(ani) Der Sackausklopfer hat unten ein Schubfach. Die Neupetershainerin Anna Lehmann, die sich seit Jahren um die „Alte Mühle“ in Proschim kümmert, zieht es auf. „Scherzhaft behaupte ich bei Führungen gern, dass die Krümel, die sich in diesem Fach sammeln, ins dunkle Brot kamen.“ Sie beginnt zu kurbeln. Dabei klopft der Sackausklopfer so laut, dass sich ein kleines Mädchen die Ohren zu hält. Viele Neugierige sind zur Saisoneröffnung ins Museum des Proschimer Vereins „Traditionelle Landtechnik und bäuerliche Lebensart“ gekommen. Gezeigt wird nicht nur Mühlentechnik, sondern das ländliche Leben der Region.

Eine Schuhmacherwerkstatt istkomplett erhalten. Spielzeug von der geschnitzten Kasperpuppe bis zum Schaukelpferd ist zu sehen, Hungerharken, Lochstecher, Dreschflegel und Dengel aus der Scheune des kleinen Bauern und alles, was ein Imker braucht: „Damit könnten man sofort loslegen“, sagt Anna Lehmann, die selbst auf Bienenprodukte schwört. Schräg über dem Schweinestahl liegt das kleine Fahrradmuseum. Denn Proschim hatte neben dem Reitverein, Gesangverein und Feuerwehr auch den Radfahrclub Germania.

Um einen alten Webstuhl herum liegt Wäsche aus Leinen und Damast. Jedes Exponat hat seine Geschichte. Es gibt nicht nur einen Russenweg in Proschim, sondern auch eine Russendecke: eine weiße mit blauem Garn bestickte Bettdecke. „Die russischen Soldaten haben sie benutzt, um ihre Stiefel zu wichsen“, erzählt Anne Lehmann. Als die sie von der Decke ab ließen, war sie in mehrere Fetzen zerrissen. „Eine junge Frau hat sie zusammen genäht, sie neu bestickt und ihrer Tante, der sie gehörte, zurückgegeben“, erzählt Anna Lehmann.

Proschims Mühlengeschichte ist älter als die Backsteinmühle, die die Besucher heute sehen. Zwar besaß Proschim nie eine Wassermühle – die gab es in Haidemühl und im Nachbardorf Gosda. Aber zwei Bockwindmühlen standen in der Gemarkung: eine am Oberen Landgraben in Richtung Bluno und eine nur ein paar Schritte entfernt von der Backsteinmühle.

Die Backsteinmühle selbst erlebte ihre Glanzzeit nach dem Jahr 1920 dank eines Elektromotors. Mit dem Ende der LPG, die die Mühle noch zur Futtermittelherstellung genutzt hatte, stand die Mühle 1996 vorm Abriss. Der Verein hat sie zum Museum entwickelt. Und ein Geheimtipp, so die Proschimerin Simone Wojahn, die Anne Lehmann bei den Führungen unterstützt, sei die „Alte Mühle“ auch am Tag der Einheit im Oktober: „Da feiern wir hier Kartoffeltag.“