(mla) Die Unwetterfront, die am Montag zwischen Döbern und Spremberg für erheblich Unordnung sorgte, hat sich zwar längst verzogen, aber ihre „Nachwehen“ beschäftigen die Region noch immer. Aktuell ist die Feuerwehr tatkräftig damit beschäftigt, zahlreiche abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume zu beseitigen, um den Normalzustand wiederherzustellen. Besonders um Bloischdorf hatte das Unwetter besonders schwer gewütet und mindestens 20 Bäume umgeworfen.

Darüber hinaus wird besonders im Internet darüber diskutiert, ob es sich bei dem Ereignis tatsächlich um eine Windhose gehandelt hat. Diesen Verdacht hat Amtswehrführer Lars Mudra geäußert, nachdem er sich ein Bild von dem Sachschaden machen konnte. Eine RUNDSCHAU-Nachfrage beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam bestätigt den Verdacht der Internet-User. „So kleine Windereignisse kann man auf unserem  Wetterradar nicht klar bestimmen, aber eine Windhose war es mit Sicherheit nicht“, erklärt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des DWD. Wahrscheinlicher sei es eine Gewitterfallböe gewesen, fügt er hinzu.

Diese Fallböen seien abwärtsgerichtete Luftströmungen, die in Bodenhöhe umgelenkt und sozusagen vor dem Gewitter „hergetrieben“ würden. „Die ‚herabstürzenden’, kalten Luftteilchen, die von Regen oder Hagel aus circa fünf bis zehn Kilometer Höhe mitgerissen werden, entwickeln dabei mitunter eine enorme Wucht.“ Dabei seien Windgeschwindigkeiten zwischen 150 und 200 Kilometer in der Stunde keine Seltenheit. „Das erklärt die hohe Zerstörungskraft der Böen, die meist nur wenige Minuten wüten, gefolgt von Starkregen“, so Friedrich.

Ohnehin gibt es jährlich nur etwa 20 bis 60 nachgewiesene Tornados in Deutschland, so der DWD-Experte, der gleichwohl von einer hohen Dunkelziffer ausgeht. „Unabhängig davon brauchen Tornados oder Windhosen stets einen rotierenden Luftwirbel — und den gab es in der Region am Montag nachweislich nicht.“ Vielmehr sei eine heftige Gewitterfront über die Region gezogen, die letztlich den Schaden angerichtet habe. Obwohl dieses heftige Wind­ereignis, im englischen auch Downburst genannt, in der Region eher Seltenheitswert hat, schätzen Experten die Fallzahlen dieser Gewitterfallböen auf 100 bis 1000 pro Jahr. Ein klassisches Schadensbild sind sogenannte Wurf- und Druckschäden, wie sie bei Bloischdorf dokumentiert wurden. Also Bäume, die fast alle in dieselbe Richtung umgerissen beziehungsweise von der Gewitterfront weggedrückt wurden.

Amtswehrführer Lars Mudra kann die Diskussion um die genaue Begrifflichkeit des Windereignisses nicht unbedingt nachvollziehen: „Zum einen bin ich kein Wetterexperte und zum anderen sind wir Feuerwehrleute schlichtweg dafür verantwortlich, dass nach solch einem Ereignis der Normalzustand wieder zeitnah hergestellt wird.“