Bei Forstarbeiten im Wald am Moritzteich zwischen Wolfshain und Friedrichshain ist am Dienstag ein 53-jähriger Mann aus Sachsen mit einer Holzernte-Maschine verunglückt. Gegen 12.20 Uhr war über den Notruf die Vermisstenanzeige bei der Polizei eingegangen. Wie Polizeisprecherin Ines Filohn bestätigt, wurde sofort mit der Suche begonnen. Der tonnenschwere „Harvester“ soll laut Polizei in ein altes Grubenloch voller Wasser gerutscht sein. Ein Taucher der Bergbauunternehmens Leag wurde deshalb zur Unterstützung gerufen. Aber der Vermisste konnte gegen 15 Uhr nur noch leblos geborgen werden, so die Polizeisprecherin am späten Nachmittag.

Der Krankenwagen und die Polizei versuchen zu diesem Zeitpunkt, zwischen gefällten Baumstämmen wieder einen halbwegs festen Weg auf die Straße nach Friedrichshain zu finden. Tief sind die Spuren der Wald-Erntemaschinen und Rettungsfahrzeuge. Das gesamte Gelände ist Altbergbaugebiet. Der Moritzteich war eine Kohlegrube, die heute bei den Einheimischen als Geheimtipp zum Baden gilt. Vor etwa 40 Jahren war begonnen worden, das Ostufer auf der Wolfshainer Seite zu befestigen, erinnert sich Marina Herold, die in Wolfshain aufgewachsen ist. „Als wir jung waren, sind wir im Moritzteich auch schwimmen gegangen“, erzählt Ekkart Herold. Ein Holzsteg ragt dort über die dünne Eisschicht, Strandsand wird unter dem Pulverschnee sichtbar. Eine starke Wäscheleine ist fest zwischen zwei Bäume gespannt, damit dort Handtücher im Sommerwind trocknen können. Die Idylle trügt.

Denn ganz anders ist es am Westufer, an der Straße nach Friedrichshain, wo das Ufer jetzt mit roten-weißem Band abgesperrt ist. „Es ist sehr sumpfig dort drüben“, weiß Marina Herold. „Und der Moritzteich ist stellenweise sehr tief.“ Passiert sei aber nie etwas, sagen die Herolds. Die Einheimischen kennen die Gefahren in dem Altbergbaugebiet mit seinen Kratern; alte, runde Einbrüche, in denen längst Bäume wachsen. Dass es dort nicht ungefährlich ist, weiß Marina Herold seit ihrer Kindheit. Sie kennt natürlich trotzdem die Stellen, wo hier Brombeeren oder Pilze wachsen. Und auch, wenn sie nicht mehr im Moritzteich schwimmen, fahren sie doch mit dem Rad zum Strand. Aber das halten viele Einwohner aus den Dörfern hier so. Und jetzt das . Die Unsicherheit ist groß. Man fragt sich, wie das passieren konnte.

In diesem Teil des Muskauer Faltenbogens gibt es viele Altbergbauflächen, bestätigt das Landesbergamt. Zwischen Wolfshain und Friedrichshain wurde zum Beispiel in der Grube Julius Kohle abgebaut. Rutschungen an einem Hang im Bereich der Bahnhofstraße 20 bis 26 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Solarpark auf dem einstigen Glaswerksgelände in Friedrichshain sieht das Landesbergamt jedoch nicht als Folge des Altbergbaus. Im Felixsee bei Bohsdorf hatten Taucher erst im September 2018 einen Erdrutsch entdeckt. Die Gründe und Gefahren werden noch untersucht. Wie Holger Vöhl vom Landesbergamt mitteilt, wird das Felixsee-Ufer vor der Bungalow-Siedlung so lange gesperrt bleiben, bis die Untersuchung abgeschlossen sind. Ob der Harvester-Fahrer am Dienstag einer ähnlichen Rutschung am Moritzteich zum Opfer fiel, ist eine der Fragen, die jetzt die Polizei beschäftigen.

Oder war es ein Erdbeben, dass die Erde zum Rutschen brachte? Auf ihrem Handy wurde Marina Herold kurz vor 13 Uhr eine Erdbebenwarnung mit einer Stärke von 4,7 im polnischen Leknica angezeigt. Es hat die Bergbauregion im Südwesten Polens erschüttert Das Geoforschungszentrum Potsdam bestätigte am Nachmittag, dass das Beben eine Magnitude von 4,7 erreicht hat. Demnach lag das Epizentrum 90 Kilometer nordöstlich von Görlitz in Polkowice, wo es aufgrund der intensiven Bergbautätigkeit immer wieder zu Erdbeben kommt. Die Erschütterungen sollen Zeugen zufolge auch im Osten von Sachsen zu spüren gewesen sein. Für Brandenburg schloss sie das Geofoschungszentrum nicht aus. Peter Drobig, Bürgermeister der Gemeinde Tschernitz, zu der Wolfshain gehört, schüttelt den Kopf. „Zu der Zeit war ich gerade zum Mittagessen unterwegs. Ich habe keine Erdstöße bemerkt.“ Auch die Herolds spürten kein Beben. Polizei und Leitstelle Lausitz können keinen Zusammenhang des tödlichen Unfalls am Moritzteich mit dem Erdbeben in Polen bestätigen. Die Ermittlungen zu den Umständen des Unfalls dauern an, so Ines Filohn.