Stau in Spremberg, aber das Hupkonzert hält sich in Grenzen. Die Polizei hat den halben Kreisverkehr und die Muskauer Straße abgeriegelt. Ein paar Minuten hält sie die Fahrbahn frei für Sprembergs Weihnachtsbaum. Er kommt in diesem Jahr von einem privaten Grundstück im Schäfereiweg. Schon auf dem Transporter fallen die vielen hängenden Zapfen auf. Es ist eine Gemeine Fichte, eine Rotfichte. Knapp elf Meter ist sie lang. Schlank geschnitzt wurde der Stamm schon am Dienstag, erzählt Bernd Grommel vom Betriebshof der Stadt. „So passt sie garantiert in das Loch auf dem Marktplatz“, sagt er. Und am Mittwochmorgen im Schäfereiweg musste nur noch wenig gesägt werden.
Bernd Grommel und Mario Dubrau vom Betriebshof ziehen den Gurt um den Baum. Der Haken rastet klickend ein. Mario Klar von der Kran & Transport Lausitz GmbH aus Schleife setzt sich an die Hebel. „Rund eine Tonne wiegt der Baum“, ruft Klar. Damit sei er im Vergleich zu anderen Jahren eher ein Leichtgewicht. Schnell schwebt der Stamm über der Öffnung im Marktplatzpflaster. Eingelocht? Dubrau winkt, Grommel läuft. Steht die Fichte gerade? Flink hauen sie die Holzkeile dicht an den Stamm.

Kommunen sparen bei Weihnachtsbäumen

Für den Kranführer Mario Klar ist es der dritte Weihnachtsbaum in diesem Jahr: nach Weißwasser und Rothenburg bei Niesky jetzt der Auftrag in Spremberg. „Das war es erst einmal vorm ersten Adventswochenende. Sonst hatten wir doppelt so viele Weihnachtsbäume in dieser Zeit zu stellen. Wir merken schon, dass die Kommunen sparen“, sagt Mario Klar.
Spremberg spart sich den zweiten Baum in der Dresdener Straße. Der war seit Jahren ein Hingucker für alle, die in der Adventszeit aus Richtung Hoyerswerda an die Berliner Kreuzung heranfuhren.
Doch erst einmal überwiegt die Freude über den Baum, der in diesem Jahr wieder steht – trotz erhöhter Energiekosten und trotz Klimakrise. Es ist Tradition, für den Weihnachtsbaum Nadelbäume vorzuschlagen, die für ein Grundstück zu groß oder zur Gefahr werden. „Wir hatten schon schlimmere Bäume“, sagt Mario Klar. Seit 15 Jahren, schätzt der 44-Jährige, stelle er Weihnachtsbäume auf. „Es gab sogar schon Bäume, die wir dann in ihrem Garten gelassen haben, weil sie bei näherem Betrachten nicht der Richtige für so einen öffentlichen Platz waren“, erinnert sich der Kranführer. Da hatte der Grundstückseigentümer aus dem Schäfereiweg also Glück. Wann und warum diese Fichte gepflanzt wurde und aus welchem Grund er sie loswerden wollte, das mag der Spremberger Weihnachtsbaum-Spender 2022 allerdings nicht öffentlich erzählen. Aber schön ist die Fichte, und auf das Lob des Weihnachtsbaums gibt es am Mittwoch eine Tasse heißen Kaffee aus der Stadtverwaltung für alle, die geholfen haben.

Passanten überrascht von den vielen Zapfen

Mehrere Passanten loben. Eine Frau findet, dass sich die Stadt in diesem Jahr sogar das Schmücken sparen könnte, weil an der Fichte so viele Zapfen hängen. Doch die jungen Kollegen von den Städtischen Werken bringen bereits die LED-Lichterkette und den großen Stern für die Spitze.
Die Beleuchtungszeit – Spremberg ist bekannt für seine Lichterfeste – hat die Stadt in diesem Jahr von 337 auf 158 Stunden verkürzt. Ganz ausfallen sollte die Beleuchtung nicht: Sie lockt Besucher in die Einkaufsinnenstadt, beschert den Ladeninhabern, so hofft Vizebürgermeister Frau Kulik, vielleicht doch das eine oder andere Weihnachtsgeschäft.

Licht an ab 16 Uhr

Eingeschaltet werden soll das Licht in der Innenstadt von Montag bis Freitag um 16 Uhr. Während es in der Woche bis 19 Uhr brennen soll, sei an den Wochenenden geplant, es mit der Dauer der Veranstaltungen etwas länger leuchten zu lassen.