ist mehr als nur Braunkohle und Wolf.

Fünf Kirchenkreise der Lausitz überwinden ihre Grenzen

Zur Lausitz in den fünf Kirchenkreisen gehören rund 175.000 evangelische Christen. Rund 2500 davon sind in das dreitägige Programm eingebunden. 150 Veranstaltungen an rund 30 Veranstaltungsorten in der Innenstadt verteilt. Wobei der Obermarkt in Görlitz eine zentrale Rolle spielt. Dort findet sowohl der Eröffnungs- als auch der Abschlussgottesdienst statt. Im besten Fall passen 8000 Gäste auf den Platz. Das ist schon nicht alltäglich. Auch nicht, dass den Gottesdienst 300 Bläser und 160 Chorsänger mitgestalten werden. Insgesamt gehen die Organisatoren von rund 13.000 Gästen aus. Übrigens funktioniere die Anreise so gut wie noch nie, finden die Organisatoren. Denn es gibt ja das Neun-Euro-Ticket, das man aus Nord wie Süd nutzen kann, um nach Görlitz zu reisen.
Die Einladung, den Lausitz Kirchentag zu besuchen, geht auch ausdrücklich nicht nur an Christen. „Was trägt mein Leben, ist die verbindende Frage, die alle betrifft“, formuliert es Theresa Rinecker, Generalsuperintendentin im Sprengel Görlitz. Es gehe darum, Kirche erlebbar zu machen. Deshalb sind viele der Veranstaltungen nicht nur in Gotteshäusern verortet. Es gehe aber auch darum, Themen der Zeit anzusprechen. Jene, wo sich Kirche und ihre Mitglieder mit einbringen.

Chancen der Lausitz in den Vordergrund stellen

Und dazu gehört aus Sicht von Klaus Freytag, Lausitz-Beauftragter des Landes Brandenburg, auch der Strukturwandel. Das sei schon so beim Kirchentag in Cottbus im Jahr 2015 gewesen und sei weiter ein gewichtiges Thema. Wobei Freytag schon eine Richtung vorgibt: „Es geht darum, die Chancen in den Mittelpunkt zu stellen. Ich denke, dass das Ganze eine extrem positive Ausstrahlung hat.“ Ganz ähnlich sieht es sein Kollege Jörg Huntemann, Beauftragter für Strukturentwicklung in der Lausitz und in der Region Leipzig. Er weiß, dass der Kohleausstieg und vor allem der weitere Weg für Unsicherheit sorgt. „Doch es geht darum, die Chancen für die Lausitz zu erkennen und diese Zuversicht nach außen zu tragen.“
Der Kirchentag selber ist das beste Beispiel dafür. Er erschien allen als große Herausforderung, bei dem auch Grenzen (Sachsen – Brandenburg, zwei Landeskirchen) überwunden werden mussten. Anfangs haben selbst die Organisatoren diese Grenzen gesehen, als 2019 die Idee vom gemeinsamen Kirchentag geboren wurde. Jetzt hofft Antje Pech, Superintendentin im Kirchenbezirk Löbau-Zittau, dass die Grenzen nicht mehr zu sehen sind. Von den Organisatoren sowieso nicht, aber auch nicht von den Gästen.
In diesem Zusammenhang passt es gut, dass auch Gäste aus Polen und Tschechien erwartet werden. Und auch die Ökumene sowie die Sorben sollen einen Platz beim Lausitz Kirchentag einnehmen.

Was ein Kirchentag kostet?

Der Lausitz Kirchentag kostet rund 800.000 Euro. Darin enthalten sind auch die Personalkosten.
Die Veranstaltungen zum Kirchentag sind frei zugänglich.
Im Rahmen des Kirchentages findet auch ein „Rotes Sofa“ statt. „Die Fernsehsendung hatten wir dabei nicht im Sinn“, so Holger Treutmann, Senderbeauftragter der Evangelischen Kirchen beim MDR. Vielmehr gehe es darum, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die die Lausitz mitgestalten. „Es geht darum, aufeinander zu hören“, so Treutmann. Das Rote Sofa steht bei den Arkaden am Untermarkt.
Zum Kirchentag gibt es Zusatzzüge aus der Richtung Cottbus/Weißwasser sowie aus Hoyerswerda.
Das Programm steht unter https://lausitzkirchentag.de.