Eroberungen sitzen tief
Ich weiß nicht, ob Frau Keilholz je in der Sowjetunion oder in einer ihrer Nachfolgestaaten war und mit den Leuten dort Kontakt hatte. Ist sie schon mal über den Moskauer Roten Platz geschlendert und hat Lenin und das GUM besucht? Hat sie von den Tränen im Khanpalast von Bacht­schyssarai gekostet und ist zum Schwalbennest gestiegen? Hat sie die wunderschönen Jugendstilhäuser von Riga und die Altstadt von Tallinn gesehen?  (...)
Weiß Frau Keilholz, was unsere Vorfahren mit dem Katharinenpalast gemacht haben bei der Eroberung 1941? War sie auf dem Friedhof Piskarjowskoje, wo Zigtausende Verhungerte und Erfrorene der Blockade liegen, und hat die Tagebuchseiten der kleinen Tanja gelesen, die als einzige ihrer Familie übrig geblieben ist (dann auch gestorben ist)?
Kann man es Russland verdenken, dass es alles dafür tut, dass es nie ein Eroberer mehr schafft, bis vor Moskau und Leningrad und bis an die Wolga zu kommen? Warum ist denn der „Westen“ nicht auf Putins Vorschlag eingegangen, den er seinerzeit auf der Münchener Sicherheitskonferenz gemacht hat, vom Atlantik bis nach Wladiwostok eine Sicherheitspartnerschaft zu schaffen? Sicherlich war es für den „Westen“ leichter, mit einem angetrunken herumtorkelnden Jelzin zu verhandeln als mit einem selbstbewussten Putin, der seinem Land den Stolz und die Würde, die es verdient,  wieder zurückgegeben hat.
Wenn Nato-Manöver nur logistischen Zwecken dienen, sollten die Panzer nicht nach Osten vor die russische Grenze, sondern nach Süden rollen. Da könnten sie die Lage zwischen den Nato-Mitgliedern Griechenland und der Türkei beruhigen. (...) Ich hoffe, dass Herr Platzeck (Vorstand des deutsch-russischen Forums, d. Red.) weiter Kraft findet, gegen den allgemeinen Strom in diesem Land für die deutsch-russische Verständigung und Freundschaft zu kämpfen. Und ich wünsche Frau Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns,  Durchstehvermögen, damit der zweite Strang der Ostseepipeline fertig gebaut wird. (...)
Gerd Droese, Spremberg