Die Spremberger Tierärztin Dr. Renée Robel hat es nicht anders erwartet. „In den Gewässern unserer Region ist die Blaualge die einzige Gefahr, die so schnell den Tod eines Hundes auslösen kann“, sagt Renée Robel. Kurz nach 19 Uhr am Dienstagabend bestätigt die Pressestelle des Landkreises Spree-Neiße den Verdacht.
Mit sofortiger Wirkung gilt eine Allgemeinverfügung über das Verbot des Badens und weiterer Nutzungen in und auf der Talsperre Spremberg. Dass erst Hunde sterben mussten, ist schlimm, aber auch für Menschen ist die Blaualge gefährlich.
Das Verbot gilt für den Bereich von der Staumauer südlich bis zum Ende des Badestrandes im Spree-Camp auf der Bagenzer Seite.

Hundehalterin gibt Gesundheitsamt entscheidenden Hinweis

Nach Hinweisen einer Hundehalterin hatte das Gesundheitsamt Spree-Neiße am 10. Juni mehrere Wasserproben genommen. Die Ergebnisse für die Döbberner Seite waren unauffällig. Die drei Proben auf der Bagenzer Seite aber bestätigen ein massenhaftes Auftreten von Oscillatoriabakterien. „Es handelt sich dabei um eine Unterart der Cyanobakterien, wie die Blaualgen wissenschaftlich bezeichnet“, so Constanze Kuba von der Pressestelle des Landkreises.
Durch den Kontakt mit stark blaualgenhaltigem Wasser können bei Menschen Symptome wie Haut- und Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen und Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen hervorgerufen werden. Weitere gesundheitliche Risiken bestehen beim Verschlucken von größeren, mit Blaualgen belasteten Wassermengen.
„Obwohl die Oscillatoria nicht zu den giftigsten Cyanobakterienarten zählt, besteht eine Gefahr für die Gesundheit von Badegästen, Wassersportlern, Surfern, Bootsfahrern, Wasserskifahrern und Anglern“, zählt Constanze Kuba auf. Erst am 10. und 11. Juni hatten die 14. Wasserfestspiele mit den traditionellen Drachenbootrennen am Nordufer stattgefunden.

Reste abgestorbener Bäume im Stausee nähren Bakterien

Nach den bundesweiten Erfahrungen der vergangenen Jahre scheint es ungewöhnlich, dass die Blaualge schon im Juni „blüht“. In der Regel passiert das erst nach einigen Hitzetagen mehr. Grundlage für eine massenhafte Entwicklung der Bakterien ist neben der Hitze der hohe Nährstoffgehalt eines Sees. „Besonders auf der Bagenzer Seite sind noch sehr viele Baumstümpfe im Wasser. Und genau das nährt die Bakterien“, sagt Constanze Kuba. Zudem habe sich in den vergangenen Tagen der Wasserstand verringert, weil aufgrund der zunehmenden Trockenheit mehr Wasser in die Spree in Richtung Cottbus geschickt wurde.
Gefahr für Hunde in Spree-Neiße Vergiften Blaualgen Hunde am Spremberger Stausee?

Neuhausen/Spree

Neben den zahlreichen Badegästen, die das Spree-Camp in Bagenz wieder hatte, bittet der Landkreis Spree-Neiße auch die Hundehalter um erhöhte Vorsicht. Viele Hunde lieben das Wasser und genießen die Abkühlung an heißen Sommertagen. Das beschränke sich keineswegs nur auf einigen Arten wie den Labrador, den Retriever oder den Irischen Wasserspaniel. „Das ist jeder Hund individuell. Je nachdem, welche Erfahrungen Hunde mit Wasser gesammelt haben“, sagt Renée Robel.

Viele Hunde lieben das Baden in Gewässern

Sie schwimmen, holen den Stock aus dem Wasser, trinken. Aber aktuell kann Renée Robel nur raten, die Vierbeiner vom Wasser fernzuhalten und Trinkwasser für das Tier mitzunehmen. Das Gift kann schon nach wenigen Minuten Erbrechen und Durchfall auslösen. Hinzu kommen neurologische Symptome wie ein plötzliches Zittern. Lähmungen und Krämpfe.

Cottbus

„Es gibt kein Gegengift“, sagt die Ärztin, sondern es ließen sich bestenfalls die Symptome behandeln. Zum Beispiel mit krampflösenden Mitteln. Aber selbst die Kohletablette, zu denen Hundebesitzer für die Notfallapotheke geraten wird, falls der Hund mal Vogelbeeren oder Rattengift frisst, kann die Tierärztin bei dem Verdacht auf eine Blaualgenvergiftung nicht ohne Bedenken empfehlen. „Kohle bindet im Magen des Hundes nicht nur Wasser und Gifte, sondern auch nützliche Stoffe und kann für heftige Verstopfungen sorgen“, sagt sie. Und manchmal werde das Gift der Blaualge nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, sondern über die Haut. Deshalb rät sie grundsätzlich, Blaualgenrückstände schnell aus dem Fell zu entfernen.

Spremberg

Auch für Pferde kann Blaualgengift gefährlich sein

Renée Robel hofft: Hundebesitzer sehen, wenn das Wasser verschmutzt ist. Die beste Vorsorge sei immer noch, beim Spaziergang mit dem Hund sehr aufmerksam zu sein. Der Landkreis Spree-Neiße empfiehlt, die Hunde im Interesse des Tierschutzes am Stausee anzuleinen. Gefährlich, so die Tierärztin, kann das Gift der Blaualge auch für andere Tiere werden – „für Pferde zum Beispiel“, sagt Renée Robel.

Wasser wird weiter beprobt

Cyanobakterien der Gattung Oscillatoria wachsen als Matten in meist klaren Gewässern und halten sich eher am Talsperren-Grund auf. Darüber informiert das Gesundheitsamt Spree-Neiße. Lösen sich die Platten und treiben auf, können sie zu einer Gefahr für Badende darstellen. Zudem habe die Talsperre viele flache Areale. Das Gesundheitsamt wird weiter intensiv Wasserproben nehmen – nicht nur südlich der Staumauer, sondern auch in den nördlichen und westlichen Bereichen des Stausees. Da die Temperaturen steigen, der Wasserstand weiter abnimmt, rechnet der Landkreis durchaus mit einer weiteren Vermehrung der Oscillatoria.