Von Annett Igel-Allzeit

Vom Vater hat Torsten Wanke gelernt, mit der Kettensäge umzugehen. Wie viel Brennholz er in seinem Leben schon gefertigt hat? Unmengen – bis er mit der Säge sein erstes Gesicht in so ein Stück Stamm zu schnitzte. Freunde begeisterte er mit den ersten Wurzelgnomen. Er lernte, wo ihm Stechbeitel, Fräser, Schleifer und Elektrofeilen helfen. Und in Blockhausen im Erzgebirge bei der Kettensägenschnitzer-Weltmeisterschaft fand er das offenporige Versiegelungsöl für Hartholz. Aus Hamburg lässt er sich das Öl schicken, damit seine Figuren möglichst lange leben.

Die 15 Sommertour-Teilnehmer aus Cottbus, Forst und Spremberg gratulieren ihm zum Grundstück. Kein Ärger mit Nachbarn wegen des Lärms? Wanke schüttelt den Kopf: „Sie schauen höchstens vorbei und wollen sehen, woran ich arbeite.“ Und der Nachbar drei Häuser weiter habe es auch mit der Kunst: „Er kann Wände wunderbar bemalen“, sagt Wanke und zeigt die Garage, die mit der Landschaft an den Wänden ein Präsentationsraum für die bestellte Schnitzkunst wurde.

Seit zweieinhalb Jahren widmet sich Torsten Wanke dem Hobby mit der Kettensäge. Sein kleinstes Werk steckt in einem 45 Zentimeter hohen Lindenstamm und hat von Wankes Frau den Titel „Vaterliebe“ bekommen. Eine große Hand schützt ein kleines Mädchen. Die bisher höchste Figur ist eine Grizzly­bärin, die sich auf 2,60 Metern drohend aufrichtet. Zwischen ihren Hinterpfoten lugt ein Junges hervor.

Er schaut gern bei seinen Figuren vorbei. Was ihre Lebensdauer betrifft, sammelt er noch Erfahrungen. „Wasser und Sonne setzen ihnen zu. Risse sind nicht auszuschließen, das Holz arbeitet weiter. Aber zieht sich so ein Riss quer über das Herz, das ich für ein Paar schnitzte, ist das ärgerlich“, sagt Wanke.

Unter den Sommertour-Teilnehmern sind einige, die das Kettensägenschnitzen auch wagen wollen. Im österreichischem Lechtal, so erzählt ein Gast, habe er gehört: Ist die Rückseite einer Figur nicht so von Bedeutung, sollte man dort einen Spalt hineinschlagen, das könne Risse verhindern helfen. Wanke will das ausprobieren.

Gudrun Gussow aus Sielow hat ein Foto dabei. Ob man aus dem Baum, der in ihrem Garten wurzelt, aber kein Blatt mehr trägt, etwas schnitzen könnte? Wanke nickt und sieht gleich etwas im Stamm mit den zwei Ästen. Die Gussows lieben Holzarbeiten. „Früher haben wir selbst gedrechselt“, so Gudrun Gussow.

Bernd Richter aus Forst bewundert die Vorstellungskraft Wankes: „Zum einen sieht er ja das Tier im Ast schon im Wald, zum anderen gelingt es ihm, die Eule so aus dem Holz herauszuholen, dass sie tatsächlich wie eine Eule aussieht.“ Wanke erzählt, wie er seine Eichhörnchen am Anfang als zu wohlgenährt empfand: „Es waren eher Wombats.“ In Australien lebende Plumpbeutler. Aber es bestehe auch immer die Gefahr, dass zu viel weggenommen wird. Ein Hase ohne lange Ohren ist kein Hase. Werner Donath winkt ab: „Es gibt Hasen mit nur einem Ohr.“ 1966 habe er so ein Exemplar gesehen. „Vielleicht hatte er es als Jungtier an einer Drillmaschine eingebüßt“, mutmaßt Donath.

Bernd Oberschmidt beobachtet den Schnitzer schon länger: „Er ist hier und da mal mit Vorführungen zu erleben. Aber ihn heute zu Hause besuchen und sich mit ihm unterhalten zu können, das hat Spaß gemacht“, so der Spremberger.

Es geht quer über den Hof – zum hölzernen Pferdekopf, der aus dem ehemaligen Stall schaut, zur Bärenbank, zur Stele mit dem Löwen. Und was wird aus dem Eichenstamm auf der Wiese? Was Wanke darin sieht, könnte die Bärin deutlich überragen. Er hat die Figur mit Kreide angedeutet. Doch der Wind hat die Striche verweht. Nur Wanke selbst sieht es noch und verrät nichts – noch nicht.

Die Arbeit Schritt für Schritt gibt es auch in einer Foto-Galerie)$ zu sehen auf www.lr-online.de/bilder

Die RUNDSCHAU-Sommertour am 18. Juli, auf Gut Neu Sacro bei Forst wird zur „Milch & Honig“-Tour. Sie ist auf 25 Teilnehmer begrenzt und kostet 12,50 Euro. Anmeldung unter 0355 481595.